US-Wahlen: Flüchtlingsansturm auf Europa

Seit den frühen Morgenstunden strömen tausende US-Flüchtlinge Richtung Europa. Grund dafür ist der neue Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump, der mit seinem überraschenden Sieg eine Massenpanik auslöste. 

„Ick hab kene Zeit. Ick bin völlig überfordert, dit sehen Sie ja!“, so ein Sicherheitsbeamter am Flughafen Berlin Tegel, der seit Stunden diverse Twitter-Accounts von ankommenden Flüchtlingen auf „Pro – Trump“- oder „Grab ‚em by the pussy“-Tweets untersucht. Bundeskanzlerin Merkel äußert sich, wie immer, dazu nur folgend: „Wir haben so vieles geschafft – wir schaffen das!“ Und hinter vorgehaltener Hand zu Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel: „Regel du das, ich muss schnell weg. Obama kommt auch, der hat über Google Earth gesehen, das im Kanzleramt wieder einmal total viel Dreck rumliegt.“

Auch in Österreich ist die Situation angespannt. Nicht nur tausende antibiotikaresistente Amerikaner, sondern auch hoher Besuch trudelt langsam ein. Neben Larissa Marolt und Christoph Waltz soll sich auch schon Arnold Schwarzenegger samt Familie und Haushälterin auf den Weg gemacht haben. Diese Information sorgte für helle Aufregung in der Wiener Hofburg, wo derzeit ein Krisengespräch zwischen den beiden Bundespräsidentschaftskandidaten Norbert Hofer und Alexander Van der Bellen stattfindet. „Jetzt, wo Herr Schwarzenegger wieder in Österreich ist, befürchten die beiden Kandidaten große Konkurrenz bei der kommenden Wahl. Daher planen sie eine Anfechtung. Nur für den Fall der Fälle!“, so ein Sprecher der Hofburg. Der Einzige, der der Situation freudig entgegenblickt, ist Richard Lugner. Ihn trifft die Redaktion vor dem BIPA in der Mariahilfer Straße: „Ei sink this is mei tschänz: Neva sej neva! Aber jetzt müssens mich gach entschuldigen, ich brauch noch einen Selbstbräuner.“

Während dem ganzen Chaos in Europa klingelte pausenlos das Telefon im Wiener Hofburgs Sekretariat, wo derzeit aber aufgrund der Ausnahmesituation nur Dauerpraktikant Bernd L. vertreten ist. „Der Herr Trump hat ständig angerufen, bis ich mal abgehoben hab. Der wollt wissen, bei welcher Firma wir unsere Wahlkarten drucken haben lassen. Er hat nämlich gehört, dass die auch einen super Zement produzieren. Ich kann net so gut Englisch, deshalb hab ich ihm auch net sagen können, des das garantiert nix wird. Soll sich sein Praktikant drum scheren, mir is des wurscht!“

Ein ganzes Jahrhundert

1922-Fasziniert starre ich noch immer auf die Jahreszahl. Zweimal rechne ich, um mir wirklich sicher zu sein. Im Oktober 2016 wird Anton Plattner 94 Jahre alt. 94 Jahre voller Arbeit und Angst, aber auch voller Glück und Dankbarkeit. Auf dieses Leben zurückzublicken gleicht einer Märchenstunde. Ein Märchen, welches ein gutes Ende nehmen durfte…

Von der Nachkriegszeit in den nächsten Krieg

Als drittes von neun Kindern wurde Anton Plattner 1922 in Terlan, einem Dorf in Südtirol, geboren. Der erste Weltkrieg liegt nur einige Jahre zurück, die Italianisierung ist im vollem Gange. In der Schule und in der Öffentlichkeit wurde nur Italienisch gesprochen, Deutsch war verboten. „Mein Vater hätt‘ uns aber bei den Ohren gezogen, wenn wir daheim nicht Deutsch gesprochen hätten“, so Plattner.

Im Jahre 1935, mit 13 Jahren, wurde Anton Plattner von zu Hause weggeschickt, um beim Hof des Großbauern Kroaner zu arbeiten. Als siebtes und damit auch fremdes Kind in der Familie hieß es oft: „Bua tu dies, Bua tu das.“ Aber trotz der vielen Arbeit auf der Landwirtschaft war es der Bäuerin wichtig, dass die Lernerfolge in der Schule stimmten. So verfolgte Anton Plattner einen Alltag über Jahre hinweg, der sich aus Schulbildung und Arbeit zusammensetzte. Eine Bezahlung für das Schuften gab es nicht, lediglich Kost und Quartier wurden geboten, sowie die getragene Kleidung der älteren Kinder am Hof. Gern erinnert sich Anton Plattner noch an ein besonderes Ereignis zurück: „Einmal wurde mir ein ganz neuer Anzug mit soliden Schuhen gekauft. Ich fühlte mich damals wie ein richtiger Gentleman!“

Der Beginn einer langen Reise

Im Mai 1939 wurde die Bevölkerung Südtirols vor die Wahl gestellt: Entweder man entschied sich für das Deutsche Reich oder man bleibt ohne ethnischen Minderheitsschutz in der Heimat unter der Führung Mussolinis. Herr Plattner durfte im Alter von 17 Jahren noch nicht für sich selbst entscheiden, so wurde er mit seiner Familie nach Österreich gebracht. „Ich wäre nicht nach Österreich gegangen. Ich hatte am Bauernhof alles und ich konnte alles. Aber im Konsulat wurde bestimmt, dass ich mit meinen Eltern mitgehen muss. Mein Vater hat sich für Hitler und das Deutsche Reich entschieden. Die Bauersleute, bei denen ich arbeitete, stimmten für Mussolini und blieben in Italien. Verständlich, bei diesem schönen Besitz“, erklärt Plattner.

