Taylor Swift in Wien: Mehr als nur eine Absage

Wut. Ja, das beschreibt es zwar irgendwie, doch dieser Begriff reicht längst nicht aus, um das zu erfassen, was in den letzten Tagen in Österreich passiert ist. Denn es geht hier nicht nur um enttäuschte Fans – die Ereignisse haben tiefgreifende und beunruhigende Auswirkungen auf zentrale gesellschaftliche Themen. Warum das so ist, fragst du dich?

Das liest du hier.

Von Safe Space zur Terror Zone

Tanzende (zum Teil sehr junge) Menschen, fröhliches Freundschaftsarmbänder-Tauschen und laut mitgesungene Texte – all das zeichnet die Community rund um Taylor Swift aus. Klar, ich mag ihre Lieder, jedoch habe ich mich viel mehr darauf gefreut, die „Girlhood“ – wie es auf Social Media gerne genannt wird – selbst mitzuerleben. Ich wollte das Gefühl verspüren, einfach in einem Safe Space zu sein, zwischen all den tollen Menschen, die genauso auf dieses Konzert hin gefiebert haben wie ich. Allein die Bilder aus München, bei den Konzerten nicht nur tausende Menschen im, sondern auch rund um das Stadion mitgefeiert haben, machten Lust auf mehr. Die Erkenntnis, dass wir das in Österreich nicht erleben dürfen, tut unglaublich weh. Doch zusätzlich wird einem schmerzlich bewusst, dass nicht nur ein Konzert abgesagt, sondern wohl einer der wichtigsten Safe Spaces für „girls, gays & theys“ genommen wurde. In einer Zeit, in der Frauenrechte und LGBTQ+ Rechte weltweit unter Druck stehen, sind Safe Spaces wichtiger denn je. Diese Orte bieten Schutz vor der immer noch allgegenwärtigen Bedrohung durch Hass, Diskriminierung und Gewalt. Das Wissen, dass es einen Ort gibt, an dem man sicher ist, gibt vielen Menschen die notwendige Sicherheit, um überhaupt öffentlich zu sein. Das Gefühl, Teil einer Bewegung zu sein, die für Gleichberechtigung, Respekt und Liebe steht, gibt Kraft und Mut, auch im eigenen Leben für diese Werte einzutreten. Das es generell viel zu wenige dieser Safe Spaces gibt, steht außer Frage. Dass diese Möglichkeit in Österreich durch Terror und Hass zerstört wurde, trifft nicht nur die Fans, sondern sendet eine tief besorgniserregende Botschaft an die Gesellschaft. Es zeigt, wie fragil unsere Fortschritte in Bezug auf Gleichberechtigung und Sicherheit wirklich sind und wie wichtig es ist, diese Räume weiterhin zu verteidigen und auszubauen.

Dankbarkeit & Sicherheit

All das soll jedoch nicht bedeuten, dass wir nicht unendlich dankbar sein sollten, dass die Konzerte abgesagt wurden. Für alle, die sich nicht erinnern können: 2017 führte ein islamistisches Selbstmordattentat auf das Ariana Grande Konzert in der Manchester Arena zu einer riesigen Katastrophe. Kurz nach dem Ende des Konzerts kam es im Foyer der Arena zu einer Explosion, 23 Menschen starben, 116 wurden zum Teil schwer verletzt. Ich kann und will es mir nicht ausmalen, was in Wien passieren hätte können, wenn die Sicherheitsmaßnahmen nicht so konsequent eingehalten worden wären und die Konzerte stattgefunden hätten. Aus einer sehr egoistischen Sicht gesehen: Wäre ich noch am Leben? Wären meine Liebsten, mit denen ich nur auf dem Konzert feiern wollte, noch am Leben? Würde ich lebenslang mit den Folgen eines Traumas kämpfen, ohne jemals wieder zurück zur Normalität finden zu können? Es ist sehr beruhigend zu wissen, dass die klare Botschaft dahinter ist: Die Sicherheit der Menschen steht an erster Stelle, und wir dürfen sie nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Zum Glück wurde diesmal VOR der Katastrophe gehandelt, nicht danach. Hier wurde definitiv alles richtig gemacht.

Wie geht es weiter?

Aktuell tut es sehr weh, diverse Kommentarspalten zu lesen, da sie nur so von rechtspopulistischer Scheiße überfüllt sind. Ich befürchte auch, dass das Ereignis eine maßgebliche Beeinflussung auf die politische Entwicklung der nächsten Wochen in Österreich hat – schließlich stehen die Wahlen an. Vielleicht übertreibe ich, aber die Vergangenheit hat uns gezeigt, dass genau diese bevölkerungsnahen Events maßgeblich dazu beitragen, wie entschieden wird. Vergessen werden dann gerne nur die, die absolut nichts für solche (geplanten) Taten können.

