Billigmöbel zu jedem Preis

Ein riesiger Metallkasten ziert die Landschaft, umringt vom Grau der Parkplätze. Ein blaues Gebäude mit gelbem Logo steht mitten im Nichts. Familie Struck schiebt ihren vollen Einkaufswagen durch die labyrinthischen Gänge und begutachtet Möbel, die in das neue Heim einziehen sollen. Ein ganz übliches Szenario einer Berliner Familie, jedoch mit bitterem Nachgeschmack.

Gleiche Uhrzeit, rund 3000 Kilometer entfernt schlagen einem Forstarbeiter die russische Kälte und der Duft des matschigen Bodens ins Gesicht. Dienstbeginn. Übrigens der zehnte in Folge. Keine Wochenenden, keine Pausen. Der Chef will bessere und schnellere Arbeit. Er fokussiert sein nächstes Ziel: Eine 800 Jahre alte Linde.

Die beiden Welten sind verbundener als sie scheinen. Der große, gemeinsame Nenner ist Ikea. Der Riesenkonzern, dessen Filialen Familien-Wahlfahrtstätten gleichen, verkauft massenhaft Möbel zu spottbilligen Preisen. Die Zahl der Kunden steigt stetig – aber auch die der kleineren und größeren Eklats.

Die Skandalchronik des Konzerns geht bis in das letzte Jahrhundert zurück. In den Jahren 1960 bis 1980 sollen politische Gefangene der DDR zur Zwangsarbeit für den Konzern genötigt worden sein. Ikea hat das inzwischen eingeräumt und der Vorfall schien beinahe vergessen. 2005 wurden bei Kontrollen, die der Konzern selbst in Auftrag gegeben hat, zwölf Fälle von Kinderarbeit in Indien, China und Pakistan bekannt. Ein Schock für die Konsumenten. Ikea beendete die Geschäftsbeziehungen zu den Lieferanten. Die mussten sich zudem verpflichten, betroffene Kinder wieder in die Schule zu schicken. Damit will Ikea die Kinderarbeit stoppen. Doch trotz angeblich verschärfter Kontrollen und Nachhaltigkeitskonzepte bleibt der Möbelgigant in den Schlagzeilen.

2009 musste sich Ikea den Vorwurf gefallen lassen, Produkte mit Daunen von lebend gerupften Gänsen und auch das Fleisch der Tiere verkauft zu haben. Laut EU-Gesetz ist es verboten, Tiere lebend zu rupfen. Erst eine gemeinsame Rechercheaktion des Vereins „Vier Pfoten“ und des ARD-Magazins „Fakt“ deckte die Missstände auf. Ikea entschuldigte sich  und brach die Geschäftsverbindung zum Lieferanten ab.

Weiter ging es im Februar 2014! Da verlor die Ikea-Tochter „Sweedwood“ das FSC-Siegel. Das „Forest Steawardship Council“- Siegel soll garantieren, dass das Holz der Möbel nicht aus schützenswerten Gebieten stammt und keine Urwaldbäume abgeholzt wurden. Laut FSC müssen die verarbeiteten Materialien von der Abholzung bis zum Verkauf identifizierbar sein. „Sweedwood“ aber verstieß  gegen unzählige Nachhaltigkeitskonzepte.  „ Es wurden nicht nur geschützte Wälder abgeholzt, sondern „Sweedwood“ verstieß auch gegen sämtliche Kriterien des Arbeitnehmerschutzes“, erklärt Lars Hofmann, Pressesprecher des FSC. Der Council hat festgestellt, dass viele  Mitarbeiter von „Sweedwood“ keine ausgebildeten Fachkräfte waren und  weder Arbeitsschutzkleidung, noch das nötige Forstwissen hatten. Ikea dementierte die Vorwürfe heftig und sah den Verlust des Gütesiegels als „vorübergehend“ an. Der Konzern stellte die Missstände ab, im März 2014 bekam „Sweedwood“ das Siegel wieder zurück.  Dennoch verkaufte Ikea die Firma Sweedwood im Jahr 2014. Grund dafür war die ständige Kritik und das schlechte Licht, welches das Unternehmen auf Ikea warf.