Die Reise der Familie Plattner in die neue Heimat Kainach in der Steiermark dauerte eine Woche. Der Vater hatte Verwandte in Graz und gab die Steiermark als sein Wunschziel in Österreich an. Dort angekommen schickte man Anton Plattner mit seinem Bruder Martin zum Arbeitsamt. Den jungen Männern wurde erklärt, dass sie sowieso in den Krieg eingezogen werden. Wer sich aber freiwillig für die Wehrmacht meldete, wurden sowohl Wohnung auch als Arbeit nach dem Krieg versprochen. „Am 10. August 1940 war meine Musterung und am 1. Februar 1941 wurde ich der Deutschen Wehrmacht übergeben. Es ging alles sehr schnell!“, erinnert sich Anton Plattner.

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Anton Plattner zu Hause in Kainach. ©Melanie Köppel

Das Interview

Anton Plattners Geschichte faszinierte mich von Anfang an. Umso mehr freut es mich, dass ich ihn und seine Frau Ella besuchen durfte. Mit einer Flasche Wein in der Tasche klingelte ich also an seiner Haustür. „Die Schuhe kannst‘ gern anlassen, ich bin der Hausmann“, begrüßte er mich fröhlich und ich folgte ihm in die Küche, wo auch seine Ehefrau schon wartete. „Da werd‘ ich auf meine alten Tag nochmal rauschig!“, schmunzelte er, als ich ihm die Flasche Wein gab und unser Gespräch konnte beginnen…

Sie sind Zweisprachig aufgewachsen, aber dann mit 17 nach Österreich gekommen. Haben Sie Italienisch jemals wieder gebraucht? Können Sie es noch?

, sì signorina, parlo italiano! (lacht) Aber gebraucht habe ich es eigentlich nicht mehr. In der Gefangenschaft in Amerika habe ich dann noch etwas Englisch gelernt. Nach dem Arbeiten mussten wir immer eine Stunde lernen, aber im Schreiben war ich ganz schlecht. I speak no English! (lacht)

Was war ihr schlimmstes Erlebnis als Soldat? Wenn man überhaupt ein einziges als Schlimmstes definieren kann.

Wir Soldaten wurden in zwei Truppentransporter eingeschifft: Einmal der Transporter „Donau“, in dem ich war und der zweite hieß „Ibizzia Laura“. Am fünften Tag dieser Schiffsfahrt wurden wir auf offener See in der Nähe von Kirkenes (Norwegen) von Torpedos der Engländer getroffen. Es war der 30. August 1941 gegen 17:30 Uhr, als die „Donau“ angegriffen wurde, sofort in der Mitte brach und innerhalb drei Minuten versank. Ich war mit meinem Kameraden Bertl Plank im ersten Deck in der Nähe der Treppe. Die Schwimmwesten hatten wir als Kopfkissen für unser Nachtlager benutzt und in meinem Schrecken hatte ich die einfach liegen gelassen. Das Schlimmste an dieser Situation war, dass ich nicht schwimmen kann. Ich traute mich nicht, einfach ins Meer zu springen und die Rettungsboote waren alle demoliert…

Sind Sie trotzdem gesprungen?

Nein, ich glitt an einem Seil ins Wasser, weil die Kameraden von oben drängten. Verständlich, wir hatten auch nicht viel Zeit. Ich habe auch sofort Wasser geschluckt und wurde in die Tiefe gezogen. Das Nächste, an das ich mich erinnern kann, ist, dass mich ein Kamerad im Schwitzkasten, und mir regelmäßig mit voller Wucht auf den Kopf geschlagen hatte. Ich hatte so viel Salzwasser geschluckt, allein daran hätt‘ ich sterben können. Der Kamerad trug eine Schwimmweste und schrie die ganze Zeit: „Gib Ruh‘, gib Ruh‘!“ Ich kann mich heute noch an die Rufe der verzweifelten Soldaten im Wasser erinnern. Mein unglaubliches Glück war, dass ich nach einer halben Stunde im Wasser auf ein Kriegsschiff von unserem Verband von ein paar Matrosen hochgetragen wurde. Bertl wurde auch gerettet und wir sind uns um den Hals gefallen, als wir uns wiedergesehen haben.

Frau Plattner, die auch am Tisch sitzt und gespannt zuhörte, fragte mich kurz, wie mein Nachname lautet. „Schau, du hasts auch nicht mehr g’wusst“, sagte sie zu ihrem Mann. „Wennst du 100 Jahr alt bist, vergisst halt auch mal was!“, entgegnete dieser nur lächelnd. Das holte mich kurz wieder in die Gegenwart zurück, denn beim Erzählen wirkt Herr Plattner nicht wie fast 100…

Wie viele Kameraden haben diesen Angriff nicht überlebt?

Von den 1000 Kameraden, die am Schiff waren, haben es 600 nicht geschafft. Ich hatte bei dem Unglück Gott „angerufen“ und versprochen, dass ich jeden Sonntag in die Kirche geh‘, wenn ich das überlebe. Ich bin so dankbar, dass ich das überstanden hab‘. Mein Versprechen habe ich gehalten, jedoch, wenn ich es manchmal nicht mehr in die Kirche schaffe, dann höre ich die Messe im Radio.

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Anton Plattner hat seine Erinnerungen selbst niedergeschrieben. ©Melanie Köppel

Wurden Sie während des Krieges jemals krank?

In Russland hat mich die Gelbsucht erwischt. „Oh, weg weg, sonst krieg‘ ma alle die Gelbsucht!“, hat der Arzt damals gerufen und mich in ein Not-Lazarett nach Witebsk (Weißrussland) verwiesen. Da waren schon mindestens 20 Soldaten mit Gelbsucht und auch Verwundete.  Links lagen die Männer mit Gelbsucht und rechts die Verwundeten. Nach ein paar Wochen kam ich in das Heimatlazarett nach Warschau. Innerhalb vier Monaten war ich wieder geheilt. Medikamente oder Ähnliches gab es nicht, also musste sich mein Körper von allein erholen.