Die, die ein Zuhause in Österreich gefunden und es schon tagtäglich schwer genug mit Marginalisierung und Rassismus haben. Die, die einfach nur versuchen ein besseres Leben im einen Land zu haben, dass manchmal nur so von Hass strotzt. Wenn Menschen das Gefühl haben, unerwünscht zu sein und ständig unter Generalverdacht zu stehen, wird es immer schwieriger, ein Gefühl der Zugehörigkeit und des Vertrauens aufzubauen. Anstatt sich von Hass und Angst leiten zu lassen, sollten Brücken gebaut und Verständnis füreinander gefördert werden. Nur so kann eine friedliche und gerechte Gesellschaft entstehen, in der alle Menschen – unabhängig von ihrer Herkunft – sicher und respektiert leben können.

Femizide – der letzte Weg der Macht

Der Femizid ist die Endstation einer jahrelangen Tortur. Davor haben wir weggeschaut, vielen Frauen nicht geglaubt. Es ist die grausame Beendigung all jenem, wo es noch Hoffnung gab. Viele haben um Hilfe gebeten. Viele haben ihrer Angst kundgetan. Jetzt sind sie tot und ein gefundenes Fressen für die heimischen Boulevardmedien.

Klicks, Klicks, Klicks – die lassen sich am besten mit den verpixelten Fotos der Mordopfer generieren. Oder mit der Herkunft des Täters, vorausgesetzt, dessen Staatsbürgerschaft hat kein österreichisches Siegel. All dem gemein ist aber, dass das einst durch die Frauenbewegung geprägte und auch im wissenschaftlichen Kontext genutzte Wort „Femizid“ keine Definitionserklärung mehr benötigt. Österreicher*innen wissen was Sache ist – schließlich wird mittlerweile fast täglich darüber berichtet. 17 Femizide in Österreich laut Medienberichten allein bis dato im Jahr 2021. O Österreich, du Land der Frauenmörder!

Die Bezeichnung steht für mehr als einen Mord. Sie beschreibt ein verheerendes gesellschaftliches Problem, welches nichts mit den Individuen, sondern allgemein mit den patriarchalen Strukturen einer Gesellschaft zu tun hat. Wieso ist Österreich heuer trauriger Spitzenreiter? Liegt es an der Corona-Pandemie und der durch Lockdowns verminderten Flucht- und Ausweichmöglichkeit? Die letze Frage ist bewusst provokant gewählt. Dass der Mann nicht gewalttätig werden darf, wird selten so betont wie die Handlungen der Frauen. Hat SIE sich wohl gewehrt? Hat SIE etwas dagegen getan? Ist SIE gegangen? Wenn nicht, ist ER auch nicht der Hauptverantwortliche.

Sieht man sich die Zahlen an, ist die Entwicklung erschreckend: Im Jahr 2015 waren es insgesamt 17 Frauenmorde. Im Jahr 2018 der traurige Höchststand von 41 getöteten Mädchen und Frauen (Quelle: Autonome Österreichische Frauenhäuser – aoef.at). Die Täter (in diesem Fall kein Gendern notwendig) stehen immer in einem Verhältnis zu den ermordeten Frauen, und sind (Ex-)Partner, Bekannte oder Familienmitglieder. Wer es herunterbrechen möchte: Monatlich werden im Schnitt mittlerweile 3 Frauen in Österreich getötet. Das Problem sitzt also tiefer als wir glauben möchten.

Der Kern des Problems

Es ist gar nicht so lange her, dass der Rechtsstaat Österreich eine Vergewaltigung in der Ehe noch nicht als Strafdelikt (Sexualstrafrechtsreform 1989) ansah. Die Frau musste ihren „ehelichen Pflichten“ nachkommen – Befriedigung war eine davon. Arbeiten zu gehen, ohne die schriftliche Einwilligung des/eines Mannes, war undenkbar und Wegweisungen, das Betretungsverbot und die einstweilige Verfügung als Schutzmaßnahmen sind zwar gesetzlich verankert, werden jedoch meist zu spät ausgesprochen – und dauern viel zu kurz an.

Gewaltschutzeinrichtungen schlagen Alarm aufgrund der aktuellen Situation und fordern unter anderen mehr Geld für Präventionsmaßnahmen. Die Opferschutzeinrichtungen vermissen die geforderte Erhöhung der Mittel für Gewaltschutz. Sie hatten 228 Millionen Euro im Jahr für eine Ausweitung und längerfristige Absicherung ihrer Arbeit und zusätzlich rund 3.000 neue Arbeitsstellen im Opferschutz gefordert. Die Politik stellt sich taub – stempelt das Problem als „kulturell bedingte Gewalt“ ab und will hierfür Studien zur Ursachenforschung betreiben (Stand Mai 2021). Dass das Problem komplexer ist und sich nicht mit einer breit aufgestellten Studie vermindern lässt, wird hierbei ignoriert.

Patriarchale Strukturen mit Folgen

Berichte aus Schweden zeigen, dass auch trotz hoher Prioritätsordnung von Gleichberechtigungsbestrebungen die Zahlen von Gewalt und Morden an Frauen trotzdem hoch bleiben. Das „Nordische Paradox“, die Bezeichnung dieses Phänomens in der Wissenschaft, lässt sich vermutlich auf den Bruch der traditionellen Geschlechternormen zurückführen. Frauen verdienen mehr, sind unabhängiger und nicht an den Mann gebunden. Für die Männer hat diese Tatsache in einer patriarchalen Gesellschaft zur Folge, dass der „eigene Wert“ verloren geht – der „Wert des starken Mannes“. Viele reagieren mit Angstzuständen und Depressionen. Anderen nutzen Gewalt als Ventil um den Frust abzulassen.