 Ikea-Deutschland-Pressesprecher Kai Hartmann, weist alle Vorwürfe zurück, in welchen dem Konzern umweltschädliche Praktiken unterstellt werden. Ikea lege sehr wohl Wert auf eine gute Nachhaltigkeitspolitik. Alle Filialen arbeiten mit möglichst umweltschonenden Ressourcen, wie Öko-Strom, LED-Lampen und  Nutzung von Thermosolaranlagen. Zudem leistet das Einrichtungshaus einen Beitrag zum Energiesparen in privaten Haushalten.  Wasser- und warmwassersparende Armaturen, sowie  Induktionskochfelder, die Verwendung von A++ – Elektrogeräten oder auch die Trennung und mögliche Wiederverwendung von Abfall sind haushaltsnahe Maßnahmen, die in das Ikea Nachhaltigkeitskonzept gehören. Nach Ansicht des Konzerns  hätte Nachhaltigkeit nicht nur mit der Umwelt, sondern auch mit der Nächstenliebe zu tun. Daher engagierte sich Ikea auch für die Flüchtlingshilfe, zudem würden unzählige Kinderprojekte gefördert werden.

Aber wie reagieren nun tatsächlich Ikea-Mitarbeiter, wenn man sich als „unwissender“ Kunde  über die Nachhaltigkeit der Produkte informieren will?

„Auf unserer Ikea-Homepage können Sie sich den Nachhaltigkeitsbericht 2014 durchlesen. Haben Sie übrigens gewusst, dass Ikea ein sehr gönnerhafter Sponsor von UNICEF-Projekten ist?“ So oder in ähnlicher Form wird man als ökologisch denkender Kunde gerne auf den Nachhaltigkeitsbericht 2014 von Ikea verwiesen. Danach bekommt man eine Führung durch sämtliche Etagen zwischen LED-Lampen und Öko-Baumwolle, um auf keinen Fall die besten und natürlich „ökologischsten“ Angebote zu verpassen. Doch wie Thomas Bergmark, Ikeas Umwelt- und Sozialmanager, schon 2011 in einem Interview des Magazins „enorm“ zitiert wurde: „Man kann nie garantieren, dass jeder Baum aus einer legalen Quelle stammt.“

Was bedeutet es jedoch wirklich für die Menschheit, wenn ein so riesiger Möbelkonzern wie Ikea, der jährlich weltweit bis zu 690 Millionen Kunden hat, Holz aus geschützten Wäldern für seine Produkte verwendet?

„Die weitere Abholzung der geschützten Wälder kann zu einer riesigen ökologischen Katastrophe führen“, weiß Prof. Dr. Judith Korb, Ökologieprofessorin der Universität Freiburg. Vor allem die Abholzung von alten und mächtigen Bäumen kann riskante Folgen mit sich bringen. Die Bäume speichern eine große Menge an Kohlendioxid  in ihren Stämmen. Bei der Abholzung geht ein wichtiger Träger des Ökosystems verloren,  ein  CO2-Speicher wird eliminiert. Das CO2 bleibt  zunächst in den Möbeln gespeichert. Wird das Holz verbrannt, wird es aber wieder freigesetzt. Da Kohlendioxid ein großer Faktor für die Klimaerwärmung ist, könnten die Temperaturen in den nächsten Jahren rasant in die Höhe steigen.

Dies kann man sich am Beispiel einer Kerze veranschaulichen: Lässt man die Kerze unter einem Glas stehen, so erlischt die Flamme. Sobald man das Glas aber entfernt, entflammt sie wieder und Wärme entsteht. Die Bäume der Wälder sind in diesem Fall das schützende „Glas“ der Erde. Wenn dieser Schutz verschwindet, könnte dasselbe Prinzip auch in unserer Atmosphäre passieren und es wird zu viel Wärme frei. Die Gletscher schwinden, Tier- und Pflanzenarten sterben aus.