Wie ging es weiter?

Nachdem ich 10 Tage Heimaturlaub erhielt und danach zurückmusste, meldete ich mich freiwillig, um in Afrika einzuziehen. Mir wurde bewusst, dass ich aus Russland nie mehr lebend heimkommen würde, da ich sehr schwach war. Der Weg nach Afrika war schon sehr anstrengend.  Habidere, da hatte ich schon das Gefühl, dass das alles nicht gut gehen wird. Mit dem Güterzug ging es durch Italien bis nach Sizilien, danach mit dem Flugzeug weiter nach Tunis. Eigentlich wollten wir nach Tripolis, aber da in dieser Gegend die Engländer kämpften, waren wir schon beim Eintreffen zum Rückzug gezwungen. Am 11. Mai 1943 gegen 10:30 Uhr haben uns die Amerikaner schlussendlich in Gefangenschaft genommen.

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Die Route, die Anton Plattner während des Krieges zurücklegte. ©Anton Plattner

Wie haben Sie kommuniziert? Englisch haben Sie doch erst in Amerika gelernt…

In jedem LKW der Amerikaner war mindestens ein Deutschsprachiger. Der hat uns erklärt, wie wir uns verhalten sollen. Das war auch meine Gewissheit, dass es jetzt aus ist. „Wenn einer was tut, dann erschießen wir euch alle!“, hat der immer wieder gerufen. Dann wurden wir alle auf einen LKW verladen und Richtung Durchgangslager gebracht. Lager ist übertrieben, denn eigentlich wurden wir nur von einem Stacheldrahtzaun umrundet, an dem hunderte Schwarze mit Maschinengewehren standen. An diesem Tag hab ich zum ersten Mal einen Schwarzen gesehen!  Wilde Burschen waren das. Am nächsten Tag haben wir dann alle eine Gefangenennummer um den Hals bekommen. Ich hatte die 46500, bei den Zehner-Zahlen bin ich mir unsicher. Mit dieser Nummer haben wir dann zwei Packerl Kekse, etwas Dosenfleisch und eine Flasche Zitronenwasser bekommen.

Wann kamen Sie dann endgültig nach Amerika?

Am 14. August 1943 wurde ich in New York eingeschifft, danach ging es weiter nach Alabama, wo wir am 27. August mit dem Zug eintrafen. Dort wurde ich wieder in ein Lager gebracht, welches wirklich schön und sauber war. In dem Lager mussten wir alle 10 Stunden täglich arbeiten. Im Sommer bei der Erdnussernte, im Winter im Holzschlag, wo wir Telegrafenmasten stockten. Wenn wir bei der Erdnussernte nicht gebraucht wurden, wurden wir im Steinbruch eingesetzt. Ich kann mit der Gabel umgehen, also war die Erdnussernte für mich eine leichte Aufgabe, denn man macht das wie bei den Heuhiefler. Einmal war ich mit meinen Kameraden schon mit 25 Hiefler fertig, da kam unser Chef in einem weißen Cadillac. Das war ein Auto! Der versprach uns Coca-Cola und eine Tafel Schokolade, wenn wir noch weiterarbeiten würden. Innerhalb einer Stunde war er zurück und wirklich jeder bekam etwas. „Good boys, good boys!“, hat er dann immer gerufen. Das war mein erstes Cola in meinem Leben!

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Als Kriegsgefangener in den Vereinigten Staaten. ©Anton Plattner

Wann sind Sie dann wieder nach Hause gekommen?

Der Krieg dauerte bis zum 8. Mai 1945, da  durften wir aber noch nicht heim, da uns gesagt wurde, das es zu Hause nichts zum Essen gibt. Erst im April 1946 wurde ich nach Liverpool gebracht. Dort musste ich Putzarbeit und Straßenreinigungen erledigen. Wir dachten alle, dass wir sofort nach Hause konnten, aber wir durften noch nicht. Mitte Mai hieß es dann plötzlich: Wer Österreicher ist, soll sich am nächsten Tag sofort in der Schreibstube melden. Die Freude war so groß als ich erfuhr, dass ich endlich heim darf. Die Reise bis in die Steiermark dauerte bis 19. Juli 1946, wo ich im Entlassungslager in Feistritz eine Fahrkarte und 50 Schilling Wegzehrung erhielt.  Am 20. Juli kam ich endlich in Kainach an und meine Reise hatte ein Ende.

Haben Sie Ihren Kameraden, den Bertl Plank, wiedergesehen?

Ja, unsere Wege haben sich nach Russland getrennt, aber wir haben uns dann nach dem Krieg wiedergetroffen. Da war ich ihn besuchen und hab ihn zum Essen eingeladen. Den hat’s viel schlechter erwischt als mich. Er war in Gefangenschaft in Jugoslawien, also im heutigen Slowenien. Den ganzen Tag hat er nur Wasser und Brot gekriegt, da hab‘ ich dagegen wirklich gut gelebt.

Nach guten drei Stunden in der gemütlichen Küche der Familie Plattner wurde es für mich an der Zeit zu gehen. Doch eine letzte Frage kam mir noch auf:

Was sagen Sie denn heute darüber?

Ich hoff‘, dass so ein Blödsinn nicht nochmal passiert! Irgendwann müssen die Leut‘ ja gescheiter werden…

Irgendwann, hoffentlich.