Zusammengefasst darf nicht nur eine Forderung für mehr Geld bezüglich Opferschutz im Raum stehen, sondern es müssen Präventionsmaßnahmen auch wirklich umgesetzt werden können. Beginnend in Kindergärten und Schulen müssen die Kleinsten sensibilisiert werden und sich die Sensibilisierung auf das Thema über Generationen erstrecken. Es ist kein Problem, dass sich von heute auf morgen aus der Gesellschaft wegrationalisieren lässt. Es ist auch kein Problem, welches eine bestimmte Community, Glaubensgruppen oder Schichten betrifft- allein der Fall von Sigrid Maurer zeigt auf, dass es jede*n treffen kann, egal welchen Status man in einer Gesellschaft hat.
Das Kernproblem der Femizide ist tiefsitzend und mit unser allen Werten und Traditionen verknüpft. Es wird Jahre dauern, bis sich etwas in eine positive Entwicklung lenken wird. Der Kampf lohnt sich aber – für jedes Geschlecht!

Hilfe für Gewaltbetroffene gibt es hier:

Frauenhelpline (Mo–So, 0–24 Uhr, kostenlos): 0800 / 222 555

Männerberatung (Mo–Fr, Ortstarif): 0720 / 70 44 00

Männernotruf (Mo–So, 0–24 Uhr, kostenlos): 0800 / 246 247

Was von den „Likes“ bleibt

Irgendwie ist es gruselig! Die erste Generation, die mit Facebook und Co. aufwächst, ist auch die Erste, die „virtuelle“ Spuren hinterlässt. Was früher Tagebücher und Liebesbriefe waren, sind heute Messages, Likes und Postings. Eines ist klar: Was das Internet einmal hat, ist für immer gespeichert.

Diese Daten sagen viel über einen Menschen aus, und können so für Hinterbliebene einen Trost, aber auch manchmal eine Erklärung liefern. Wie im Falle eines 15-jährigen Mädchens aus Berlin, das 2012  vor eine U-Bahn gestürzt ist. Die Eltern der jungen Frau kämpften fast sechs Jahre darum, Einsicht in die privaten Nachrichten der verstorbenen Tochter zu bekommen – mit Erfolg. Heute entschied der Bundesgerichtshof in Karlsruhe in letzter Instanz, dass auch digitale Inhalte wie Tagebücher oder Briefe behandelt werden sollten, denn diese gehen nach dem Tod einer Person auch an die direkten Erben. Die Eltern des Mädchens  haben nun endlich eine Art Gewissheit. Denn  Suizid wurde bis heute von der Familie des Mädchens nicht ausgeschlossen.

Die eigentliche Schwierigkeit in diesem Fall ergab sich aus den Datenschutz-Verordnungen von Facebook. Grundsätzlich kann man Konten von Personen durch ein paar Mausklicks in den „Gedenkzustand“ bringen. Somit kann man das Profil von Verstorbenen immer besuchen, jedoch kann niemand mehr eine Änderung daran vornehmen. Wer das im Fall der 15-Jährigen veranlasst hat, ist ebenso unklar. Facebook schweigt auch hier aus Datenschutz-Gründen. Weiteres ist Facebook um den Datenschutz der Freunde des Mädchens besorgt: Denn der Schutz der Dritten sollte in diesem Fall garantiert sein. Wie dieses Meldeformular aussieht, habe ich euch im folgenden Screenshot illustriert:

Facebook
Quelle: Facebook

Wem überlasse ich mein Facebook-Profil?

Damit man schon im Vorhinein das Entscheidungsrecht darüber hat, wer nach dem Tod die privaten Daten auf Facebook sehen und bearbeiten darf, hat der Social-Media-Riese ein extra eingerichtetes Feature. Wieso man hierfür 18 Jahre alt sein muss, erschließt sich mir leider nicht ganz:

Facebook3
Quelle: Facebook

Hier kann man seinen „Nachlasskontakt“ bestimmen, der im Todesfall das Profil verwalten kann. Wenn man auf ein Facebook-Profil nach dem Tod lieber verzichten würde, kann man auch eine Löschung veranlassen. Beides ist unter Einstellungen im Bereich „Konto verwalten“ zu finden. Wie das Ganze aussieht, seht ihr hier:

Faccebook2
Quelle: Facebook

 

Wie es auch sei und ob man sich für eine der Möglichkeiten schon im Vorhinein entscheidet, es ist doch immer am Wichtigsten,  während Lebzeiten darauf zu achten, was man veröffentlicht und was nicht. Und zum Thema Datenschutz: Ach Facebook, seit wann ist euch DER denn eigentlich SO wichtig? 😉

Bis bald,

Melanie

Brauchen wir ein Drittes Geschlecht?

Der Verfassungsgerichtshof gab letzten Freitag bekannt, dass neben „männlich“ und „weiblich“ eine weitere Geschlechtseintragung in amtlichen Dokumenten möglich sein muss. Das Ganze ins Rollen brachte Alex Jürgen*, eine intersexuelle Person, die sich diskriminiert fühlte, da es ihr nicht gestattet worden war, ihren Geschlechtseintrag im Zentralen Personenstandsregister auf „inter“ oder eine ähnliche Formulierung ändern zu lassen.