Trotz aller Skandale: Bei Ikea bleibt vorerst alles beim Alten. Jedenfalls in der russischen „Holzdependance“. Die alte Linde fällt. Ihr Holz wird man billig kaufen können. In einer Ikea-Filiale in Berlin-Lichtenberg.

Bollwerk-Guide für Mädels

Wir leben in einem Zeitalter, in dem man sich montags über das gelungene Wochenende in Ekstase erfreut und ab Dienstag schon wieder das kommende Besäufnis detailliert plant. Solange man unter 30 und bei bester Gesundheit ist, ist das vollkommen okay.

FUTTER, das neue Magazin der Kleinen Zeitung in Graz, hat auf dessen Facebook Seite einen Artikel über „Fünf Dinge, die man im Bollwerk beachten sollte“ veröffentlicht. Für meine deutschen Leserinnen und Leser: Das Bollwerk kann man vom Publikum und der Musik mit dem Matrix  vergleichen, nur viel kleiner und definitiv günstiger. Zurück zum Artikel, den dieser hat mich sehr beeindruckt, da alles gesagt wurde, was gesagt werden muss. Kurz und kompakt eben. Dennoch denke ich, dass da noch mehr geht! Vor allem für die weibliche Klientel gibt es spezifisch doch mehr zu wissen. Keine Sorge, dafür gibt es mich und meine  Rubrik „10 things about…“!

10 Tipps für Mädels, die im Bollwerk (Xcube, etc.) feiern wollen*

 

1.Diät wer?

Du wirst Alkohol trinken. Du wirst tanzen. Und du willst definitiv Spaß haben! Aber nichts ist nerviger als die eine Freundin, die vor dem Feiern absichtlich nichts isst, weil sie „nicht fett werden“ will und dann die Hälfte des Abends am Klo verbringt. Diese eine Person willst du definitiv nicht sein! Also wirf deine Nahrungsmoral über Bord und stopf dir das fettigste Essen hinein, das dein Kühlschrank zu bieten hat. Nur so bist du optimal auf eine Bollwerk-Nacht und billigen Alkohol vorbereitet.

 

2.Die Hugo-Flasche vor dem Losziehen

Ich weiß, den Tipp gab es auch schon im Futter Artikel zu lesen. Dieser Punkt soll eben nun betonen, wie wichtig es ist, wirklich NICHT nüchtern ins Bollwerk zu gehen. Also unter 1 Promille könnt ihr getrost zu Hause bleiben. Am besten vorbereitet seid ihr, wenn ihr laut kichernd durch den Eingang marschiert, und dem Türsteher eure E-Card hinhaltet. Der wird euch nett darauf hinweisen, dass er einen Lichtbildausweis benötigt. Wenn ihr euch entschuldigt und ihm den gewünschten Ausweis trotzdem noch vorzeigen könnt, habt ihr definitiv das richtige Level erreicht.

 

3. Der Cheerleader-Effekt

Sind wir uns mal ehrlich: Bevor eine Frau in der Kleinstadt (ja, auch Graz) alleine feiern gehen würde, wird Lugner der neue Bundespräsident. Versteht mich nicht falsch, zu zweit losziehen ist auch super und macht meistens mehr Spaß als der „Bitchfight“ in einer Gruppe. Aber die ultimative Wirkung des Cheerleader-Effekts wird erst bei einer Mindestanzahl von drei weiblichen Personen ausgekostet. Ihr seid also eine Gruppe von attraktiver, leicht betrunkener Mädels, wobei vielleicht das Individuum von jeder Einzelnen etwas flöten gehen kann. Aber wen interessiert die unglaubliche Wirkung der eigenen Persönlichkeit schon, wenn man auf die Attraktivität einer Gruppe reduziert werden kann?