Eure Melanie

Thomas Weber – Vom Fernseher zum Interview

Wenn er durch die Herrengasse in Graz spaziert, wird er ständig angesprochen und um Fotos gebeten. Der 35-jährige Steirer ist aber keinesfalls ein bekannter Popstar. Thomas Weber ist seit 2015 Moderator der Tagesnachrichten „Steiermark heute“. Was ihm so daran gefällt und wie man sich als „der Mann aus dem Fernseher“ fühlt, hat der Wahl-Grazer mir ganz persönlich erzählt:

Ein freundliches „Hallo Melanie, hier ist Thomas Weber“ hallt mir aus meinem Telefonlautsprecher entgegen. Ich selbst sitze in einem kleinen Raum meiner Universität und bin ziemlich nervös. Schließlich telefoniere ich mit einem der bekanntesten Gesichter der Steiermark. Journalismus ist das, was uns verbindet. Was er schon erreicht hat, liegt für viele in der Branche noch in ferner Zukunft. Ob London, Prag oder die alltägliche Arbeit im Landesstudio der Steiermark: Der Terminkalender des jungen Steirers ist randvoll. Eine Sportverletzung am Bein beschert ihm aber eine unfreiwillige Pause. „Ich liege hier gerade ganz bequem und habe meinen Fuß hochgelagert“, für mich das Stichwort, um loszulegen.

Die Karriere in der Medienbranche hat damals mit einem Praktikum bei dem Radiosender „Antenne Steiermark“ begonnen. Wie kam es dazu, dass Sie danach Politikwissenschaften studiert haben?

Ich wollte schon immer ein Studium machen und hatte das in meiner Lebensplanung drin. Irgendwie bin ich dann aber in den Medienjob „reingerutscht“. In den Sommerferien zwischen der 7. und 8. Klasse* habe ich ein Praktikum bei der „Antenne“ gemacht. Nach der Matura habe ich das Studium auf Eis gelegt und bin dann als Reporter zur „Antenne“ zurück. Mit fast 23 Jahren kam dann der Punkt, an dem ich mir gedacht habe: „Wenn du jetzt kein Studium mehr machst, wirst du nie mehr eines machen.“ Also habe ich bei der „Antenne“ gekündigt, weil ich wusste, dass sich in diesem Fall der Job nicht mit dem Studium vereinbaren lässt. Nach einem abgebrochenen BWL- und JUS-Studium in Graz bin ich schlussendlich nach Wien und habe dort meinen Magister in Politikwissenschaften gemacht. Dieses Fach hat mich einfach am meisten interessiert!

Nach dem Studium waren Sie in München als Jungredakteur bei „ProSieben“. Warum kommt man danach wieder zurück in die Steiermark?

Nach dem Studium war ich viel unterwegs, aber ich muss gestehen, nach meinen ersten drei Wochen in München hatte ich richtig Heimweh. Ich habe einfach alles vermisst und bin dann relativ rasch zurück in die Steiermark, auch weil ich wusste, dass es eventuell eine Chance gibt, beim Österreichischen Rundfunk (ORF) anfangen zu können.

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Der gebürtige Weststeirer liebt seine Heimat. © Thomas Weber

 

Also ist die Arbeit beim ORF schon von Anfang an der Traumberuf gewesen?

Nein, das würde ich nicht so sagen. Ich habe schon früh gewusst, dass ich später im Medienbereich arbeiten will. Ob das nun im Radio, bei der Zeitung oder im Fernsehen sein soll, war mir damals nicht wirklich bewusst. Zum ORF speziell wollte ich nie. Es ist kein Geheimnis, dass der ORF der größte Medienanbieter Österreichs ist. Also wenn sich die Chance ergibt, dass man im ORF in verschiedensten Bereichen arbeiten darf, würde ich das dann schon als Traumjob bezeichnen.

Seit Juni 2015 sind Sie nun sogar Moderator für „Steiermark heute“. Wie fühlt es sich an, ein bekanntes „Fernseh-Gesicht“ zu sein?

Unwirklich! (lacht) Nein, also ich arbeite bald 10 Jahre beim ORF und bin dort Teil des Teams. Als dann 2015 ein Moderator gesucht wurde, war das irgendwie die Erfüllung des Traums, den man als Journalist anstrebt. Wenn man dann wirklich nicht um 19 Uhr nach Hause geht, sondern im Hauptabendprogramm moderiert, kann man sich davor gar nicht vorstellen, welche Aufmerksamkeit man geschenkt bekommt. Oft höre ich auf der Straße „Schau, UNSER Nachrichtensprecher!“ und über solche Rückmeldungen freue ich mich doch sehr. Ob nun real oder virtuell über die sozialen Medien: Ich trete sehr gerne in Kontakt mit den Zuseherinnen und Zusehern. Mich nervt so etwas nicht, im Gegenteil, ich freue mich sehr darüber, angesprochen zu werden.

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Zuvor schon beim ORF, jedoch seit Juni 2015 Moderator von „Steiermark heute“.                                        © Thomas Weber

Stichwort soziale Medien: Auf Ihrer Facebook-Seite tummeln sich mehr als 7000 FollowerInnen. Hand aufs Herz, googelt man sich da auch manchmal selbst, um zu wissen, was so geschrieben wird?

Nein, noch nie! Auf diese Idee wäre ich ganz ehrlich gesagt noch nie gekommen. (lacht) Meistens weiß man schon vorher, wenn irgendein Artikel geschrieben wird. Aber als Journalist ist man schon viel im Internet unterwegs, einfach um „Up-to-Date“ zu sein und wirkliche wichtige Nachrichten mitzubekommen. Mich selbst zu googeln würde für mich aber keinen Sinn ergeben!

Aber nun zurück zum Thema Facebook: Hauptsächlich sieht man dort Fotos von der Arbeit oder vom Sport. Ist der Sport nur eine lästige Tätigkeit, weil man als Moderator fit bleiben muss oder macht das Ganze schon Spaß?

Da kann ich nur meine Standardantwort auspacken und sagen, dass ich einer der wenigen Menschen bin, denen Sport überhaupt keinen Spaß macht. Ich habe auch nicht die Glückshormonausschüttung danach. (lacht) Laufen ist für mich nur Mittel zum Zweck, um fit zu bleiben und meine Figur zu halten. Deshalb mache ich vier bis fünf Mal pro Woche Sport, aber das wäre auch schon wieder der einzige Grund. Wenn es eine Möglichkeit gäbe, fit und gesund zu bleiben, ohne Sport zu machen, wäre ich sofort dabei!

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                Regelmäßig wird fleißig trainiert.                       ©Thomas Weber

Nun eine wirklich wichtige Frage: Wiener Schnitzel oder Kaiserschmarren?

Wiener Schnitzel!!! Ich bin der Parade-Österreicher, der von Zeit zu Zeit sein Wiener Schnitzel braucht. Immer wenn ich zu meinen Eltern fahre, dann gibt es eines. Ich liebe Wiener Schnitzel!

Bei der Mama ist es am besten oder?

Ja, sicher! (lacht)

In einem Interview im September 2015 haben Sie gesagt, dass Sie bis zu 5 Liebesbriefe pro Tag bekommen. Ist das heute auch noch so?

Nein, leider! (lacht) Aber man muss sich das sowieso ganz anders vorstellen als es in diesem Interview dargestellt wurde. Wir leben im Jahr 2016 und da ist so ein handgeschriebener Liebesbrief eine echte Seltenheit. Also wenn, dann bekomme ich diverse Facebook-Nachrichten von Frauen, in denen steht, wie süß ich doch bin oder dass diese Damen mich Kennenlernen möchten. Meistens werde ich auch gefragt, ob ich der aus dem Fernseher bin und ob man nicht weiter über WhatsApp schreiben will. Das beschränkt sich aber auf maximal vier bis fünf Nachrichten pro Woche.

Haben Sie ihre große Liebe dann schon gefunden oder lässt die noch auf sich warten?

Die lässt noch auf sich warten! Sagen wir so, es war noch kein Liebesbrief dabei, der mich so geflasht hat, dass ich sagen würde, das ist jetzt meine große Liebe.

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Liebesbriefe via Facebook sind keine Seltenheit.      ©Thomas Weber

 

Würden Sie sich dann selbst als Romantiker bezeichnen?

Puh, würde ich mich selbst als Romantiker bezeichnen? Ja, schon. Gibt es eigentlich Menschen, die nicht romantisch sind?

Stimmt, gutes Gegenargument.

Es hängt davon ab, wie man romantisch definiert. Wenn man einfach in der Früh zu zweit aufwacht und sich darüber freut, finde ich das eigentlich schon romantisch. Fast romantischer als die kitschige Version, wenn man eben am Balkon mit vielen Decken ein Glas Wein trinkt und die Sterne dabei anschaut oder am Strand spazieren geht. Romantik ist immer eine Definitionssache und ich denke, jeder Mensch ist irgendwie romantisch.

Also hat er sich doch selbst verraten, der liebe Herr Weber. Welchem Mann wären solche Bespiele schon eingefallen, wenn er nicht selbst ein wahrer Romantiker wäre?

Thomas Weber seht Ihr bald wieder um 19 Uhr im ORF2 und von mir hört Ihr wieder nächste Woche, hier auf elitale,

 Eure Melanie

*Deutschland: 11. und 12. Klasse

Bollwerk-Guide für Mädels

Wir leben in einem Zeitalter, in dem man sich montags über das gelungene Wochenende in Ekstase erfreut und ab Dienstag schon wieder das kommende Besäufnis detailliert plant. Solange man unter 30 und bei bester Gesundheit ist, ist das vollkommen okay.

FUTTER, das neue Magazin der Kleinen Zeitung in Graz, hat auf dessen Facebook Seite einen Artikel über „Fünf Dinge, die man im Bollwerk beachten sollte“ veröffentlicht. Für meine deutschen Leserinnen und Leser: Das Bollwerk kann man vom Publikum und der Musik mit dem Matrix  vergleichen, nur viel kleiner und definitiv günstiger. Zurück zum Artikel, den dieser hat mich sehr beeindruckt, da alles gesagt wurde, was gesagt werden muss. Kurz und kompakt eben. Dennoch denke ich, dass da noch mehr geht! Vor allem für die weibliche Klientel gibt es spezifisch doch mehr zu wissen. Keine Sorge, dafür gibt es mich und meine  Rubrik „10 things about…“!

10 Tipps für Mädels, die im Bollwerk (Xcube, etc.) feiern wollen*

 

1.Diät wer?

Du wirst Alkohol trinken. Du wirst tanzen. Und du willst definitiv Spaß haben! Aber nichts ist nerviger als die eine Freundin, die vor dem Feiern absichtlich nichts isst, weil sie „nicht fett werden“ will und dann die Hälfte des Abends am Klo verbringt. Diese eine Person willst du definitiv nicht sein! Also wirf deine Nahrungsmoral über Bord und stopf dir das fettigste Essen hinein, das dein Kühlschrank zu bieten hat. Nur so bist du optimal auf eine Bollwerk-Nacht und billigen Alkohol vorbereitet.

 

2.Die Hugo-Flasche vor dem Losziehen

Ich weiß, den Tipp gab es auch schon im Futter Artikel zu lesen. Dieser Punkt soll eben nun betonen, wie wichtig es ist, wirklich NICHT nüchtern ins Bollwerk zu gehen. Also unter 1 Promille könnt ihr getrost zu Hause bleiben. Am besten vorbereitet seid ihr, wenn ihr laut kichernd durch den Eingang marschiert, und dem Türsteher eure E-Card hinhaltet. Der wird euch nett darauf hinweisen, dass er einen Lichtbildausweis benötigt. Wenn ihr euch entschuldigt und ihm den gewünschten Ausweis trotzdem noch vorzeigen könnt, habt ihr definitiv das richtige Level erreicht.

 

3. Der Cheerleader-Effekt

Sind wir uns mal ehrlich: Bevor eine Frau in der Kleinstadt (ja, auch Graz) alleine feiern gehen würde, wird Lugner der neue Bundespräsident. Versteht mich nicht falsch, zu zweit losziehen ist auch super und macht meistens mehr Spaß als der „Bitchfight“ in einer Gruppe. Aber die ultimative Wirkung des Cheerleader-Effekts wird erst bei einer Mindestanzahl von drei weiblichen Personen ausgekostet. Ihr seid also eine Gruppe von attraktiver, leicht betrunkener Mädels, wobei vielleicht das Individuum von jeder Einzelnen etwas flöten gehen kann. Aber wen interessiert die unglaubliche Wirkung der eigenen Persönlichkeit schon, wenn man auf die Attraktivität einer Gruppe reduziert werden kann?

 

4. Die „Am-Klo-sind-wir-alle-nett-zueinander“- Regel

Egal wie sehr du diese eine dumme Kuh damals aus der vierten Klasse hasst, weil sie dir einen Kaugummi in deine Haare geklebt hat: Am Bollwerk-Klo seid ihr wie unzertrennliche Schwestern. Ihr umarmt euch, sagt euch unbedingt, wie toll ihr doch ausseht, lästert über den einen Typen, der euch beide anmachte und teilt am besten noch deinen neuen Lippenstift miteinander. Diese ungeschriebene Regel gilt übrigens auch für neue weibliche Bekanntschaften, die du während dem Warten schließt. Sobald ihr den Sanitärbereich verlassen habt, tut ihr so als wäre nie etwas gewesen. Und ach, ihr könnt euch wieder wie üblich hassen!

 

5. Der „Was-man-nicht-aufgibt-hat-man-nicht-verloren!“-Schwachsinn

Nein, natürlich bist du nicht betrunken! Ganz klar, dass dir jemand dein 3,50 € Deo aus der Handtasche gestohlen hat. Und natürlich wirst du es wiederfinden! Jetzt mal ehrlich: Egal, was man im Bollwerk verliert, es bleibt auf ewig verloren. Es ist wie so ein schwarzes Loch, das alles frisst. Egal ob deine Handtasche, Ohrringe, Jacke oder Schuhe (Nein, ich möchte nicht darüber reden. Danke.) sich ins Nichts aufgelöst haben, du wirst sie vermutlich nie mehr wiedersehen. Mit ganz viel Glück am nächsten Tag und nach eventuell 10 „Spotted“ Nachrichten kannst du deinen Verlust wieder in deinen Armen halten. Und du wirst dir schwören, dass du nie mehr etwas verlieren wirst. Guter Witz!

 

6.Der Style-Code

Wie man an Punkt 5 unschwer erkennen kann, sollte man nichts mitnehmen, was einem nur annähernd wichtig ist. Das heißt übersetzt nun auch, dass man nichts anziehen soll, was man eventuell nochmals gerne anziehen würde. Man wird angeschüttet mit irgendwelchen Mixgetränken, kann eigentlich nur von Glück reden, wenn man nirgends ein Brandloch am nächsten Tag entdeckt und zur Krönung kann man auch von irgendjemanden vollgekotzt werden. Also Ladies, lasst eure teuren Seidenblusen zu Hause und nehmt doch das 10 Euro Top von H&M. Ihr werdet es mir danken!

 

7.High Heels

Richtig gelesen: High Heels sind durchgestrichen. Wisst ihr auch warum? Weil eine Nacht im Bollwerk ziemlich lang werden kann. Da High Heels eben unbequem sind und niemand darin wirklich tanzen kann, sollte man sie getrost zu Hause stehen lassen. Außerdem will niemand die jammernde Freundin sein, die allen den Abend verdirbt und schlimmsten Falls auch noch einen „Bitchfight“ in der Gruppe auslöst. Es gibt auch andere schöne Schuhe, wie zum Beispiel weiße Sneakers. Fun Fact: Wenn ihr diese dann am nächsten Morgen genauer betrachtet, könnt ihr alle Getränke wiedererkennen, die ihr gestern konsumiert und halb verschüttet habt.

 

8. Das „Flüchte-vor-Fotos-die-dein-Leben-zerstören“- Konzept

Die besten Partys sind im Endeffekt immer diese, von denen es keine Beweisfotos gibt. Im Bollwerk nahezu unmöglich, weil dort ein extra ein Fotograf auf vernichtende Fotos spezialisiert ist. Also grundsätzlich keinen Alkohol, keine Zigaretten oder andere Drogen, sowie Typen, die man soeben kennengelernt hat, mit aufs Foto nehmen. Du ersparst dir am nächsten Tag bei der Familienfeier so einige peinliche Situationen. Außerdem darf man auf Gruppenfotos mit seinen „Girls“ nie vergessen, dass die Schwerkraft um einiges stärker wird, die rechte Hand automatisch ein Peace-Zeichen formt und der Mund zum Duckface gespitzt ist. Dann kann nichts mehr schiefgehen und das nächste Facebook-Titelbild ist somit gesichert.

 

9. Die „Wuhuu“-Girls

Es gibt nur zwei Zeiten im Bollwerk: Die, in der es einfach so leer ist, dass ihr entweder zu früh oder am falschen Tag dort seid, oder die Zeit, wo ihr nicht einmal einen Platz auf der Stange finden würdet. Beim zweiten Szenario hilft nur eines: Ihr wünscht euch euren Lieblingssong, „Wuhuu“t schnell alle kurz und stürzt euch in die Menge. Dann macht ihr einen kleinen Kreis und weitet diesen mittels grazilen, ästhetischen Tanzbewegungen (Ellbogentechnik) aus. Voila, ihr habt Platz geschaffen und der Cheerleader-Effekt kommt nun besonders gut zur Geltung!

 

10. Die „Einsammlerin“

Jede durchzechte Bollwerk-Nacht endet irgendwann, und eine weitere ungeschriebene Regel besagt, dass man als Frau auch mit der Gruppe die Party verlässt, mit der man gekommen ist. Da du dir nun diesen Artikel ernsthaft bis zum Schluss durchliest und anscheinend dringend Tipps gebraucht hast, kann das nur eines bedeuten: DU bist die Einsammlerin! Genau, du bist die eine, die alle zum Schluss zusammentrommelt und ins Taxi befördert. So sehr wir uns gerne die Illusion geben würden, dass eine Frauengruppe schon allein wegen dem Cheerleader-Effekt gerne immer zusammenbleibt, sieht Wahrheit ganz anders aus. Eine muss auf die Toilette, die andere lernt einen Typen kennen und dann gibt es noch die eine Freundin, die man am Anfang von der Party verliert und die erst zum Schluss wieder auftaucht. Niemand weiß wirklich, was diese besagte Freundin gemacht hat!  Jedenfalls ist es deine Aufgabe als DIE Einsammlerin, dass DU durch das ganze Bollwerk rennst und alle mitnimmst. Schlimmstenfalls musst du eine Durchsage machen lassen, aber hey, peinlicher als die auf dich wartende Taxifahrt kann es eigentlich sowieso nicht werden. Viel Glück!

Ladies, nun viel Spaß beim Feiern!

Melanie

 

*Diese (leicht sarkastischen) Tipps sind keine Garantie für einen gelungenen Bollwerk-Abend und beruhen auf Selbststudien der Autorin.

„NEW YEAR- NEW ME“ BULLSHIT

Da nur wirklich hartgesottete Realisten sich heute Abend vor Mitternacht ins Bett verkriechen werden, weil es rein theoretisch doch nur ein „ganz normaler“ Tag ist, wird  jedenfalls der Rest der mitteleuropäischen Bevölkerung zur ziemlich gleichen Zeit unkontrolliert Alkohol zu sich führen. Während man also mit einem Sektglas in der Hand und einem gestörten Gleichgewichtssinn in irgendeinem Wohnzimmer sitzt, macht man sich doch Gedanken über seine mehr oder minder guten Neujahrsvorsätze. Und nachdem man schon beim zweiten Versuch, den Countdown runter zuzählen, bei fünf gescheitert ist, weil man seinen kompletten Inhalt des Glases auf den Teppich verschüttet hat, nimmt man sich vor, auch den gänzlichen Verzicht auf Alkohol in die lange Liste zu integrieren.

Die Hälfte der guten Gedanken hat man spätestens am 1. Januar des neuen Jahres verdrängt oder schlichtweg vergessen, weil man zu beschäftigt ist, sich selbst zu bemitleiden und man auf Google Begriffe eingibt wie „Kann man an einem Kater sterben?“ oder „Wie viele Gehirnzellen opfert man für eine Flasche Wodka?“. Kurzum: Die meisten Leute fühlen sich am ersten Tag des Jahres einfach nur beschissen. Es hilft auch nichts, wenn man schon am 30. Dezember trinkt, um aufgewärmt und vorbereitet zu sein. Denn dann fühlt man sich am Jahresanfang einfach so als müsste man jeden Moment einen Priester anrufen und um  die letzte Krankensalbung betteln, bevor man elendig zu Grunde geht.

Wer dann also den „schrecklichsten“ Tag des Jahres überlebt, die Wohnung und eventuell auch sich selbst wieder aufgeräumt hat, startet dann in die nächste, alljährliche Phase. Nämlich die Zeit, in der man noch SO motiviert ist, seine Pläne in die Realität umzusetzen. Ob man nun täglich Sport machen, sich gesünder ernähren, statt Koks nur mehr Weed konsumieren oder vielleicht einfach nur netter zu seinen Mitmenschen sein will: Spätestens im Februar  hat jeder den Hut geworfen und lebt sein altes, lahmes Verhaltensschema wieder in vollen Zügen aus.

Also für was sollte man sich nun wirklich Neujahrsvorsätze zurechtlegen, wenn man sich damit einfach nur selbst verwirrt und jemand ist, der man eigentlich gar nicht wirklich sein will?  Auch wenn ich mir in diesem Moment vornehmen würde, regelmäßig einen Blogpost nach dem anderen rauszuhauen, würde ich es schlicht und einfach nicht tun.

Auf diese Erkenntnis trinke ich jetzt auf mich, euch und alle verdrängten guten Vorsätze  der letzten Jahre.

Bis nächstes Jahr und einen guten Rausch!

Melanie

 

10 things about…

Viele BloggerInnen haben verschiedenste Rubriken und ordnen somit ihre Texte. Da ich grundsätzlich die metaphorische Ehefrau der Ordnung bin, gründe ich heute meine persönliche Rubrik „10 things about…“. Wie das ganze funktionieren wird, lässt sich schon am Namen erahnen, aber lest doch selbst! 🙂

10 Dinge, an die ich mich in Berlin nie gewöhnen werde

1.Kinder vor dem Supermarkt

Nein, ich rede nicht von dealenden  oder kiffenden Kindern vor Supermärkten. Ich rede von Kinderwägen (inklusive Baby on Board) vor den Supermärkten OHNE Mutter, Vater, Babysitter, Jugendamt oder sonstiger Aufsichtsperson. Vielleicht liegt es an meiner, für Berlin eher, konservativen Einstellung. Aber wer lässt den bitte sein Kind alleine neben den Einkaufswägen stehen und geht dann seelenruhig Lebensmittel shoppen? Gut, wahrscheinlich wird ein Kind selten in so einer Situation gekidnappt. Aber mir geht’s eben ums Prinzip. Ein Kind ist kein Hund!

2.Generell deutsche Supermärkte

Wenn wir schon bei deutschen Supermärkten sind, komm ich gleich zur verwirrenden Struktur. Verwirrend in dem Sinn, dass einige Supermärkte zum Beispiel Automatiktüren vor dem Kühlregalen haben. An sich ja keine schlechte Idee in puncto Umweltschutz und Ressourcenschonung. Aber warum sind dann diese Türen die Hälfte der Zeit einfach offen? Und warum verdammt kühlt ihr die Eier nicht, sondern lasst sie am besten ganz weit weg vom Kühlregal stehen? Wollt ihr, dass sie es kuschlig warm haben und dann Kücken schlüpfen oder was? Ich als Landei kann mit dem System nichts anfangen.

3.Das öffentliche Verkehrssystem

Auch wenn mich jetzt viele BerlinerInnen für verrückt erklären, aber das U- und S-Bahn Netz  ist schlichtweg das beste an Berlin überhaupt! Egal wo ich bin, wie spät es auch sein mag oder wie verwirrt ich auch oft bin: Irgendwie komme ich immer nach Hause! Als Kind vom Land schätzt man diesen Luxus sehr. Auch wenn man hier oft gerne in Versuchung kommt, einfach Samstag nachts zum Flughafen zu fahren und nach China zu fliegen. Ganz spontan. Einfach, weil man es kann.

4.Kinder in der Kita

Gut, ich bin schon wieder beim Thema Kinder angelangt, jedoch ist das am Prenzlauer Berg kein Wunder. Jedes zweite Haus ist hier prinzipiell eine Kita, ein Kindergarten oder eine Volksschule (dt. Grundschule). Die Kleinsten der Kleinen findet man hier in der Kita, wobei ich mich eben immer frage, wieso man ein Baby von 6 Monaten schon einen halben Tag abgeben möchte? Um ungestört Yoga machen zu können? Oder um den Friseurbesuch genießen zu können? Ja okay, ich stecke hier alle in einen Topf. Aber hey, ich finde euch immer noch besser als die Eltern, die ihre Kinder vor dem Supermarkt stehen lassen!

5.Bankautomaten

Anders als in Österreich kann man in Deutschland mit einer deutschen Bankkarte nicht bei einem beliebigen Bankautomat Geld abheben, ohne Gebühren zu bezahlen. Egal ob bei der Sparkasse, der Commerzbank, der Deutschen Bank oder wie sie sonst noch alle heißen, musst du bis zu 5 Euro bezahlen, wenn dein Girokonto bei einer anderen Bank angelegt worden ist. Im Grunde stell ich mir das so vor, dass es in jeder Bank einen Angestellten gibt, der nur dazu zuständig ist, diese Einzahlungen zu überwachen und dann laut durch das Büro schreit:“ Hey Leute, da hat wieder jemand bei uns Geld abgehoben.“

6. Menschen  beim Bäcker

Egal ob Anwalt, Mediziner oder Hartz-4 Empfänger: Sonntags beim Bäcker sieht man die meisten Leute in Pyjama, Bademantel oder sonstigem „Ich-bin-halt-gerade-aufgestanden“-Look. Als ich das zum ersten Mal gesehen habe, hatte ich Mitleid mit dem armen Mann, da ich dachte, seine Frau hat ihn ausgesperrt. Heute frage ich mich verwundert, was all diese Menschen wohl unter ihren Bademänteln tragen?! Scheiß Kopfkino.

7.“Redfreudigkeit“

BerlinerInnen  wird vorgeworfen, dass sie nicht gerade offen sind. Diese Vorwürfe dementiere ich im Sinne der Deutschen gerne, da ich prinzipiell jedes Mal in ein Gespräch verwickelt werde. Ob in der Schlange am Supermarkt, beim Warten im Bürgeramt oder manchmal einfach nur in der U-Bahn: Irgendjemand spricht immer mit mir. Wieso, werde ich nie verstehen, aber bitte entschuldigt mein verblüfftes Gesicht! Nein, ich habe keinen Herzinfarkt, sondern bin an solche Situationen schlichtweg nicht gewöhnt.

8. Nachbarn, die gerne feiern

Es ist kein Geheimnis, dass ich gerne unterwegs bin. Aber meine Nachbarn übertreiben es. Grundsätzlich jeden Mittwoch ist Partystimmung nebenan. Was sie genau feiern, weiß ich leider nicht! Sei es einfach der „Schnittwoch“, eine wöchentliche Verlobung oder irgendwelche Schlagerstars… nächstes Mal dreh ich Justin Bieber so laut auf, das eure Helene Fischer wortwörtlich ganz atemlos wird!

9. Mädls in High Heels

Hohe Schuhe sind toll und sehen einfach ästhetisch aus, darüber muss man nicht streiten. Aber ständig sehe ich Frauen, die tagsüber wie Cinderella über die Berliner Fußwege stolzieren. Wenn man weiß, dass diese Wege aus Pflastersteinen bestehen und ich oft nicht mal mit flachen Schuhen elegant und ohne stolpern gehen kann, haben High-Heels-Trägerinnen meinen höchsten Respekt verdient! Aber angeblich finden Männer tollpatschige Frauen laut Klatschzeitschriften süß. HERE I AM!

10. Die deutsche Sprache

So sehr ich mich bemühe und so sehr ich auch übe: Jedes Mal, wenn ich denke, dass ich es geschafft habe, wenigstens einigermaßen Akzentfrei zu sprechen, kommt jemand und meint:“ Och süß, woher kommst du denn?“ „Oachkatzlschwoaf!“, wird nächstes Mal meine Antwort sein.

Bis zum nächsten Blogpost!

Meli