Traurig einerseits, dass der Verfassungsgerichtshof erst auf Druck das Personenstandsgesetz amtswegig geprüft hat. Erfreulich natürlich andererseits, dass endlich darüber geredet wird und etwas passiert. Denn laut einer EU-weiten Statistik sind 1,79 Prozent der Bevölkerung intergeschlechtlich. Umgerechnet sind das dann mehr als 9 Millionen Menschen in der EU, die seit Jahren kein offizielles, amtliches Recht auf Intersexualität haben – und das im 21. Jahrhundert.

Außerdem könnten in Zukunft mit dieser Möglichkeit vielen Kindern eine Menge Leid erspart werden. Geschlechtsanpassungen sind, vor allem im Baby- und Kindesalter, gang und gäbe. Schließlich muss das Kind „Geschlechtskonform“ erzogen werden. Einen offiziellen Buben in Mädchenkleider zu stecken, da sich das Kind doch in eine andere Richtung entwickelt, erscheint doch als unmöglich für Eltern. Ich hoffe, man versteht die Ironie.

Jedenfalls ist der Mensch ein komplexes Wesen und das körperliche Geschlecht muss nicht immer mit dem „geistigen Geschlecht“ übereinstimmen. Im englischen Sprachgebrauch lässt sich das leichter in „Sex“ (biologisches Geschlecht) und „Gender“ (kulturelles Geschlecht) unterteilen. Die Möglichkeit nun, offiziell intersexuell sein zu können, könnte also vielen Menschen in Zukunft vieles erleichtern. Oder eben auch erschweren…

Braucht man überhaupt Geschlechter?

Muss man sich „abstempeln“ lassen? Welcher Nutzen hat die Menschheit von einem „M“, „F“ oder nun bald auch „X“ in offiziellen Dokumenten? Dass das Ganze im medizinischen und deshalb biologischen Sinne wichtig werden kann, ist mir bewusst. Jedoch ist jede*r Patient*in individuell und ein*e Mediziner*in muss sich auf die jeweiligen Umstände so oder so einstellen. Also nochmal: Worin steckt der Sinn hinter dieser Klassifizierung? Ob nun jemand männlich, weiblich oder einfach inter ist, ist doch irrelevant. Mensch ist Mensch, es reicht doch, wenn man eine Staatsbürgerschaft hat, hinter der sich schon eine Sinnhaftigkeit versteckt. Also wieso muss man ein Geschlecht „haben“? Aufs Damenklo darf ich auch ohne Vermerk im Reisepass!

Eine Dekonstruktion der Geschlechter im juristischen Rahmen könnte so eine Erleichterung darstellen. Denn rein amtlich und offiziell gibt es dann keinen Unterschied mehr zwischen den Geschlechtern. Davon könnten wir doch nur alle profitieren, oder?

Bis bald,

Melanie

Rassismus ist keine Meldung wert

Wer Journalist*in werden möchte, muss auch mit negativer Kritik umgehen können. Und das ist durchaus diplomatisch ausgedrückt! Hass und Anschuldigungen erreichen Journalist*innen immer direkter und ungefilterter. Was früher vielleicht fünf Drohbriefe nach einem pikanten Artikel waren, sind heute unzählige E-Mails, Kommentare und, wenn es ganz außer Kontrolle geht, auch Anrufe.

Ich möchte jetzt nicht behaupten, dass das Internet daran Schuld ist, aber salopp gesagt: Jeder Idiot kann heutzutage seinen Scheiß veröffentlichen, egal welcher Wahrheit die ganze Sache entspricht. Im Gegenzug erhält man auch Reaktionen auf sein geteiltes Wissen so schnell wie noch nie. So wird die Arbeit der Journalist*innen von manchen Leuten als lästige  Nebensache gesehen, welche man praktischer Weise auch in kürzester Zeit negativ befeuern kann. Denn für was braucht man noch eine*n Journalist*in, wenn man jegliche Information per Internet zum Nulltarif bekommen kann? Wenn mir einfach etwas nicht passt, wie jemand anderer berichtet, denkt oder publiziert, dann soll der das auch zu spüren gekommen – so jedenfalls der Anschein.

Der etwas „andere“ Journalist

Was passiert nun, wenn man Journalist*in ist UND einer Minderheit eines Landes angehört? Hasnain Kazim, deutscher Außenkorrespondent von SPIEGEL ONLINE in Wien, bekommt dies täglich zu spüren. Sein E-Mail-Postfach quillt praktisch über, und nett sind nur die wenigstens Zusendungen.  Als Sohn indisch-pakistanischer Eltern in einer Zeit, in der der Rechtspopulismus immer stärker wird, in einem Land, in dem kürzlich ein „Burka-Verbot“ ausgesprochen wurde… Die Hassnachrichten dazu kann man sich nun ausmalen. „Raus aus Deutschland, du Islamist!“ ist harmlos, glaubt mir. Herr Kazim hat jedoch den Spieß umgedreht, und antwortet den „Hatern“ gerne  so sarkastisch, dass das Lesen wirklich Spaß macht. Im Buch „Post von Karlheinz“  hat er die „besten“ Dialoge zusammengefasst und zeigt auf, wieso der Kontakt zwischen Produzent*innen und Rezipient*innen oft genauso wichtig ist, wie die Veröffentlichung der Texte  selbst.