 

4. Die „Am-Klo-sind-wir-alle-nett-zueinander“- Regel

Egal wie sehr du diese eine dumme Kuh damals aus der vierten Klasse hasst, weil sie dir einen Kaugummi in deine Haare geklebt hat: Am Bollwerk-Klo seid ihr wie unzertrennliche Schwestern. Ihr umarmt euch, sagt euch unbedingt, wie toll ihr doch ausseht, lästert über den einen Typen, der euch beide anmachte und teilt am besten noch deinen neuen Lippenstift miteinander. Diese ungeschriebene Regel gilt übrigens auch für neue weibliche Bekanntschaften, die du während dem Warten schließt. Sobald ihr den Sanitärbereich verlassen habt, tut ihr so als wäre nie etwas gewesen. Und ach, ihr könnt euch wieder wie üblich hassen!

 

5. Der „Was-man-nicht-aufgibt-hat-man-nicht-verloren!“-Schwachsinn

Nein, natürlich bist du nicht betrunken! Ganz klar, dass dir jemand dein 3,50 € Deo aus der Handtasche gestohlen hat. Und natürlich wirst du es wiederfinden! Jetzt mal ehrlich: Egal, was man im Bollwerk verliert, es bleibt auf ewig verloren. Es ist wie so ein schwarzes Loch, das alles frisst. Egal ob deine Handtasche, Ohrringe, Jacke oder Schuhe (Nein, ich möchte nicht darüber reden. Danke.) sich ins Nichts aufgelöst haben, du wirst sie vermutlich nie mehr wiedersehen. Mit ganz viel Glück am nächsten Tag und nach eventuell 10 „Spotted“ Nachrichten kannst du deinen Verlust wieder in deinen Armen halten. Und du wirst dir schwören, dass du nie mehr etwas verlieren wirst. Guter Witz!

 

6.Der Style-Code

Wie man an Punkt 5 unschwer erkennen kann, sollte man nichts mitnehmen, was einem nur annähernd wichtig ist. Das heißt übersetzt nun auch, dass man nichts anziehen soll, was man eventuell nochmals gerne anziehen würde. Man wird angeschüttet mit irgendwelchen Mixgetränken, kann eigentlich nur von Glück reden, wenn man nirgends ein Brandloch am nächsten Tag entdeckt und zur Krönung kann man auch von irgendjemanden vollgekotzt werden. Also Ladies, lasst eure teuren Seidenblusen zu Hause und nehmt doch das 10 Euro Top von H&M. Ihr werdet es mir danken!

 

7.High Heels

Richtig gelesen: High Heels sind durchgestrichen. Wisst ihr auch warum? Weil eine Nacht im Bollwerk ziemlich lang werden kann. Da High Heels eben unbequem sind und niemand darin wirklich tanzen kann, sollte man sie getrost zu Hause stehen lassen. Außerdem will niemand die jammernde Freundin sein, die allen den Abend verdirbt und schlimmsten Falls auch noch einen „Bitchfight“ in der Gruppe auslöst. Es gibt auch andere schöne Schuhe, wie zum Beispiel weiße Sneakers. Fun Fact: Wenn ihr diese dann am nächsten Morgen genauer betrachtet, könnt ihr alle Getränke wiedererkennen, die ihr gestern konsumiert und halb verschüttet habt.

 

8. Das „Flüchte-vor-Fotos-die-dein-Leben-zerstören“- Konzept

Die besten Partys sind im Endeffekt immer diese, von denen es keine Beweisfotos gibt. Im Bollwerk nahezu unmöglich, weil dort ein extra ein Fotograf auf vernichtende Fotos spezialisiert ist. Also grundsätzlich keinen Alkohol, keine Zigaretten oder andere Drogen, sowie Typen, die man soeben kennengelernt hat, mit aufs Foto nehmen. Du ersparst dir am nächsten Tag bei der Familienfeier so einige peinliche Situationen. Außerdem darf man auf Gruppenfotos mit seinen „Girls“ nie vergessen, dass die Schwerkraft um einiges stärker wird, die rechte Hand automatisch ein Peace-Zeichen formt und der Mund zum Duckface gespitzt ist. Dann kann nichts mehr schiefgehen und das nächste Facebook-Titelbild ist somit gesichert.

 

9. Die „Wuhuu“-Girls

Es gibt nur zwei Zeiten im Bollwerk: Die, in der es einfach so leer ist, dass ihr entweder zu früh oder am falschen Tag dort seid, oder die Zeit, wo ihr nicht einmal einen Platz auf der Stange finden würdet. Beim zweiten Szenario hilft nur eines: Ihr wünscht euch euren Lieblingssong, „Wuhuu“t schnell alle kurz und stürzt euch in die Menge. Dann macht ihr einen kleinen Kreis und weitet diesen mittels grazilen, ästhetischen Tanzbewegungen (Ellbogentechnik) aus. Voila, ihr habt Platz geschaffen und der Cheerleader-Effekt kommt nun besonders gut zur Geltung!

 

10. Die „Einsammlerin“

Jede durchzechte Bollwerk-Nacht endet irgendwann, und eine weitere ungeschriebene Regel besagt, dass man als Frau auch mit der Gruppe die Party verlässt, mit der man gekommen ist. Da du dir nun diesen Artikel ernsthaft bis zum Schluss durchliest und anscheinend dringend Tipps gebraucht hast, kann das nur eines bedeuten: DU bist die Einsammlerin! Genau, du bist die eine, die alle zum Schluss zusammentrommelt und ins Taxi befördert. So sehr wir uns gerne die Illusion geben würden, dass eine Frauengruppe schon allein wegen dem Cheerleader-Effekt gerne immer zusammenbleibt, sieht Wahrheit ganz anders aus. Eine muss auf die Toilette, die andere lernt einen Typen kennen und dann gibt es noch die eine Freundin, die man am Anfang von der Party verliert und die erst zum Schluss wieder auftaucht. Niemand weiß wirklich, was diese besagte Freundin gemacht hat!  Jedenfalls ist es deine Aufgabe als DIE Einsammlerin, dass DU durch das ganze Bollwerk rennst und alle mitnimmst. Schlimmstenfalls musst du eine Durchsage machen lassen, aber hey, peinlicher als die auf dich wartende Taxifahrt kann es eigentlich sowieso nicht werden. Viel Glück!

Ladies, nun viel Spaß beim Feiern!

Melanie

 

*Diese (leicht sarkastischen) Tipps sind keine Garantie für einen gelungenen Bollwerk-Abend und beruhen auf Selbststudien der Autorin.

Christian Below im Portrait: Vom Stadtkind zum Aussteiger

Selbstbewusst, glücklich und vor allem zufrieden: So beschreibt sich Christian Below selbst. Der gebürtige Deutsche aus Beckum in Nordrhein-Westfalen lebt nun schon seit 22 Jahren in Kanada. Dort hat ihn damals die Liebe hinverschlagen, doch heute verbindet ihn einiges mehr mit Nordamerika. Er ist nicht nur ein begabter Ranger, sondern auch ein einzigartiger Lebenskünstler.

Chris
Christian Below in Kanada © Chris Below

„Ich vermisse Deutschland nicht!“ Christian Below verließ vor circa 28 Jahren sein Heimatland, um die Welt zu erkunden. Ganze sechs Jahre verbrachte er in den verschiedensten Ländern. Von Japan über Neuseeland bis hin zu Sardinien war alles dabei. Er selbst behauptet, dass er ein durchaus glücklicheres und erfüllteres Leben führt, als Leute, die einen festen Job besitzen und ihr Leben nur an einem Ort verbracht haben. An Deutschland selbst kritisiert er die Gesellschaft, in die er sich nie einfügen wollte: „Ich brauche meinen Freiraum und kann mich dadurch entfalten! In Deutschland musst du in die Gesellschaft passen. Eine gute Karriere und Geld sind die Voraussetzung dafür.“

Als Nesthäkchen einer fünfköpfigen Familie begann Chris mit 18 Jahren zu reisen. Um sein Budget möglich ausgeglichen zu halten, setzte er auf Trampen, Couchsurfing & Co. So konnte er günstig die Welt erkunden. Auch viele Freundschaften entstanden in dieser Zeit, vor allem durch das Couchsurfing. Aber um auf der Couch eines Fremden zu schlafen, braucht es nicht nur Mut, sondern auch eine offene Einstellung und eine gesunde Portion Selbstbewusstsein. „Die gute Zeit, die ich dadurch hatte, ist unschätzbar!“, sagt Chris.

 

Liebe zwischen Mensch und Natur

Trotz der Liebe zur Freiheit wurde Christian im Jahre 1994 mit seiner damaligen Ehefrau in

Chris und Nicole
Nicole Lischewski und Chris Below ©Nicole Lischewski

Atlin, British Columbia, sesshaft. Heute ist Chris glücklich mit der gebürtigen Hamburgerin Nicole Lischewski zusammen, die selbst sehr jung nach Kanada zog. Die  Sozialpädagogin ist heute beruflich Schriftstellerin und bloggt auf nicole.penarctica.com über ihr Leben als Auswanderin, doch in ihrer Freizeit teilt sie die Leidenschaft für die Natur mit Christian. Die Wildnis zog beide nahezu magisch an, so dass sie im Jahre 2006 in den Wald nahe des Atlin und Tagish Lake zogen. Alleine schon der Weg vom nächst gelegenen Flughafen nach Hause ist für beide jedes Mal ein kleines Abenteuer: Die Straße ist 80 km geteert, danach ist man auf eine holprige Schotterstraße angewiesen. Von Atlin aus kommen die beiden nur zu Fuß oder per Boot weiter, da sie den sieben Kilometer breiten Atlin Lake überqueren müssen. In dieser Wildnis bauten sie ihr erstes gemeinsames Haus auf eigene Faust, 40 Kilometer Luftlinie ist es von der nächsten Straße entfernt. Nach rund einem halben Jahr waren die  Bauarbeiten abgeschlossen. Bis heute wohnt das Paar in diesem Haus. Von den Fenstern bis zum Boden – alles ist Handarbeit der Aussteiger. Auch die Fleisch- und Wasserversorgung erfolgt durch eigenen Fleiß. Das Motto ihres Lebens lautet: „Wenn man etwas will, kann man alles erreichen!“

 

Reisen mit Leidenschaft

Obwohl Chris nun sesshaft geworden ist, verzichtet er  nicht auf seine geliebten Reisen. Der Ranger arbeitet gute neun Monate im Jahr. In dieser Zeit rettet er hauptsächlich verirrte Menschen aus der Wildnis. Einmal musste er einen toten Mann bergen, der mit seinem Quard verunglückte. Keine schöne Erfahrung!

Die kalten kanadischen Wintermonate nutzt der Aussteiger, um  zurück in die Zivilisation zu kehren. Mit einem maximalen Budget von 3000 Euro besucht er alte Freunde und kann sein Leben in vollen Zügen genießen. Um zu sparen, geht er im Reiseland zu Fuß,  zeltet viel  oder übernachtet bei Freunden.

Ein ausgeglichenes Ying und Yang zwischen Wildnis und Zivilisation ist Christians Geheimtipp für eine glückliche Seele. Auch wenn Chris nicht religiös ist, denkt er sehr spirituell und glaubt an ein Leben danach. Beim Thema Technik hat Christian seine eigenen Ansichten:“ Ich habe mir dieses Jahr mein erstes Smartphone gekauft. Es ist einfach praktischer, um sich mit Freunden zu verständigen! Sobald ich es aber benutzt habe, lege ich es sofort wieder für längere Zeit weg.“

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Strecke von Frankfurt nach Atlin ©Google Maps

Aber kann ein Leben in der Wildnis nur glücklich und ohne Ängste verlaufen? „Ich habe mich doch oft alleine gefühlt, vor allem in Krisen “, meint Chris heute. Als seine Eltern vor sechs Jahren starben, war es schwer für ihn, nicht bei ihnen sein zu können. „Ich habe große Angst vor dem Tod, den kann man nicht selbst bestimmen und schon gar nicht kontrollieren.“ In der Wildnis Kanadas eine berechtigte Befürchtung, denn bis jemand zur Hilfe kommen kann, könnte es längst zu spät sein. „Einmal hatte Nicole innere Blutungen und wir mussten sechs Stunden auf einen Rettungshubschrauber warten“, so Christian. Aber laut dem Aussteiger muss man dem Tod eine gewisse Akzeptanz entgegenbringen, nur so sei es erträglich. Angst vor wilden Tieren hat das Paar aber nicht. Die gibt es zwar, aber wenn man sie in ihrem natürlichen Umfeld  nicht stört, hat man als Mensch laut Naturexperte nichts zu befürchten. Trotz dieser negativen Aspekte bleibt Christian Below nur eines zu sagen: „Ich liebe die Wildnis und ich fühle mich hier so wohl, wie nirgendwo anders!“

Wer nun auf den Geschmack gekommen ist: Hin- und Rückflüge von Frankfurt nach Whitehorse im Bundesstaat Yukon sind auf www.condor.com schon ab 930 Euro zu haben. Im Gegensatz zu anderen Flügen fliegt man hier nonstop in nicht einmal zehn Stunden nach Kanada. Um dann von Whitehorse, dem nächsten Flughafen von Tagish aus, in die Wildnis zu gelangen, kann man vor seiner Reise auf www.billiger-mietwagen.de  ein Auto buchen. Den Wagen kann man schon ab günstigen 340 Euro für vierzehn Tage mieten. Für das perfekte Abenteuer empfiehlt es sich, in einer Blockhütte zu übernachten. Die Wilderness Lodge am Tagish Lake bieten hier den perfekten Ausgleich zwischen Abenteuer und Entspannung. Mit Vollpension inklusive einer abenteuerlichen Anreise von Tagish aus per Boot, Wasser-flugzeug, Hundeschlitten oder Schneemobil ist dies mit einem Preis von 625 Euro für zwei Personen und 3 Nächten ein lohnenswertes Erlebnis.

Don’t only pray for Brussels…

Terror und die damit verbundene Angst macht sich in Europa breit. Nicht nur die Europäische Union ist von diversen Anschlägen betroffen: Allein 2016 gab es 16 Terroranschläge weltweit. Der Letzte ereignete sich heute in der belgischen Hauptstadt Brüssel, wobei hier mehr als 34 Personen starben. Erschreckend, wenn man bedenkt, dass dieses Jahr nicht einmal auf drei vollendete Monate zurückblicken kann.  Drei Viertel dieser Anschläge lassen sich auf islamistische Organisationen zurückführen. Die Idee eines dritten Weltkrieges scheint gar nicht mehr in so weiter Ferne zu liegen, wenn nicht bald ein Wunder geschieht.

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© Vision of Humanity

Terroranschläge sind mitunter das Grausamste, was der Planet Erde zu bieten hat. Unschuldige Menschen werden in ihrem Alltag Mittel zum Zweck eines Planes, den man einfach nicht verstehen will. Das Schlimmste daran: Es wird immer mehr Hass auf Menschen geschürt, welche mit den ganzen Vorfällen nichts zu tun haben. Derzeit ist nichts schwarz oder weiß, vieles verschwimmt und ist grau.  Jedoch sollte man Religion nicht mit radikalen Organisationen verwechseln. Niemand ist automatisch ein Nazi, nur weil er Christ ist, in Deutschland wohnt und blaue Augen hat. Im Bezug darauf sind nicht alle Muslime Islamisten. Dieses „Klischeedenken“ tut uns nicht gut. Wir sind schließlich alle Menschen, bestehen aus Fleisch und Blut, und haben Familien, Freunde und Tätigkeiten, denen wir nachgehen. Deshalb wünscht man sich doch einfach nur mehr Nachrichten, wie diese:

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© Die Welt am 25.12.2015

Die Tatsache, dass der Mensch das einzige Lebewesen ist, das in solch einer Grausamkeit und Überzeugung seine Artgenossen und sich selbst töten kann, ist schockierend. Kein anderes Tier würde auf die Idee kommen, etwas zu konstruieren, das die ganze eigene Rasse ausrotten könnte. Wenn man dies bedenkt, ist der Mensch vielleicht doch nicht die intelligenteste Kreatur dieser Welt. Denn wenn die Energie, die die Menschheit in Kriege, