Ein ganzes Jahrhundert

1922-Fasziniert starre ich noch immer auf die Jahreszahl. Zweimal rechne ich, um mir wirklich sicher zu sein. Im Oktober 2016 wird Anton Plattner 94 Jahre alt. 94 Jahre voller Arbeit und Angst, aber auch voller Glück und Dankbarkeit. Auf dieses Leben zurückzublicken gleicht einer Märchenstunde. Ein Märchen, welches ein gutes Ende nehmen durfte…

Von der Nachkriegszeit in den nächsten Krieg

Als drittes von neun Kindern wurde Anton Plattner 1922 in Terlan, einem Dorf in Südtirol, geboren. Der erste Weltkrieg liegt nur einige Jahre zurück, die Italianisierung ist im vollem Gange. In der Schule und in der Öffentlichkeit wurde nur Italienisch gesprochen, Deutsch war verboten. „Mein Vater hätt‘ uns aber bei den Ohren gezogen, wenn wir daheim nicht Deutsch gesprochen hätten“, so Plattner.

Im Jahre 1935, mit 13 Jahren, wurde Anton Plattner von zu Hause weggeschickt, um beim Hof des Großbauern Kroaner zu arbeiten. Als siebtes und damit auch fremdes Kind in der Familie hieß es oft: „Bua tu dies, Bua tu das.“ Aber trotz der vielen Arbeit auf der Landwirtschaft war es der Bäuerin wichtig, dass die Lernerfolge in der Schule stimmten. So verfolgte Anton Plattner einen Alltag über Jahre hinweg, der sich aus Schulbildung und Arbeit zusammensetzte. Eine Bezahlung für das Schuften gab es nicht, lediglich Kost und Quartier wurden geboten, sowie die getragene Kleidung der älteren Kinder am Hof. Gern erinnert sich Anton Plattner noch an ein besonderes Ereignis zurück: „Einmal wurde mir ein ganz neuer Anzug mit soliden Schuhen gekauft. Ich fühlte mich damals wie ein richtiger Gentleman!“

Der Beginn einer langen Reise

Im Mai 1939 wurde die Bevölkerung Südtirols vor die Wahl gestellt: Entweder man entschied sich für das Deutsche Reich oder man bleibt ohne ethnischen Minderheitsschutz in der Heimat unter der Führung Mussolinis. Herr Plattner durfte im Alter von 17 Jahren noch nicht für sich selbst entscheiden, so wurde er mit seiner Familie nach Österreich gebracht. „Ich wäre nicht nach Österreich gegangen. Ich hatte am Bauernhof alles und ich konnte alles. Aber im Konsulat wurde bestimmt, dass ich mit meinen Eltern mitgehen muss. Mein Vater hat sich für Hitler und das Deutsche Reich entschieden. Die Bauersleute, bei denen ich arbeitete, stimmten für Mussolini und blieben in Italien. Verständlich, bei diesem schönen Besitz“, erklärt Plattner.

Die Reise der Familie Plattner in die neue Heimat Kainach in der Steiermark dauerte eine Woche. Der Vater hatte Verwandte in Graz und gab die Steiermark als sein Wunschziel in Österreich an. Dort angekommen schickte man Anton Plattner mit seinem Bruder Martin zum Arbeitsamt. Den jungen Männern wurde erklärt, dass sie sowieso in den Krieg eingezogen werden. Wer sich aber freiwillig für die Wehrmacht meldete, wurden sowohl Wohnung auch als Arbeit nach dem Krieg versprochen. „Am 10. August 1940 war meine Musterung und am 1. Februar 1941 wurde ich der Deutschen Wehrmacht übergeben. Es ging alles sehr schnell!“, erinnert sich Anton Plattner.

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Anton Plattner zu Hause in Kainach. ©Melanie Köppel

Das Interview

Anton Plattners Geschichte faszinierte mich von Anfang an. Umso mehr freut es mich, dass ich ihn und seine Frau Ella besuchen durfte. Mit einer Flasche Wein in der Tasche klingelte ich also an seiner Haustür. „Die Schuhe kannst‘ gern anlassen, ich bin der Hausmann“, begrüßte er mich fröhlich und ich folgte ihm in die Küche, wo auch seine Ehefrau schon wartete. „Da werd‘ ich auf meine alten Tag nochmal rauschig!“, schmunzelte er, als ich ihm die Flasche Wein gab und unser Gespräch konnte beginnen…

Sie sind Zweisprachig aufgewachsen, aber dann mit 17 nach Österreich gekommen. Haben Sie Italienisch jemals wieder gebraucht? Können Sie es noch?

, sì signorina, parlo italiano! (lacht) Aber gebraucht habe ich es eigentlich nicht mehr. In der Gefangenschaft in Amerika habe ich dann noch etwas Englisch gelernt. Nach dem Arbeiten mussten wir immer eine Stunde lernen, aber im Schreiben war ich ganz schlecht. I speak no English! (lacht)

Was war ihr schlimmstes Erlebnis als Soldat? Wenn man überhaupt ein einziges als Schlimmstes definieren kann.

Wir Soldaten wurden in zwei Truppentransporter eingeschifft: Einmal der Transporter „Donau“, in dem ich war und der zweite hieß „Ibizzia Laura“. Am fünften Tag dieser Schiffsfahrt wurden wir auf offener See in der Nähe von Kirkenes (Norwegen) von Torpedos der Engländer getroffen. Es war der 30. August 1941 gegen 17:30 Uhr, als die „Donau“ angegriffen wurde, sofort in der Mitte brach und innerhalb drei Minuten versank. Ich war mit meinem Kameraden Bertl Plank im ersten Deck in der Nähe der Treppe. Die Schwimmwesten hatten wir als Kopfkissen für unser Nachtlager benutzt und in meinem Schrecken hatte ich die einfach liegen gelassen. Das Schlimmste an dieser Situation war, dass ich nicht schwimmen kann. Ich traute mich nicht, einfach ins Meer zu springen und die Rettungsboote waren alle demoliert…

Sind Sie trotzdem gesprungen?

Nein, ich glitt an einem Seil ins Wasser, weil die Kameraden von oben drängten. Verständlich, wir hatten auch nicht viel Zeit. Ich habe auch sofort Wasser geschluckt und wurde in die Tiefe gezogen. Das Nächste, an das ich mich erinnern kann, ist, dass mich ein Kamerad im Schwitzkasten, und mir regelmäßig mit voller Wucht auf den Kopf geschlagen hatte. Ich hatte so viel Salzwasser geschluckt, allein daran hätt‘ ich sterben können. Der Kamerad trug eine Schwimmweste und schrie die ganze Zeit: „Gib Ruh‘, gib Ruh‘!“ Ich kann mich heute noch an die Rufe der verzweifelten Soldaten im Wasser erinnern. Mein unglaubliches Glück war, dass ich nach einer halben Stunde im Wasser auf ein Kriegsschiff von unserem Verband von ein paar Matrosen hochgetragen wurde. Bertl wurde auch gerettet und wir sind uns um den Hals gefallen, als wir uns wiedergesehen haben.

Frau Plattner, die auch am Tisch sitzt und gespannt zuhörte, fragte mich kurz, wie mein Nachname lautet. „Schau, du hasts auch nicht mehr g’wusst“, sagte sie zu ihrem Mann. „Wennst du 100 Jahr alt bist, vergisst halt auch mal was!“, entgegnete dieser nur lächelnd. Das holte mich kurz wieder in die Gegenwart zurück, denn beim Erzählen wirkt Herr Plattner nicht wie fast 100…

Wie viele Kameraden haben diesen Angriff nicht überlebt?

Von den 1000 Kameraden, die am Schiff waren, haben es 600 nicht geschafft. Ich hatte bei dem Unglück Gott „angerufen“ und versprochen, dass ich jeden Sonntag in die Kirche geh‘, wenn ich das überlebe. Ich bin so dankbar, dass ich das überstanden hab‘. Mein Versprechen habe ich gehalten, jedoch, wenn ich es manchmal nicht mehr in die Kirche schaffe, dann höre ich die Messe im Radio.

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Anton Plattner hat seine Erinnerungen selbst niedergeschrieben. ©Melanie Köppel

Wurden Sie während des Krieges jemals krank?

In Russland hat mich die Gelbsucht erwischt. „Oh, weg weg, sonst krieg‘ ma alle die Gelbsucht!“, hat der Arzt damals gerufen und mich in ein Not-Lazarett nach Witebsk (Weißrussland) verwiesen. Da waren schon mindestens 20 Soldaten mit Gelbsucht und auch Verwundete.  Links lagen die Männer mit Gelbsucht und rechts die Verwundeten. Nach ein paar Wochen kam ich in das Heimatlazarett nach Warschau. Innerhalb vier Monaten war ich wieder geheilt. Medikamente oder Ähnliches gab es nicht, also musste sich mein Körper von allein erholen.

Wie ging es weiter?

Nachdem ich 10 Tage Heimaturlaub erhielt und danach zurückmusste, meldete ich mich freiwillig, um in Afrika einzuziehen. Mir wurde bewusst, dass ich aus Russland nie mehr lebend heimkommen würde, da ich sehr schwach war. Der Weg nach Afrika war schon sehr anstrengend.  Habidere, da hatte ich schon das Gefühl, dass das alles nicht gut gehen wird. Mit dem Güterzug ging es durch Italien bis nach Sizilien, danach mit dem Flugzeug weiter nach Tunis. Eigentlich wollten wir nach Tripolis, aber da in dieser Gegend die Engländer kämpften, waren wir schon beim Eintreffen zum Rückzug gezwungen. Am 11. Mai 1943 gegen 10:30 Uhr haben uns die Amerikaner schlussendlich in Gefangenschaft genommen.

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Die Route, die Anton Plattner während des Krieges zurücklegte. ©Anton Plattner

Wie haben Sie kommuniziert? Englisch haben Sie doch erst in Amerika gelernt…

In jedem LKW der Amerikaner war mindestens ein Deutschsprachiger. Der hat uns erklärt, wie wir uns verhalten sollen. Das war auch meine Gewissheit, dass es jetzt aus ist. „Wenn einer was tut, dann erschießen wir euch alle!“, hat der immer wieder gerufen. Dann wurden wir alle auf einen LKW verladen und Richtung Durchgangslager gebracht. Lager ist übertrieben, denn eigentlich wurden wir nur von einem Stacheldrahtzaun umrundet, an dem hunderte Schwarze mit Maschinengewehren standen. An diesem Tag hab ich zum ersten Mal einen Schwarzen gesehen!  Wilde Burschen waren das. Am nächsten Tag haben wir dann alle eine Gefangenennummer um den Hals bekommen. Ich hatte die 46500, bei den Zehner-Zahlen bin ich mir unsicher. Mit dieser Nummer haben wir dann zwei Packerl Kekse, etwas Dosenfleisch und eine Flasche Zitronenwasser bekommen.

Wann kamen Sie dann endgültig nach Amerika?

Am 14. August 1943 wurde ich in New York eingeschifft, danach ging es weiter nach Alabama, wo wir am 27. August mit dem Zug eintrafen. Dort wurde ich wieder in ein Lager gebracht, welches wirklich schön und sauber war. In dem Lager mussten wir alle 10 Stunden täglich arbeiten. Im Sommer bei der Erdnussernte, im Winter im Holzschlag, wo wir Telegrafenmasten stockten. Wenn wir bei der Erdnussernte nicht gebraucht wurden, wurden wir im Steinbruch eingesetzt. Ich kann mit der Gabel umgehen, also war die Erdnussernte für mich eine leichte Aufgabe, denn man macht das wie bei den Heuhiefler. Einmal war ich mit meinen Kameraden schon mit 25 Hiefler fertig, da kam unser Chef in einem weißen Cadillac. Das war ein Auto! Der versprach uns Coca-Cola und eine Tafel Schokolade, wenn wir noch weiterarbeiten würden. Innerhalb einer Stunde war er zurück und wirklich jeder bekam etwas. „Good boys, good boys!“, hat er dann immer gerufen. Das war mein erstes Cola in meinem Leben!

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Als Kriegsgefangener in den Vereinigten Staaten. ©Anton Plattner

Wann sind Sie dann wieder nach Hause gekommen?

Der Krieg dauerte bis zum 8. Mai 1945, da  durften wir aber noch nicht heim, da uns gesagt wurde, das es zu Hause nichts zum Essen gibt. Erst im April 1946 wurde ich nach Liverpool gebracht. Dort musste ich Putzarbeit und Straßenreinigungen erledigen. Wir dachten alle, dass wir sofort nach Hause konnten, aber wir durften noch nicht. Mitte Mai hieß es dann plötzlich: Wer Österreicher ist, soll sich am nächsten Tag sofort in der Schreibstube melden. Die Freude war so groß als ich erfuhr, dass ich endlich heim darf. Die Reise bis in die Steiermark dauerte bis 19. Juli 1946, wo ich im Entlassungslager in Feistritz eine Fahrkarte und 50 Schilling Wegzehrung erhielt.  Am 20. Juli kam ich endlich in Kainach an und meine Reise hatte ein Ende.

Haben Sie Ihren Kameraden, den Bertl Plank, wiedergesehen?

Ja, unsere Wege haben sich nach Russland getrennt, aber wir haben uns dann nach dem Krieg wiedergetroffen. Da war ich ihn besuchen und hab ihn zum Essen eingeladen. Den hat’s viel schlechter erwischt als mich. Er war in Gefangenschaft in Jugoslawien, also im heutigen Slowenien. Den ganzen Tag hat er nur Wasser und Brot gekriegt, da hab‘ ich dagegen wirklich gut gelebt.

Nach guten drei Stunden in der gemütlichen Küche der Familie Plattner wurde es für mich an der Zeit zu gehen. Doch eine letzte Frage kam mir noch auf:

Was sagen Sie denn heute darüber?

Ich hoff‘, dass so ein Blödsinn nicht nochmal passiert! Irgendwann müssen die Leut‘ ja gescheiter werden…

Irgendwann, hoffentlich.

Eure Melanie

Die Woche der Umwelt 2016

Am 7. und 8. Juni fand die diesjährige Woche der Umwelt statt. Im Garten des Schloss Bellevue, dem Sitz des deutschen Bundespräsidenten Joachim Gaucks, präsentierten knapp 200 Aussteller*innen ihre Ideen und Innovationen zu den Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Für mich war es  natürlich eine große Ehre, hier dabei zu sein. Aber seht am besten selbst:

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Hier geht’s zum Video: Woche der Umwelt

 

 

Bis bald,

Melanie

Thomas Weber – Vom Fernseher zum Interview

Wenn er durch die Herrengasse in Graz spaziert, wird er ständig angesprochen und um Fotos gebeten. Der 35-jährige Steirer ist aber keinesfalls ein bekannter Popstar. Thomas Weber ist seit 2015 Moderator der Tagesnachrichten „Steiermark heute“. Was ihm so daran gefällt und wie man sich als „der Mann aus dem Fernseher“ fühlt, hat der Wahl-Grazer mir ganz persönlich erzählt:

Ein freundliches „Hallo Melanie, hier ist Thomas Weber“ hallt mir aus meinem Telefonlautsprecher entgegen. Ich selbst sitze in einem kleinen Raum meiner Universität und bin ziemlich nervös. Schließlich telefoniere ich mit einem der bekanntesten Gesichter der Steiermark. Journalismus ist das, was uns verbindet. Was er schon erreicht hat, liegt für viele in der Branche noch in ferner Zukunft. Ob London, Prag oder die alltägliche Arbeit im Landesstudio der Steiermark: Der Terminkalender des jungen Steirers ist randvoll. Eine Sportverletzung am Bein beschert ihm aber eine unfreiwillige Pause. „Ich liege hier gerade ganz bequem und habe meinen Fuß hochgelagert“, für mich das Stichwort, um loszulegen.

Die Karriere in der Medienbranche hat damals mit einem Praktikum bei dem Radiosender „Antenne Steiermark“ begonnen. Wie kam es dazu, dass Sie danach Politikwissenschaften studiert haben?

Ich wollte schon immer ein Studium machen und hatte das in meiner Lebensplanung drin. Irgendwie bin ich dann aber in den Medienjob „reingerutscht“. In den Sommerferien zwischen der 7. und 8. Klasse* habe ich ein Praktikum bei der „Antenne“ gemacht. Nach der Matura habe ich das Studium auf Eis gelegt und bin dann als Reporter zur „Antenne“ zurück. Mit fast 23 Jahren kam dann der Punkt, an dem ich mir gedacht habe: „Wenn du jetzt kein Studium mehr machst, wirst du nie mehr eines machen.“ Also habe ich bei der „Antenne“ gekündigt, weil ich wusste, dass sich in diesem Fall der Job nicht mit dem Studium vereinbaren lässt. Nach einem abgebrochenen BWL- und JUS-Studium in Graz bin ich schlussendlich nach Wien und habe dort meinen Magister in Politikwissenschaften gemacht. Dieses Fach hat mich einfach am meisten interessiert!

Nach dem Studium waren Sie in München als Jungredakteur bei „ProSieben“. Warum kommt man danach wieder zurück in die Steiermark?

Nach dem Studium war ich viel unterwegs, aber ich muss gestehen, nach meinen ersten drei Wochen in München hatte ich richtig Heimweh. Ich habe einfach alles vermisst und bin dann relativ rasch zurück in die Steiermark, auch weil ich wusste, dass es eventuell eine Chance gibt, beim Österreichischen Rundfunk (ORF) anfangen zu können.

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Der gebürtige Weststeirer liebt seine Heimat. © Thomas Weber

 

Also ist die Arbeit beim ORF schon von Anfang an der Traumberuf gewesen?

Nein, das würde ich nicht so sagen. Ich habe schon früh gewusst, dass ich später im Medienbereich arbeiten will. Ob das nun im Radio, bei der Zeitung oder im Fernsehen sein soll, war mir damals nicht wirklich bewusst. Zum ORF speziell wollte ich nie. Es ist kein Geheimnis, dass der ORF der größte Medienanbieter Österreichs ist. Also wenn sich die Chance ergibt, dass man im ORF in verschiedensten Bereichen arbeiten darf, würde ich das dann schon als Traumjob bezeichnen.

Seit Juni 2015 sind Sie nun sogar Moderator für „Steiermark heute“. Wie fühlt es sich an, ein bekanntes „Fernseh-Gesicht“ zu sein?

Unwirklich! (lacht) Nein, also ich arbeite bald 10 Jahre beim ORF und bin dort Teil des Teams. Als dann 2015 ein Moderator gesucht wurde, war das irgendwie die Erfüllung des Traums, den man als Journalist anstrebt. Wenn man dann wirklich nicht um 19 Uhr nach Hause geht, sondern im Hauptabendprogramm moderiert, kann man sich davor gar nicht vorstellen, welche Aufmerksamkeit man geschenkt bekommt. Oft höre ich auf der Straße „Schau, UNSER Nachrichtensprecher!“ und über solche Rückmeldungen freue ich mich doch sehr. Ob nun real oder virtuell über die sozialen Medien: Ich trete sehr gerne in Kontakt mit den Zuseherinnen und Zusehern. Mich nervt so etwas nicht, im Gegenteil, ich freue mich sehr darüber, angesprochen zu werden.

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Zuvor schon beim ORF, jedoch seit Juni 2015 Moderator von „Steiermark heute“.                                        © Thomas Weber

Stichwort soziale Medien: Auf Ihrer Facebook-Seite tummeln sich mehr als 7000 FollowerInnen. Hand aufs Herz, googelt man sich da auch manchmal selbst, um zu wissen, was so geschrieben wird?

Nein, noch nie! Auf diese Idee wäre ich ganz ehrlich gesagt noch nie gekommen. (lacht) Meistens weiß man schon vorher, wenn irgendein Artikel geschrieben wird. Aber als Journalist ist man schon viel im Internet unterwegs, einfach um „Up-to-Date“ zu sein und wirkliche wichtige Nachrichten mitzubekommen. Mich selbst zu googeln würde für mich aber keinen Sinn ergeben!

Aber nun zurück zum Thema Facebook: Hauptsächlich sieht man dort Fotos von der Arbeit oder vom Sport. Ist der Sport nur eine lästige Tätigkeit, weil man als Moderator fit bleiben muss oder macht das Ganze schon Spaß?

Da kann ich nur meine Standardantwort auspacken und sagen, dass ich einer der wenigen Menschen bin, denen Sport überhaupt keinen Spaß macht. Ich habe auch nicht die Glückshormonausschüttung danach. (lacht) Laufen ist für mich nur Mittel zum Zweck, um fit zu bleiben und meine Figur zu halten. Deshalb mache ich vier bis fünf Mal pro Woche Sport, aber das wäre auch schon wieder der einzige Grund. Wenn es eine Möglichkeit gäbe, fit und gesund zu bleiben, ohne Sport zu machen, wäre ich sofort dabei!

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                Regelmäßig wird fleißig trainiert.                       ©Thomas Weber

Nun eine wirklich wichtige Frage: Wiener Schnitzel oder Kaiserschmarren?

Wiener Schnitzel!!! Ich bin der Parade-Österreicher, der von Zeit zu Zeit sein Wiener Schnitzel braucht. Immer wenn ich zu meinen Eltern fahre, dann gibt es eines. Ich liebe Wiener Schnitzel!

Bei der Mama ist es am besten oder?

Ja, sicher! (lacht)

In einem Interview im September 2015 haben Sie gesagt, dass Sie bis zu 5 Liebesbriefe pro Tag bekommen. Ist das heute auch noch so?

Nein, leider! (lacht) Aber man muss sich das sowieso ganz anders vorstellen als es in diesem Interview dargestellt wurde. Wir leben im Jahr 2016 und da ist so ein handgeschriebener Liebesbrief eine echte Seltenheit. Also wenn, dann bekomme ich diverse Facebook-Nachrichten von Frauen, in denen steht, wie süß ich doch bin oder dass diese Damen mich Kennenlernen möchten. Meistens werde ich auch gefragt, ob ich der aus dem Fernseher bin und ob man nicht weiter über WhatsApp schreiben will. Das beschränkt sich aber auf maximal vier bis fünf Nachrichten pro Woche.

Haben Sie ihre große Liebe dann schon gefunden oder lässt die noch auf sich warten?

Die lässt noch auf sich warten! Sagen wir so, es war noch kein Liebesbrief dabei, der mich so geflasht hat, dass ich sagen würde, das ist jetzt meine große Liebe.

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Liebesbriefe via Facebook sind keine Seltenheit.      ©Thomas Weber

 

Würden Sie sich dann selbst als Romantiker bezeichnen?

Puh, würde ich mich selbst als Romantiker bezeichnen? Ja, schon. Gibt es eigentlich Menschen, die nicht romantisch sind?

Stimmt, gutes Gegenargument.

Es hängt davon ab, wie man romantisch definiert. Wenn man einfach in der Früh zu zweit aufwacht und sich darüber freut, finde ich das eigentlich schon romantisch. Fast romantischer als die kitschige Version, wenn man eben am Balkon mit vielen Decken ein Glas Wein trinkt und die Sterne dabei anschaut oder am Strand spazieren geht. Romantik ist immer eine Definitionssache und ich denke, jeder Mensch ist irgendwie romantisch.

Also hat er sich doch selbst verraten, der liebe Herr Weber. Welchem Mann wären solche Bespiele schon eingefallen, wenn er nicht selbst ein wahrer Romantiker wäre?

Thomas Weber seht Ihr bald wieder um 19 Uhr im ORF2 und von mir hört Ihr wieder nächste Woche, hier auf elitale,

 Eure Melanie

*Deutschland: 11. und 12. Klasse

Billigmöbel zu jedem Preis

Ein riesiger Metallkasten ziert die Landschaft, umringt vom Grau der Parkplätze. Ein blaues Gebäude mit gelbem Logo steht mitten im Nichts. Familie Struck schiebt ihren vollen Einkaufswagen durch die labyrinthischen Gänge und begutachtet Möbel, die in das neue Heim einziehen sollen. Ein ganz übliches Szenario einer Berliner Familie, jedoch mit bitterem Nachgeschmack.

Gleiche Uhrzeit, rund 3000 Kilometer entfernt schlagen einem Forstarbeiter die russische Kälte und der Duft des matschigen Bodens ins Gesicht. Dienstbeginn. Übrigens der zehnte in Folge. Keine Wochenenden, keine Pausen. Der Chef will bessere und schnellere Arbeit. Er fokussiert sein nächstes Ziel: Eine 800 Jahre alte Linde.

Die beiden Welten sind verbundener als sie scheinen. Der große, gemeinsame Nenner ist Ikea. Der Riesenkonzern, dessen Filialen Familien-Wahlfahrtstätten gleichen, verkauft massenhaft Möbel zu spottbilligen Preisen. Die Zahl der Kunden steigt stetig – aber auch die der kleineren und größeren Eklats.

Die Skandalchronik des Konzerns geht bis in das letzte Jahrhundert zurück. In den Jahren 1960 bis 1980 sollen politische Gefangene der DDR zur Zwangsarbeit für den Konzern genötigt worden sein. Ikea hat das inzwischen eingeräumt und der Vorfall schien beinahe vergessen. 2005 wurden bei Kontrollen, die der Konzern selbst in Auftrag gegeben hat, zwölf Fälle von Kinderarbeit in Indien, China und Pakistan bekannt. Ein Schock für die Konsumenten. Ikea beendete die Geschäftsbeziehungen zu den Lieferanten. Die mussten sich zudem verpflichten, betroffene Kinder wieder in die Schule zu schicken. Damit will Ikea die Kinderarbeit stoppen. Doch trotz angeblich verschärfter Kontrollen und Nachhaltigkeitskonzepte bleibt der Möbelgigant in den Schlagzeilen.

2009 musste sich Ikea den Vorwurf gefallen lassen, Produkte mit Daunen von lebend gerupften Gänsen und auch das Fleisch der Tiere verkauft zu haben. Laut EU-Gesetz ist es verboten, Tiere lebend zu rupfen. Erst eine gemeinsame Rechercheaktion des Vereins „Vier Pfoten“ und des ARD-Magazins „Fakt“ deckte die Missstände auf. Ikea entschuldigte sich  und brach die Geschäftsverbindung zum Lieferanten ab.

Weiter ging es im Februar 2014! Da verlor die Ikea-Tochter „Sweedwood“ das FSC-Siegel. Das „Forest Steawardship Council“- Siegel soll garantieren, dass das Holz der Möbel nicht aus schützenswerten Gebieten stammt und keine Urwaldbäume abgeholzt wurden. Laut FSC müssen die verarbeiteten Materialien von der Abholzung bis zum Verkauf identifizierbar sein. „Sweedwood“ aber verstieß  gegen unzählige Nachhaltigkeitskonzepte.  „ Es wurden nicht nur geschützte Wälder abgeholzt, sondern „Sweedwood“ verstieß auch gegen sämtliche Kriterien des Arbeitnehmerschutzes“, erklärt Lars Hofmann, Pressesprecher des FSC. Der Council hat festgestellt, dass viele  Mitarbeiter von „Sweedwood“ keine ausgebildeten Fachkräfte waren und  weder Arbeitsschutzkleidung, noch das nötige Forstwissen hatten. Ikea dementierte die Vorwürfe heftig und sah den Verlust des Gütesiegels als „vorübergehend“ an. Der Konzern stellte die Missstände ab, im März 2014 bekam „Sweedwood“ das Siegel wieder zurück.  Dennoch verkaufte Ikea die Firma Sweedwood im Jahr 2014. Grund dafür war die ständige Kritik und das schlechte Licht, welches das Unternehmen auf Ikea warf.

 Ikea-Deutschland-Pressesprecher Kai Hartmann, weist alle Vorwürfe zurück, in welchen dem Konzern umweltschädliche Praktiken unterstellt werden. Ikea lege sehr wohl Wert auf eine gute Nachhaltigkeitspolitik. Alle Filialen arbeiten mit möglichst umweltschonenden Ressourcen, wie Öko-Strom, LED-Lampen und  Nutzung von Thermosolaranlagen. Zudem leistet das Einrichtungshaus einen Beitrag zum Energiesparen in privaten Haushalten.  Wasser- und warmwassersparende Armaturen, sowie  Induktionskochfelder, die Verwendung von A++ – Elektrogeräten oder auch die Trennung und mögliche Wiederverwendung von Abfall sind haushaltsnahe Maßnahmen, die in das Ikea Nachhaltigkeitskonzept gehören. Nach Ansicht des Konzerns  hätte Nachhaltigkeit nicht nur mit der Umwelt, sondern auch mit der Nächstenliebe zu tun. Daher engagierte sich Ikea auch für die Flüchtlingshilfe, zudem würden unzählige Kinderprojekte gefördert werden.

Aber wie reagieren nun tatsächlich Ikea-Mitarbeiter, wenn man sich als „unwissender“ Kunde  über die Nachhaltigkeit der Produkte informieren will?

„Auf unserer Ikea-Homepage können Sie sich den Nachhaltigkeitsbericht 2014 durchlesen. Haben Sie übrigens gewusst, dass Ikea ein sehr gönnerhafter Sponsor von UNICEF-Projekten ist?“ So oder in ähnlicher Form wird man als ökologisch denkender Kunde gerne auf den Nachhaltigkeitsbericht 2014 von Ikea verwiesen. Danach bekommt man eine Führung durch sämtliche Etagen zwischen LED-Lampen und Öko-Baumwolle, um auf keinen Fall die besten und natürlich „ökologischsten“ Angebote zu verpassen. Doch wie Thomas Bergmark, Ikeas Umwelt- und Sozialmanager, schon 2011 in einem Interview des Magazins „enorm“ zitiert wurde: „Man kann nie garantieren, dass jeder Baum aus einer legalen Quelle stammt.“

Was bedeutet es jedoch wirklich für die Menschheit, wenn ein so riesiger Möbelkonzern wie Ikea, der jährlich weltweit bis zu 690 Millionen Kunden hat, Holz aus geschützten Wäldern für seine Produkte verwendet?

„Die weitere Abholzung der geschützten Wälder kann zu einer riesigen ökologischen Katastrophe führen“, weiß Prof. Dr. Judith Korb, Ökologieprofessorin der Universität Freiburg. Vor allem die Abholzung von alten und mächtigen Bäumen kann riskante Folgen mit sich bringen. Die Bäume speichern eine große Menge an Kohlendioxid  in ihren Stämmen. Bei der Abholzung geht ein wichtiger Träger des Ökosystems verloren,  ein  CO2-Speicher wird eliminiert. Das CO2 bleibt  zunächst in den Möbeln gespeichert. Wird das Holz verbrannt, wird es aber wieder freigesetzt. Da Kohlendioxid ein großer Faktor für die Klimaerwärmung ist, könnten die Temperaturen in den nächsten Jahren rasant in die Höhe steigen.

Dies kann man sich am Beispiel einer Kerze veranschaulichen: Lässt man die Kerze unter einem Glas stehen, so erlischt die Flamme. Sobald man das Glas aber entfernt, entflammt sie wieder und Wärme entsteht. Die Bäume der Wälder sind in diesem Fall das schützende „Glas“ der Erde. Wenn dieser Schutz verschwindet, könnte dasselbe Prinzip auch in unserer Atmosphäre passieren und es wird zu viel Wärme frei. Die Gletscher schwinden, Tier- und Pflanzenarten sterben aus.

Trotz aller Skandale: Bei Ikea bleibt vorerst alles beim Alten. Jedenfalls in der russischen „Holzdependance“. Die alte Linde fällt. Ihr Holz wird man billig kaufen können. In einer Ikea-Filiale in Berlin-Lichtenberg.

Bollwerk-Guide für Mädels

Wir leben in einem Zeitalter, in dem man sich montags über das gelungene Wochenende in Ekstase erfreut und ab Dienstag schon wieder das kommende Besäufnis detailliert plant. Solange man unter 30 und bei bester Gesundheit ist, ist das vollkommen okay.

FUTTER, das neue Magazin der Kleinen Zeitung in Graz, hat auf dessen Facebook Seite einen Artikel über „Fünf Dinge, die man im Bollwerk beachten sollte“ veröffentlicht. Für meine deutschen Leserinnen und Leser: Das Bollwerk kann man vom Publikum und der Musik mit dem Matrix  vergleichen, nur viel kleiner und definitiv günstiger. Zurück zum Artikel, den dieser hat mich sehr beeindruckt, da alles gesagt wurde, was gesagt werden muss. Kurz und kompakt eben. Dennoch denke ich, dass da noch mehr geht! Vor allem für die weibliche Klientel gibt es spezifisch doch mehr zu wissen. Keine Sorge, dafür gibt es mich und meine  Rubrik „10 things about…“!

10 Tipps für Mädels, die im Bollwerk (Xcube, etc.) feiern wollen*

 

1.Diät wer?

Du wirst Alkohol trinken. Du wirst tanzen. Und du willst definitiv Spaß haben! Aber nichts ist nerviger als die eine Freundin, die vor dem Feiern absichtlich nichts isst, weil sie „nicht fett werden“ will und dann die Hälfte des Abends am Klo verbringt. Diese eine Person willst du definitiv nicht sein! Also wirf deine Nahrungsmoral über Bord und stopf dir das fettigste Essen hinein, das dein Kühlschrank zu bieten hat. Nur so bist du optimal auf eine Bollwerk-Nacht und billigen Alkohol vorbereitet.

 

2.Die Hugo-Flasche vor dem Losziehen

Ich weiß, den Tipp gab es auch schon im Futter Artikel zu lesen. Dieser Punkt soll eben nun betonen, wie wichtig es ist, wirklich NICHT nüchtern ins Bollwerk zu gehen. Also unter 1 Promille könnt ihr getrost zu Hause bleiben. Am besten vorbereitet seid ihr, wenn ihr laut kichernd durch den Eingang marschiert, und dem Türsteher eure E-Card hinhaltet. Der wird euch nett darauf hinweisen, dass er einen Lichtbildausweis benötigt. Wenn ihr euch entschuldigt und ihm den gewünschten Ausweis trotzdem noch vorzeigen könnt, habt ihr definitiv das richtige Level erreicht.

 

3. Der Cheerleader-Effekt

Sind wir uns mal ehrlich: Bevor eine Frau in der Kleinstadt (ja, auch Graz) alleine feiern gehen würde, wird Lugner der neue Bundespräsident. Versteht mich nicht falsch, zu zweit losziehen ist auch super und macht meistens mehr Spaß als der „Bitchfight“ in einer Gruppe. Aber die ultimative Wirkung des Cheerleader-Effekts wird erst bei einer Mindestanzahl von drei weiblichen Personen ausgekostet. Ihr seid also eine Gruppe von attraktiver, leicht betrunkener Mädels, wobei vielleicht das Individuum von jeder Einzelnen etwas flöten gehen kann. Aber wen interessiert die unglaubliche Wirkung der eigenen Persönlichkeit schon, wenn man auf die Attraktivität einer Gruppe reduziert werden kann?

 

4. Die „Am-Klo-sind-wir-alle-nett-zueinander“- Regel

Egal wie sehr du diese eine dumme Kuh damals aus der vierten Klasse hasst, weil sie dir einen Kaugummi in deine Haare geklebt hat: Am Bollwerk-Klo seid ihr wie unzertrennliche Schwestern. Ihr umarmt euch, sagt euch unbedingt, wie toll ihr doch ausseht, lästert über den einen Typen, der euch beide anmachte und teilt am besten noch deinen neuen Lippenstift miteinander. Diese ungeschriebene Regel gilt übrigens auch für neue weibliche Bekanntschaften, die du während dem Warten schließt. Sobald ihr den Sanitärbereich verlassen habt, tut ihr so als wäre nie etwas gewesen. Und ach, ihr könnt euch wieder wie üblich hassen!

 

5. Der „Was-man-nicht-aufgibt-hat-man-nicht-verloren!“-Schwachsinn

Nein, natürlich bist du nicht betrunken! Ganz klar, dass dir jemand dein 3,50 € Deo aus der Handtasche gestohlen hat. Und natürlich wirst du es wiederfinden! Jetzt mal ehrlich: Egal, was man im Bollwerk verliert, es bleibt auf ewig verloren. Es ist wie so ein schwarzes Loch, das alles frisst. Egal ob deine Handtasche, Ohrringe, Jacke oder Schuhe (Nein, ich möchte nicht darüber reden. Danke.) sich ins Nichts aufgelöst haben, du wirst sie vermutlich nie mehr wiedersehen. Mit ganz viel Glück am nächsten Tag und nach eventuell 10 „Spotted“ Nachrichten kannst du deinen Verlust wieder in deinen Armen halten. Und du wirst dir schwören, dass du nie mehr etwas verlieren wirst. Guter Witz!

 

6.Der Style-Code

Wie man an Punkt 5 unschwer erkennen kann, sollte man nichts mitnehmen, was einem nur annähernd wichtig ist. Das heißt übersetzt nun auch, dass man nichts anziehen soll, was man eventuell nochmals gerne anziehen würde. Man wird angeschüttet mit irgendwelchen Mixgetränken, kann eigentlich nur von Glück reden, wenn man nirgends ein Brandloch am nächsten Tag entdeckt und zur Krönung kann man auch von irgendjemanden vollgekotzt werden. Also Ladies, lasst eure teuren Seidenblusen zu Hause und nehmt doch das 10 Euro Top von H&M. Ihr werdet es mir danken!

 

7.High Heels

Richtig gelesen: High Heels sind durchgestrichen. Wisst ihr auch warum? Weil eine Nacht im Bollwerk ziemlich lang werden kann. Da High Heels eben unbequem sind und niemand darin wirklich tanzen kann, sollte man sie getrost zu Hause stehen lassen. Außerdem will niemand die jammernde Freundin sein, die allen den Abend verdirbt und schlimmsten Falls auch noch einen „Bitchfight“ in der Gruppe auslöst. Es gibt auch andere schöne Schuhe, wie zum Beispiel weiße Sneakers. Fun Fact: Wenn ihr diese dann am nächsten Morgen genauer betrachtet, könnt ihr alle Getränke wiedererkennen, die ihr gestern konsumiert und halb verschüttet habt.

 

8. Das „Flüchte-vor-Fotos-die-dein-Leben-zerstören“- Konzept

Die besten Partys sind im Endeffekt immer diese, von denen es keine Beweisfotos gibt. Im Bollwerk nahezu unmöglich, weil dort ein extra ein Fotograf auf vernichtende Fotos spezialisiert ist. Also grundsätzlich keinen Alkohol, keine Zigaretten oder andere Drogen, sowie Typen, die man soeben kennengelernt hat, mit aufs Foto nehmen. Du ersparst dir am nächsten Tag bei der Familienfeier so einige peinliche Situationen. Außerdem darf man auf Gruppenfotos mit seinen „Girls“ nie vergessen, dass die Schwerkraft um einiges stärker wird, die rechte Hand automatisch ein Peace-Zeichen formt und der Mund zum Duckface gespitzt ist. Dann kann nichts mehr schiefgehen und das nächste Facebook-Titelbild ist somit gesichert.

 

9. Die „Wuhuu“-Girls

Es gibt nur zwei Zeiten im Bollwerk: Die, in der es einfach so leer ist, dass ihr entweder zu früh oder am falschen Tag dort seid, oder die Zeit, wo ihr nicht einmal einen Platz auf der Stange finden würdet. Beim zweiten Szenario hilft nur eines: Ihr wünscht euch euren Lieblingssong, „Wuhuu“t schnell alle kurz und stürzt euch in die Menge. Dann macht ihr einen kleinen Kreis und weitet diesen mittels grazilen, ästhetischen Tanzbewegungen (Ellbogentechnik) aus. Voila, ihr habt Platz geschaffen und der Cheerleader-Effekt kommt nun besonders gut zur Geltung!

 

10. Die „Einsammlerin“

Jede durchzechte Bollwerk-Nacht endet irgendwann, und eine weitere ungeschriebene Regel besagt, dass man als Frau auch mit der Gruppe die Party verlässt, mit der man gekommen ist. Da du dir nun diesen Artikel ernsthaft bis zum Schluss durchliest und anscheinend dringend Tipps gebraucht hast, kann das nur eines bedeuten: DU bist die Einsammlerin! Genau, du bist die eine, die alle zum Schluss zusammentrommelt und ins Taxi befördert. So sehr wir uns gerne die Illusion geben würden, dass eine Frauengruppe schon allein wegen dem Cheerleader-Effekt gerne immer zusammenbleibt, sieht Wahrheit ganz anders aus. Eine muss auf die Toilette, die andere lernt einen Typen kennen und dann gibt es noch die eine Freundin, die man am Anfang von der Party verliert und die erst zum Schluss wieder auftaucht. Niemand weiß wirklich, was diese besagte Freundin gemacht hat!  Jedenfalls ist es deine Aufgabe als DIE Einsammlerin, dass DU durch das ganze Bollwerk rennst und alle mitnimmst. Schlimmstenfalls musst du eine Durchsage machen lassen, aber hey, peinlicher als die auf dich wartende Taxifahrt kann es eigentlich sowieso nicht werden. Viel Glück!

Ladies, nun viel Spaß beim Feiern!

Melanie

 

*Diese (leicht sarkastischen) Tipps sind keine Garantie für einen gelungenen Bollwerk-Abend und beruhen auf Selbststudien der Autorin.

Christian Below im Portrait: Vom Stadtkind zum Aussteiger

Selbstbewusst, glücklich und vor allem zufrieden: So beschreibt sich Christian Below selbst. Der gebürtige Deutsche aus Beckum in Nordrhein-Westfalen lebt nun schon seit 22 Jahren in Kanada. Dort hat ihn damals die Liebe hinverschlagen, doch heute verbindet ihn einiges mehr mit Nordamerika. Er ist nicht nur ein begabter Ranger, sondern auch ein einzigartiger Lebenskünstler.

Chris
Christian Below in Kanada © Chris Below

„Ich vermisse Deutschland nicht!“ Christian Below verließ vor circa 28 Jahren sein Heimatland, um die Welt zu erkunden. Ganze sechs Jahre verbrachte er in den verschiedensten Ländern. Von Japan über Neuseeland bis hin zu Sardinien war alles dabei. Er selbst behauptet, dass er ein durchaus glücklicheres und erfüllteres Leben führt, als Leute, die einen festen Job besitzen und ihr Leben nur an einem Ort verbracht haben. An Deutschland selbst kritisiert er die Gesellschaft, in die er sich nie einfügen wollte: „Ich brauche meinen Freiraum und kann mich dadurch entfalten! In Deutschland musst du in die Gesellschaft passen. Eine gute Karriere und Geld sind die Voraussetzung dafür.“

Als Nesthäkchen einer fünfköpfigen Familie begann Chris mit 18 Jahren zu reisen. Um sein Budget möglich ausgeglichen zu halten, setzte er auf Trampen, Couchsurfing & Co. So konnte er günstig die Welt erkunden. Auch viele Freundschaften entstanden in dieser Zeit, vor allem durch das Couchsurfing. Aber um auf der Couch eines Fremden zu schlafen, braucht es nicht nur Mut, sondern auch eine offene Einstellung und eine gesunde Portion Selbstbewusstsein. „Die gute Zeit, die ich dadurch hatte, ist unschätzbar!“, sagt Chris.

 

Liebe zwischen Mensch und Natur

Trotz der Liebe zur Freiheit wurde Christian im Jahre 1994 mit seiner damaligen Ehefrau in

Chris und Nicole
Nicole Lischewski und Chris Below ©Nicole Lischewski

Atlin, British Columbia, sesshaft. Heute ist Chris glücklich mit der gebürtigen Hamburgerin Nicole Lischewski zusammen, die selbst sehr jung nach Kanada zog. Die  Sozialpädagogin ist heute beruflich Schriftstellerin und bloggt auf nicole.penarctica.com über ihr Leben als Auswanderin, doch in ihrer Freizeit teilt sie die Leidenschaft für die Natur mit Christian. Die Wildnis zog beide nahezu magisch an, so dass sie im Jahre 2006 in den Wald nahe des Atlin und Tagish Lake zogen. Alleine schon der Weg vom nächst gelegenen Flughafen nach Hause ist für beide jedes Mal ein kleines Abenteuer: Die Straße ist 80 km geteert, danach ist man auf eine holprige Schotterstraße angewiesen. Von Atlin aus kommen die beiden nur zu Fuß oder per Boot weiter, da sie den sieben Kilometer breiten Atlin Lake überqueren müssen. In dieser Wildnis bauten sie ihr erstes gemeinsames Haus auf eigene Faust, 40 Kilometer Luftlinie ist es von der nächsten Straße entfernt. Nach rund einem halben Jahr waren die  Bauarbeiten abgeschlossen. Bis heute wohnt das Paar in diesem Haus. Von den Fenstern bis zum Boden – alles ist Handarbeit der Aussteiger. Auch die Fleisch- und Wasserversorgung erfolgt durch eigenen Fleiß. Das Motto ihres Lebens lautet: „Wenn man etwas will, kann man alles erreichen!“

 

Reisen mit Leidenschaft

Obwohl Chris nun sesshaft geworden ist, verzichtet er  nicht auf seine geliebten Reisen. Der Ranger arbeitet gute neun Monate im Jahr. In dieser Zeit rettet er hauptsächlich verirrte Menschen aus der Wildnis. Einmal musste er einen toten Mann bergen, der mit seinem Quard verunglückte. Keine schöne Erfahrung!

Die kalten kanadischen Wintermonate nutzt der Aussteiger, um  zurück in die Zivilisation zu kehren. Mit einem maximalen Budget von 3000 Euro besucht er alte Freunde und kann sein Leben in vollen Zügen genießen. Um zu sparen, geht er im Reiseland zu Fuß,  zeltet viel  oder übernachtet bei Freunden.

Ein ausgeglichenes Ying und Yang zwischen Wildnis und Zivilisation ist Christians Geheimtipp für eine glückliche Seele. Auch wenn Chris nicht religiös ist, denkt er sehr spirituell und glaubt an ein Leben danach. Beim Thema Technik hat Christian seine eigenen Ansichten:“ Ich habe mir dieses Jahr mein erstes Smartphone gekauft. Es ist einfach praktischer, um sich mit Freunden zu verständigen! Sobald ich es aber benutzt habe, lege ich es sofort wieder für längere Zeit weg.“

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Strecke von Frankfurt nach Atlin ©Google Maps

Aber kann ein Leben in der Wildnis nur glücklich und ohne Ängste verlaufen? „Ich habe mich doch oft alleine gefühlt, vor allem in Krisen “, meint Chris heute. Als seine Eltern vor sechs Jahren starben, war es schwer für ihn, nicht bei ihnen sein zu können. „Ich habe große Angst vor dem Tod, den kann man nicht selbst bestimmen und schon gar nicht kontrollieren.“ In der Wildnis Kanadas eine berechtigte Befürchtung, denn bis jemand zur Hilfe kommen kann, könnte es längst zu spät sein. „Einmal hatte Nicole innere Blutungen und wir mussten sechs Stunden auf einen Rettungshubschrauber warten“, so Christian. Aber laut dem Aussteiger muss man dem Tod eine gewisse Akzeptanz entgegenbringen, nur so sei es erträglich. Angst vor wilden Tieren hat das Paar aber nicht. Die gibt es zwar, aber wenn man sie in ihrem natürlichen Umfeld  nicht stört, hat man als Mensch laut Naturexperte nichts zu befürchten. Trotz dieser negativen Aspekte bleibt Christian Below nur eines zu sagen: „Ich liebe die Wildnis und ich fühle mich hier so wohl, wie nirgendwo anders!“

Wer nun auf den Geschmack gekommen ist: Hin- und Rückflüge von Frankfurt nach Whitehorse im Bundesstaat Yukon sind auf www.condor.com schon ab 930 Euro zu haben. Im Gegensatz zu anderen Flügen fliegt man hier nonstop in nicht einmal zehn Stunden nach Kanada. Um dann von Whitehorse, dem nächsten Flughafen von Tagish aus, in die Wildnis zu gelangen, kann man vor seiner Reise auf www.billiger-mietwagen.de  ein Auto buchen. Den Wagen kann man schon ab günstigen 340 Euro für vierzehn Tage mieten. Für das perfekte Abenteuer empfiehlt es sich, in einer Blockhütte zu übernachten. Die Wilderness Lodge am Tagish Lake bieten hier den perfekten Ausgleich zwischen Abenteuer und Entspannung. Mit Vollpension inklusive einer abenteuerlichen Anreise von Tagish aus per Boot, Wasser-flugzeug, Hundeschlitten oder Schneemobil ist dies mit einem Preis von 625 Euro für zwei Personen und 3 Nächten ein lohnenswertes Erlebnis.

Don’t only pray for Brussels…

Terror und die damit verbundene Angst macht sich in Europa breit. Nicht nur die Europäische Union ist von diversen Anschlägen betroffen: Allein 2016 gab es 16 Terroranschläge weltweit. Der Letzte ereignete sich heute in der belgischen Hauptstadt Brüssel, wobei hier mehr als 34 Personen starben. Erschreckend, wenn man bedenkt, dass dieses Jahr nicht einmal auf drei vollendete Monate zurückblicken kann.  Drei Viertel dieser Anschläge lassen sich auf islamistische Organisationen zurückführen. Die Idee eines dritten Weltkrieges scheint gar nicht mehr in so weiter Ferne zu liegen, wenn nicht bald ein Wunder geschieht.

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© Vision of Humanity

Terroranschläge sind mitunter das Grausamste, was der Planet Erde zu bieten hat. Unschuldige Menschen werden in ihrem Alltag Mittel zum Zweck eines Planes, den man einfach nicht verstehen will. Das Schlimmste daran: Es wird immer mehr Hass auf Menschen geschürt, welche mit den ganzen Vorfällen nichts zu tun haben. Derzeit ist nichts schwarz oder weiß, vieles verschwimmt und ist grau.  Jedoch sollte man Religion nicht mit radikalen Organisationen verwechseln. Niemand ist automatisch ein Nazi, nur weil er Christ ist, in Deutschland wohnt und blaue Augen hat. Im Bezug darauf sind nicht alle Muslime Islamisten. Dieses „Klischeedenken“ tut uns nicht gut. Wir sind schließlich alle Menschen, bestehen aus Fleisch und Blut, und haben Familien, Freunde und Tätigkeiten, denen wir nachgehen. Deshalb wünscht man sich doch einfach nur mehr Nachrichten, wie diese:

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© Die Welt am 25.12.2015

Die Tatsache, dass der Mensch das einzige Lebewesen ist, das in solch einer Grausamkeit und Überzeugung seine Artgenossen und sich selbst töten kann, ist schockierend. Kein anderes Tier würde auf die Idee kommen, etwas zu konstruieren, das die ganze eigene Rasse ausrotten könnte. Wenn man dies bedenkt, ist der Mensch vielleicht doch nicht die intelligenteste Kreatur dieser Welt. Denn wenn die Energie, die die Menschheit in Kriege, Anschläge und Streit gesteckt hat, in Friede und Nächstenliebe geflossen wäre, wäre die Welt nun ein anderer Ort.

„Was für eine Welt könnten wir bauen, wenn wir die Kräfte, die ein Krieg entfesselt, für den Aufbau einsetzten. Ein Zehntel der Energien, ein Bruchteil des Geldes wäre hinreichend, um den Menschen aller Länder zu einem menschenwürdigen Leben zu verhelfen und die Katastrophe der Arbeitslosigkeit zu verhindern.“ Albert Einstein (1879-1955)

Aber sollte nun Panik ausbrechen? Sollten wir aufhören zu reisen? Oder noch besser: Sollten sich alle in ihren Häusern einsperren? Letzteres wäre wahrscheinlich die optimalste Lösung. Wenn sich jeder daran halten würde, könnte auch kein Terrorist mehr außer Haus gehen. Aber in einer demokratischen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts sollte man sich weder die Freiheit rauben lassen, noch die Lebenslust. Denn Angst ist genau das, was erzielt werden soll und somit komplett fehl am Platz. So tragisch dieses Anschlag in Brüssel war, und so sehr wir Mitgefühl zeigen sollten: Es gab in diesem Jahr noch 15 weitere Terroranschläge, die man nicht vergessen sollte! Denn schließlich sind auch dort unschuldige Menschen gestorben. Darüber schauen viele Europäer leider gerne hinweg, und verbreiten lieber Panik nach einem Anschlag im Heimatkontinent.

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© Twitter Noemi Jorysc

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© Twitter Konfusius

 

Danke „Konfusius“, mehr bleibt nicht mehr zu sagen!

Melanie

 

Generation 90’s kids

Generation „Wisch und Weg“, Generation „Y“ oder schlicht Generation „Beziehungsunfähig“: Die Bezeichnungen für die Masse der heutigen 16- bis 26-Jährigen scheinen endlos zu sein. Während wir uns selbst in den höchsten Tönen loben, grundsätzlich gebildet sind und meist einen großen Horizont besitzen, ist unser Ruf durchaus schlechter. Egoismus, Beziehungsunfähigkeit und Medienabhängigkeit wären nur ein paar der Eigenschaften, die dieser Generation nachgesagt werden. Stimmt dies aber nun? Sind wir die Generation, die sich zwischen konservativen Gedanken und „neumodernen“ Entwicklungen noch nicht selbst gefunden hat?

Technik- die größte Revolution des neuen Jahrhunderts

Das Internet war der erste riesige Fortschritt in der Revolution der Technik. Nachdem nun auch Smartphones, Laptops und andere Geräte für den Durchschnittsbürger leistbar sind, sind Informationen schneller zugänglich denn je. Die sogenannten 90’s Kids sind die erste Generation, die mit diesem Luxus aufwachsen durften. Kein Wunder, dass wir in Sachen Informationsbeschaffung und Technik unschlagbar sind. Leider ist das Internet groß und enthält auch sämtliche Fehlinformationen. Von Dummen verbreitet und von Idioten geglaubt, lautet hier die Devise. Doch anscheinend wurde uns hier nicht nur die Leichtgläubigkeit in die Wiege gelegt, sondern auch der Hang zur Abhängigkeit! Laut tagesschau.de nutzen die 17- bis 25-Jährigen ihre Smartphones mehr als drei Stunden täglich. Snapchat, Facebook, WhatsApp und Co.: Wer hier frei von Sünde ist, werfe bitte den ersten Stein!

Sex sells- Das Zeitalter der Freizügigkeit

Auch hier könnte man wieder das Internet als Übeltäter sämtlicher Schandtaten verurteilen. Hand aufs Herz: Wen schockt heutzutage noch eine nackte Kim Kardashian auf irgendeinem Schundblatt? Richtig, niemanden. Und was denken wir uns, wenn sich Miley Cyrus zum x-ten Mal halbnackt auf der Bühne präsentiert und einen Joint raucht? Richtig, nichts! Es gehört schon fast zum guten Ton, dass man sich halbnackt und möglichst sexy präsentiert. Scham mutiert hier schon  zum Fremdwort. Unsere Idole, Stars und Möchtegern-Sternchen tun es doch auch. Was kann denn so falsch daran sein? In den 50er Jahren und mit Marilyn Monroe noch ein pikanter Aufreger, heute ein Teil unsere Gesellschaft und nicht mehr der Rede wert. Außerdem kamen der „Bauchfrei“-Trend und andere nackte Tatsachen wieder in Mode. Irgendwie müssen wir uns schließlich auf Facebook, Twitter und anderen Netzwerken darstellen, wie wir das machen, sei unserer Generation überlassen!

Mingles- Allein und doch nicht einsam

Eines meiner Lieblingswörter des 21. Jahrhunderts und für die, die es noch nie gehört haben: Mingle ist eine Kombination aus „Mixed“ und „Single“. Bedeutet grundsätzlich den offiziellen Beziehungsstatus als Single, wobei man aber nebenbei einen beziehungsähnlichen Zustand genießt. In diesem Fall gibt der Facebook-Beziehungsstatus „Es ist kompliziert…“ plötzlich viel mehr Sinn!  Man kann aber auch natürlich auf das gute, alte „Freunde mit gewissen Vorzügen“ zurückgreifen. Wie auch immer, der Trend zum „Mingle“ sein prägt die Generation Y mehr als jede andere. Niemand will sich mehr wirklich binden, es könnten sich schließlich Konsequenzen und Verpflichtungen ergeben. Außerdem sollte man die Chance auf etwas „Besseres“ auf gar keinen Fall verpassen, deshalb doch lieber nur halb als ganz. Kein Wunder, dass unserer Generation eine gewisse Beziehungsunfähigkeit und Bindungsangst nachgesagt wird. Normalerweise hält dieses Mingle da sein auch nur selten lange und geht meist unschön zu Ende, weil irgendwas ist eben immer. Da wirft sich doch die Frage auf, was diese überzeugten Mingles in 10 bis 20 Jahren machen? Leihkinder mit Übergangs-Ehepartner bis etwas „Besseres“ kommt? Wir werden sehen!

Karrieregeil- Zwischen Versagensängsten und Höhenflügen

Emanzipation, „Independent Women“ und weitere Neuheiten: Die Frau von heute ist auf keinen Fall mehr von einem Mann abhängig. Schlussendlich kann sich heute jeder auf seine eigene Karriere konzentrieren. Glück für uns, das die globale Vernetzung immer besser funktioniert. Eine Reise innerhalb Europas gleicht keinen endlos Trips mehr, sondern kann in wenigen Stunden absolviert werden. Frauen in Chefetagen sind keine Seltenheit und Männer werden grundsätzlich immer erfolgreicher. Was die Generation Y trotz dieser Höhenflüge kennzeichnet? Eine große Versagensangst! Auch wenn es selten jemand zugeben möchte, aber wer will sich noch mit einem 0815-Job zufriedengeben? Oder als weibliche Vertreterin noch schlimmer: Mutter und Hausfrau bis in alle Ewigkeiten sein? In Bezug auf die „Karrieregeilheit“ steht der Großteil der heutigen Jugend stolz dazu, und wird auf die Frage „Wie siehst du dich selbst in 10 Jahren?“ eine perfekte und durchdachte Antwort raushauen. Schließlich sind wir die zukünftigen Brad Pitts und Angelina Jolies.

Zugegeben, diese ganzen Eigenschaften lassen die Generation der 90’s Kids nicht gerade Beneidenswert wirken. Aber wir sind natürlich nicht nur die karrieregeilen, technikfanatischen Mingels die auf „Sex sells“ setzen. Wir genießen unsere Jugend, können durch die heutigen Möglichkeiten viel Reisen und Freundschaften auf der ganzen Welt knüpfen, sind ehrgeizig und zielstrebig. Außerdem sind wir die letzte Generation, die die frühe Kindheit noch ohne Smartphones erleben durfte. Das sollte wohl reichen, um zumindest noch ein klein wenig stolz auf diese Ära zu sein. Egal, wie wir uns im Endeffekt nun nennen!

Bis zum nächsten Blogpost!

Eure Melanie

Kommt Zeit, kommt Brot!

Die DefinitIon von gutem Essen hat ungefähr so viele Facetten wie es Menschen auf der Erde gibt. Vor allem in den reichen Industrieländern sind die Nahrungsmittel die uns schmecken, nicht unbedingt die, die unserem Körper gut tun. Ob es nun an den hohen Zuckergehalt liegt, an der (noch) eher unerforschten Auswirkung gentechnisch veränderter Lebensmittel oder an den unzähligen Konservierungsstoffen: Die falsche Nahrung kann uns schwer krank machen! Aber woher soll man nun wissen, was ein gesundes Lebensmittel ausmacht, wenn man nie Bezug zur Gewinnung unserer Urprodukte hatte?

Die Internationale Grüne Woche (IGW) findet im Januar 2016 schon zum 81. Mal statt. Neben einer großen Anzahl von Ausstellerinnen und Aussteller im Bereich Ernährungs- und Landwirtschaft werden auch die kommenden und bleibenden Konsumtrends vorgestellt. So haben die Themen „Bio“, „Regional“ und „nachwachsende Rohstoffe“ eine immer höhere Bedeutung in der Branche. Doch nicht nur die rund 1.700 Austeller kommen hier auf ihre Kosten, sondern auch die prognostizierten 415.000 Besucherinnen und Besucher können so einiges an Wissen mitnehmen.

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Abbildung 1: Verschiedenste Getreidesorten Foto:©Melanie Köppel

Im Rahmen dieser Internationalen Grünen Woche hat auch die „Markthalle Neun“ im Berliner Kreuzberg es sich zur Aufgabe gemacht, den Besucherinnen und Besuchern eine kleine Wissensreise zu bieten. „BrotZeit“ ist das Motto des heutigen Sonntags und steht ganz im Rahmen des alten, traditionellen Nahrungsmittel. Von der Saatgutgewinnung bis zum fertig gebackenen Brot  wird den Interessierten das handwerkliche Verfahren näher gebracht. Auch die Auswahl der Zutaten, die verschiedenen Getreidesorten und die Herstellung in den eigenen vier Wänden wird an unterschiedlichen Austellungsständen vermittelt. Ebenso werden in hitzigen Debatten auch die Themen Demeter, Gentechnick und Nachhaltigkeit erklärt und diskutiert.

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Abbildung 2: Zubereitung libanesischer Gerichte Foto: ©Melanie Köppel

Doch nicht nur die nationale Küche ist in der Markthalle Neun vertreten, sondern auch Back- und Kochkünste aus den verschiedensten Ländern, wie Japan oder den Libanon. Durch den großen und vielfältigen Markt und die verschiedensten Werkstätten erhält man einen guten Einblick zum Thema Qualität unserer Lebensmittel.

Diese, und noch viele weitere Veranstaltungen, sind ein heißer Tipp für das interessierte Publikum der diesjährigen Internationalen Grünen Woche, die noch bis zum 24. Januar ihre Pforten in ganz Berlin geöffnet hat!

von Melanie Köppel aus Berlin, am 17.01.2016

Die Hinterlassenschaft der Sternenkinder

Bunte Murmeln, jede Menge Teddybären und flatternde Windräder sind am Boden verteilt. Trotz der eisigen Kälte versammeln sich täglich viele Eltern auf dem Alten St.- Matthäus- Kirchhof in Berlin- Schöneberg, um ihre Babys zu besuchen. Alle verweilen ein paar Minuten und genießen die vertraute Verbundenheit. Viele haben Geschenke oder Fotos dabei, andere zünden eine Kerze an, im Gedenken an ihre Sternenkinder.

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Abbildung 1: Friedhof der Sternenkinder Foto: ©Melanie Köppel

Der „Garten der Sternenkinder“ wird von einem riesigen Schiff aus Holz geziert. Rund 400 Gräber befinden sich bis jetzt hier verteilt und es werden jährlich mehr. Die Definition Sternenkind besitzt eine große Spannweite, jedoch kann man grundsätzlich sagen, dass es sich um ein tot- oder stillgeborenes Kind handelt. Für die Eltern im ersten Moment ein Riesenschock, denn das Baby, auf dass man sich so sehr gefreut und worauf man so lange gewartet hat, kann man nie richtig kennenlernen. „Kein Kind sollte vor seinem Vater sterben!“ sagte Anthony Hopkins im Film „Die Vorsehung“. Den Eltern von Sternenkindern spricht dieses Zitat aus der Seele.

Aber wie geht man nun mit dem traurigen Verlust um? Kann das Leben danach überhaupt weitergehen? Bernd Boßmann, Schauspieler und der Besitzer des ersten Friedhofscafés Deutschlands im St.-Matthäus- Kirchhof, setzt sich für die Eltern der Sternenkinder ein und versucht zu helfen, wo es nur geht. Die Idee zum „Garten der Sternenkinder“ entstand am Anfang des Jahres 2007, als ihn eine Mutter in seinem Café besuchte und vom Verlust ihres Sohnes erzählte. Sofort waren viele Sponsoren gefunden und im April 2007 fand die erste Bestattung statt.

Bernd Boßmann
Abbildung 2: Bernd Boßmann beim Interview Foto: ©Delia Roscher

„Die Auflagen sind in Deutschland sehr streng. Erst ein Kind über 1000 Gramm ist offiziell Bestattungspflichtig und bekommt auch eine Urkunde.“, so Boßmann, “ Ich finde diese Definition sehr traurig, denn für die Eltern ist das verlorene Kind trotzdem ein fester Bestandteil der Familie!“ Das Verständnis und die Hilfe von Bernd Boßmann lockt daher auch viele Vereine für Eltern von Sternenkindern in das Friedhofscafé „Café finovo“. Die Vereine „Erste Hilfe Köfferchen Berlin“ oder die „Verwaisten Eltern“ treffen sich dort gerne, um sich auszutauschen.

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Abbildung 3: Schatullenbeispiele und Grabfiguren Foto:© Delia Roscher

„Im Umgang mit den Eltern muss man besonders vorsichtig sein!“, meint Bernd Boßmann. Wörter wie „Sarg“, „verrottbar“ oder „Tod“ werden ganz aus dem Wortschatz gestrichen. Stattdessen wird aus dem Sarg eine Schatulle, diese auch selbst von den Familien der Kinder gestaltet werden können. Das gibt den Hinterbliebenen oft ein besseres Gefühl und lässt die Tragödie leichter verkraften, soweit das möglich ist. Bernd Boßmann versucht, die Eltern an Psychologen weiterzuleiten und kümmert sich hauptsächlich auch um die rechtlichen Verpflichtungen. Der ehemalige Schauspieler erzählt:“Ich wollte immer selbst Kinder, habe aber leider nie welche bekommen. Diese Arbeit mit den Eltern ist so etwas wie eine Erfüllung für mich. Daraus Profit zu schlagen wäre unmoralisch! Ich bin froh, dass ich helfen kann.“

von Melanie Köppel aus Berlin, am 07.01.2016