Auffallend dabei ist eben, dass es immer darauf ankommt, wer etwas veröffentlicht. „Logisch!“, könnte man nun behaupten. Aber ich meine das nicht im inhaltlichen Sinne, sondern ganz auf die Optik bezogen. Nämlich die Optik oder eben jedenfalls die Herkunft der äußerlichen Merkmale der Autor*innen oder die Herkunft des Namens. Immer noch sind gewisse Stereotypen in den Köpfen der Menschen eingebrannt. Besonders Journalist*innen mit „ausländischen“ Wurzeln und „fremd“ klingenden Namen sind gerne im Fokus des Hasses. Welche politische Einstellung, Meinungen oder gar Ressorts sie angehören, scheint wiederum keine Rolle zu spielen.

Journalist + „Ausländer“ = das ultimative Hassbild

Der Hass, die Vorurteile und die Ausgrenzung: All das muss aufhören. Natürlich ist es nicht leicht, von einem Tag auf den anderen keine Vorurteile mehr zu haben. Das Thema ist komplex, sollte aber auf keinen Fall unter den Tisch gekehrt werden. Denn wir alle sind Menschen. Ja, auch Journalist*innen, wenn das auch viele gerne anders sehen würden. Das Bild des „informierenden Journalisten“ hat sich zum bösen, „linkslinken-lügenden-Drecksgutmenschjournalisten“ gewandelt. Wenn man dann zu allem Überschuss auch noch „anders“ als der Rest aussieht, hat man es doppelt so schwer. Dennoch sollte ein miteinander ohne Hass keine Utopie mehr sein. Jedenfalls der Versuch dazu.

Bis bald,

Melanie

Rauch(freie) Nation?

1. Mai 2018: Der Tag, der vielen Wirten in Österreich schon einige Sorgenfalten bereitet hat. Dank der neuen Regierung unter der ÖVP-FPÖ-Koalition dürfte sich dieses Datum noch ein bisschen nach hinten verschieben. Die Verschiebung oder sogar Aufhebung des totalen Rauchverbots in Österreich sorgt im Land selbst für hitzige Diskussionen – von unseren Nachbarländern werden wir aber nur müde belächelt.

Das Rauchen gesundheitsschädlich ist und vor allem für Kinder maßgebliche Folgen haben kann, dürfte mittlerweile kein Geheimnis mehr sein. Dass man auch nicht unbedingt Nichtraucher*in sein muss, um den kalten Gestank nach einem Gasthaus- oder Barbesuch zu hassen, ist ebenfalls keine neue Erkenntnis. Also warum wehren sich so viele gegen das totale Rauchverbot?

Wer raucht, konsumiert mehr und bleibt länger im Lokal – so das mitunter lauteste Argument der Gastronomie. Vor allem bei den eisigen Temperaturen im Winter in Österreich ist es auch durchaus verständlich, dass Raucher*innen lieber in der Gaststätte qualmen als vor der Tür erfrieren.  Ergo würden ab einem eintretenden Rauchverbot die Anzahl der Gäste drastisch sinken und viele Wirte müssten über kurz oder lang ihren Job aufgeben. Dass das aber in anderen Ländern funktioniert, und Menschen trotz Rauchverbot das Haus verlassen und in Restaurants und Bars verweilen, wird gerne außer Acht gelassen. Diese Schwarzmalerei kann man auch gern als Panikmache ansehen, oder gehen Italiener*innen nun nicht mehr in Restaurants oder Iren in Pubs? Beide Länder halten sich übrigens schon seit 2004 bzw. 2005 an strenge Rauchergesetze. In Italien ist das Gesetz sogar das erfolgreichste Gesetz unter der Regierung Berlusconis!

Am allerwichtigsten sollte uns dennoch die Gesundheit sein. Ich spreche nun auch nicht von der Gesundheit erwachsener Menschen, denn die sind selbst verantwortlich, wie sie damit umgehen. Wer raucht, soll bitte gerne rauchen. Welche Folgen das hat, müsste jede*r nun wissen. Von Lungenkrebs über fahle Haut und gelbe Zähne ist die Spannbreite der Folgen des Rauchens breit. Als erwachsener Mensch kann ich aber entscheiden, ob ich das möchte oder nicht. Auch als Nichtraucher*in kann ich gezielt Raucherlokale meiden oder meine Mitmenschen bitten, nicht in meiner Nähe zu rauchen. Obwohl die Trennung in den meisten Gaststätten zu wünschen übrig lässt! Eine geöffnete Tür und der ganze Rauch zieht ins vermeintliche, „rauchfreie“ Nebenzimmer. Eh wuascht, wenn man am Tag davor fort war – die Rauchablagerungen schnäuzt man sich eh fünf Tage später noch aus den Nebenhöhlen!

Kinder haben es aber deutlich schwerer: Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, hat niemand darüber nachgedacht, ob es für mich ungesund sein könnte, sonntags in ein Gasthaus zu gehen. Warum auch? Rauchen gehörte eben dazu. Tradition und so. Heute kriege ich selbst die Krise, wenn ich sehe, dass Babys oder Kinder in Raucherbereichen sitzen müssen und dem ständigen Passivrauch ausgesetzt sind. Kinder können sich schließlich nicht wehren. Natürlich könnte man nun argumentieren, dass Eltern zu Hause auch rauchen und die Kinder dann diesem Rauch ausgesetzt sind. Aber wenn ein Verbot nur eine Familie zum Umdenken bringen würde, dann hätte es sich in meinen Augen schon gelohnt. Außerdem bezeichnen sich 27 Prozent der 12- bis 18-jährigen Jugendlichen laut Statista Austria als „aktive Raucher“. Kein Wunder, wenn der Konsum von Zigaretten mit 16 Jahren legal und so ein Packer’l immer und überall verfügbar ist. Bei einem Preis von circa 5 Euro pro Packung lässt sich das mit dem Taschengeld gut vereinbaren.

Die Wirtschaft über die Gesundheit einer Bevölkerung zu stellen, ist von einer Regierung weniger durchdacht. Ein generelles Rauchverbot wäre zwar eine große Umstellung für die Bevölkerung, da man heutzutage schließlich fast überall rauchen darf. Aber ebenso wäre es eine Bereicherung. Vielleicht nicht mehr für die heutigen Raucher*innen, aber für unsere nachfolgenden Generationen, die „Qualmfrei“ aufwachsen dürfen. Denn Zigaretten haben mit der Tradition eines Landes weniger zu tun, und auch wenn: Hexenverbrennungen waren damals auch ganz nett…

Wer jetzt damit argumentieren möchte, dass Alkohol ebenfalls ungesund ist: Stimmt. Aber ob ich mir an der Theke fünf oder 20 Mixgetränke bestelle, dürfte meinen Sitznachbar erst dann stören, wenn ich ihm auf den Schoß speib. Davor freut’s den Wirt!

Bis bald,

Melanie

P.S.: Das „Don’t smoke“-Volksbegehren (https://www.dontsmoke.at/) liegt noch bis 4. April online und in jeder Gemeindebehörde zum Unterschreiben bereit.

Die „Bitch Academy“

Alle meine Gebete in den letzten 21 Jahren wurden erhört! Mädels, packt eure Sachen, auf geht’s nach Russland, denn es gibt sie wirklich: Die Bitch Academy.

Nein, hier ist nicht die Rede von einer Universität, die diplomierte Prostituierte ausbildet. Obwohl das der Sache schon ziemlich nahekommen würde. In der „Bitch Academy“ in Moskau wird jungen (oder weniger jungen) Damen beigebracht, wie man sich einen „Sugar Daddy“ angelt.

Für alle wohlbehüteten, unschuldigen Mitmenschen: Ein „Sugar Daddy“ ist ein meist etwas reiferer Herr, der eine Menge Geld am Konto hat. Umso höher der Kontostand, umso jünger meist auch die Frau an seiner Seite. Rein optisch sprechen wir hier nicht von der Kategorie David Beckham oder Enrique Iglesias, sondern Richard Lugner. Letzterer ist wohl der bekannteste „Sugar Daddy“ Österreichs, welcher übrigens wieder mit einer 58 Jahre jüngeren Frau turtelt.

Für umgerechnet schlappe 100 Euro kann man also Teil eines Kurses der „Bitch Academy“ werden. Man lernt dort eben wahnsinnig innovative Dinge: „Zuallererst musst du fröhlich sein. Lieb, sanft, zärtlich, adrett, nicht langweilig, sehr sexy und keine Hure.“ Die passende Lap-Dance-Kurseinheit gibt es natürlich auch dazu.

Nun, da ich quasi selbst eine Bitch Academy eröffnen könnte, mit meiner unglaublichen Lebenserfahrung und meinen unemanzipierten Lebensstil, hier ein paar exklusive Tipps von der Bitch höchstpersönlich nur für euch:

1) Schweigen ist Gold

Je weniger du redest, desto weniger kann der Mann auch erkennen, dass da etwas Hirn hinter der gepuderten Stirn ist. Männer haben ANGST vor Frauen, die 2+2 zusammenzählen können. Also rede nicht, schweige lieber.

2) No-Make-Up mit Make-Up

Soll heißen: Du bist hässlich. Vor allem ungeschminkt. Aber da wir um Himmelswillen nicht geschminkt aussehen sollen, musst du dich so schminken als wärst du nicht geschminkt. Das soll aber dann so aussehen, als wärst du trotzdem geschminkt, ohne aber geschminkt zu sein. Ihr versteht.

3) Du darfst alles machen…

…außer eben das, was du gerne machst. Denn alles was du gerne machst, wirkt so als hättest du Spaß am Leben. Und das kannst du ohne Mann doch schwer haben, oder?

Die drei durchaus essentiellen Tipps waren nun kostenlos, für alles weitere werden in Zukunft auch von mir Kurse angeboten. Da die Wirtschaft in Österreich auch 2018 wachsen wird, kann ich ruhig 150 Euro pro Kursteilnehmerin verlangen. Aber woher weiß ich das überhaupt? Als Frau?

Melanie

 

P.s.: Wer sich nun die Frage stellt, wie ich auf die „Bitch Academy“ komme: Es gibt einen gleichnamigen Dokumentationsfilm und ein „kreuz&quer“-Dokumentation auf ORF2, in der das Thema behandelt wird. Empfehlenswert!

 

Unnützes Wissen zum Angeben

Im Urlaub hat man viel Zeit nachzudenken. Wenn man aber im Jahre 2017 lebt, hat man noch mehr Zeit, um zu googeln. Oft ist Google wie eine Packung Dragee Keksi: Man würde gerne aufhören, kann aber nicht. In meinem Fall endet das dann in einem großen Überfluss an Informationen, die niemanden interessieren, aber die man einfach gerne loswerden würde. Deshalb gibt es heute von mir…

10 unnütze Fakten, die man trotzdem nie wieder vergessen wird

1.Nicht überall in Europa werden die Uhren auf Sommerzeit umgestellt.

Die Isländer pfeifen schon seit 1968 auf die Zeitumstellung. 2011 folgt Weißrussland und 2014 Russland. In diesen Ländern herrscht die ewige „Winterzeit“.

2.Nutella hat einen Lichtschutzfaktor von 9,7

Empfehlenswert ist der beliebte Brotaufstrich als Sonnencreme trotzdem nicht. Nutella klebt, zieht nicht richtig ein und lockt Insekten an. Außerdem ist eine Sonnencreme erst ab LSF 20 wirklich schützend.

3.Der Eiffelturm ist im Sommer höher als im Winter.

Eisen dehnt sich bei Hitze nämlich aus und somit ist das Wahrzeichen sogar 15 bis 30 Zentimeter höher als im Normalzustand.

4.Man muss ungefähr 50 Mal am Eis schlecken, bis man es aufgegessen hat.

Kann man gerne austesten, es gibt weitaus schlimmere Selbstversuche!

5.In Japan können auch Stofftiere Urlaub machen.

Das japanische Reisebüro Unagi Travel schickt Teddy & Co auf Urlaub. Besitzer*innen können die Reise des Bärchens über Facebook mitverfolgen. Super Idee für alle, die selbst keine Zeit für eine Reise haben.

6.1905 wurde das Eis am Stiel erfunden.

Der kleine Frank Epperson ließ seine hausgemachte Limonade im Winter draußen stehen und vergaß einen Stiel im Glas. Voila, die Geburtsstunde für Jolly, Twinni & Co.

7.Wenn wir schon bei Eis sind: „Baby Gaga“ist eine Eissorte aus Muttermilch.

Diese erfreute sich in einem Londoner Café zwar bei den Gästen an großer Beliebtheit, wurde aber nach kurzer Zeit von den Behörden verboten.

8.In den Ferien sinkt der IQ.

Aber keine Panik, selbst in den neun Wochen Sommerferien geht Studien zufolge nicht mehr als ein IQ-Punkt verloren – und der ist im Rest des Schuljahres schnell wieder eingeholt. Bei den meisten Personen jedenfalls…

9.Die Sonne macht fast 100 Prozent unseres Sonnensystems aus.

Wir sind also eigentlich Sonne. Oder die Sonne 109 Mal die Erde. Wie man sich das eben besser vorstellen kann!

10.Der Frisbee wurde in den 1870er Jahren erfunden…

…und war eigentlich als Blechtortenplatte gedacht. Die Bäckerei „Frisbe Pie Company“ verkaufte Kuchen in runden Tortenformen. Mit den weggeworfenen Tortenformen begannen Kinder vor der Bäckerei zu spielen und erfanden dadurch den heutigen Frisbee.

 

Viel Spaß beim Angeben mit eurem neuen Wissen und eine schöne, restliche Sommerzeit!

Eure Melanie

Österreich raucht aus

Eines der letzten „Raucherparadiese“ Europas: Ein fragwürdiges Kompliment für Österreich, vor allem anlässlich des Weltnichtrauchertages am 31.05.2017. Letztes Jahr wurde nach langem hin und her beschlossen, dass ab Mai 2018 in Österreich alle öffentlichen Orte, wo Speisen und Getränke hergestellt, verarbeitet, verabreicht oder konsumiert werden, rauchfrei sein müssen.

Jeder Österreicher kennt es: Man geht am Samstag „eh nur einen Sprung fort“ und wacht Sonntag dann mit fünf neuen Brandblasen und als lebende Tschick wieder auf. Im Endeffekt bereut man nicht das letzte Glas Spritzer, sondern viel mehr die Tatsache, dass man die ganze Kleidung im Schlafzimmer liegen gelassen hat. Die lässt sich übrigens super wiederverwenden, in dem man sie nochmal anzieht um für das Mittagessen ins Gasthaus zu gehen. Vorausgesetzt, man hat sich am Vortag nicht ang’spieben, eh kloa!

Außerdem ist es selbstverständlich, dass man in Österreich ab 16 Jahren Zigaretten kaufen darf. Der ganze Spaß soll aber auch ein Ende finden: Laut einem Beschluss der Jugendreferent*innen der Bundesländer soll das Alterslimit für den Zigarettenkauf auf 18 Jahre angehoben werden, und das Mitte 2018. Übersetzt: Die Jahrgänge nach 2000 können sich jetzt das Anfangen mit dem Rauchen ersparen, weil es schließlich noch dauert, bis sie ihre eigenen Tschick kaufen können. Oder die älteren Jahrgänge nutzen das Privileg der Volljährigkeit und handeln mit Zigarrettenpackungen á la „Oida, i hätt do wos für di, nur 10 Euro pro Packerl!“ Über die moralische Vertretbarkeit muss natürlich jeder selbst entscheiden.

Die Meinungen über die neuen Beschlüsse sind natürlich nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch in der Politik geteilt. Während SPÖ-Gesundheitssprecher Erwin Spindelberger 2016 von einem „historischen Beitrag zur Steigerung der Gesundheit der Menschen in Österreich“ sprach, argumentierte die damalige Klubobfrau des Team Stronachs Waltraud Dietrich damit, dass man  „nicht alles, was die Gesundheit gefährdet, aus dem Leben entfernen kann.“ Was Alexander van der Bellen als Bundespräsident und bekennender Kettenraucher dazu sagt, würde den einen oder anderen vielleicht auch interessieren.

Die einzige Frage, die ich mir nun stelle: Warum dauert das alles so lange? Warum müssen Gastronomie-Betriebe zuerst in getrennte Raucher-Lokalteile investieren, wenn sie ein paar Jahre später sowieso alles auf Nichtraucher umstellen müssen? Warum kann das Jugendschutzgesetz nicht so schnell wie möglich geändert werden, sondern wird erst „irgendwann Mitte 2018“ in Kraft treten? Aber Hauptsache es kleben die unnötigen Bilder auf den Zigarettenschachteln, denn deshalb haben bestimmt schon viele mit dem Rauchen aufgehört…

Bussi Baba,

Melanie

Felix fliegt nun ohne Fallschirm

Felix wer? Ach stimmt, der Baumgartner, der seine Freundin gerne in ein Möbelstück verwandelt, wenn es einmal schnell gehen muss. Als Stratosphärenspringer kann es vorkommen, dass die Sauerstoffversorgung des Gehirns zu kurz kommt. Bei 39 Kilometer im freien Fall auf die Erde könnte natürlich durchaus Schlimmeres passieren. Blöd nur, wenn der eigene Weltrekord zwei Jahre später von einem Wissenschafter gebrochen wird und die ganzen Bemühungen umsonst waren…

Was macht man dann? Richtig, man redet über Politik, merkt aber, dass man selbst dafür zu unsympathisch ist und befürwortet eine „gemäßigte Diktatur“, weil man „in einer Demokratie nichts bewegen könne“. Wenn also aus der Politikerkarriere auch nichts wird, bleibt einem nur mehr eines übrig: Ein sexistisches Arschloch auf sozialen Plattformen zu werden. Respekt, funktioniert bis jetzt super!

Jüngstes Beispiel ist die Kritik an der Kritik von Puls- 4-Infochefin und Moderatorin Corinna Milborn. Richtig gelesen: Die Kritik an der Kritik. Gehört zum guten, österreichischen Ton die ganze Sudderei. Die Diskussion wurde durch die Osterwerbung von Palmers angestiftet, worauf Corinna Milborn reagierte. Auf dem Bild sind sechs, nur mit Unterwäsche bekleidete Frauen zu sehen, die bäuchlings in einem schmutzigen Raum auf einem alten Teppich Palmers-Höschen präsentieren. Die Werbung erinnert Frau Milborn an ihre „Recherchen zu Menschenhandel“ und „so eine Ästhetik“ sei für Werbung „sehr unpassend“. Die Krone berichtete unter anderem über ihre Kritik, sowie über das Statement von Bundeskanzlersohn Nikolaus Kern, Journalistin Nina Horaczek und weiteren Persönlichkeiten. Den ganzen Artikel der Krone dürfte sich Felix Baumgartner dennoch nicht durchgelesen haben, denn der wetterte prompt auf seiner Facebook-Seite nur über Corinna Milborn:

©Facebook: Felix Baumgartner

 

Soso, er springt da „gerne mal dazwischen rein“. Frau Milborn kann wirklich froh sein, das er sie nicht sofort anspringen will, sondern nur ihre Figur kritisiert. Aber machen Sie sich nichts daraus, Frau Milborn, kein Wunder, wenn jemand „Born to fly“ ist. Nämlich „Born to fly into a Fettnäpfchen“. Aber vielleicht wird es doch nochmal spannend zwischen den beiden, denn Felix Baumgartner hat „doch sicher die Eier, sich der Diskussion zu stellen“. Jedenfalls in der PULS4-Sendung „Pro und Contra“. Bis dahin würde ich ihm nur gerne ans Herz legen, dass „Weltklasse“ ein Substantiv ist und man es groß schreibt. Aber was weiß ich als Frau schon? Ich gehöre in die Küche und zwar als Esstisch-Ersatz.

Bussi baba,

Melanie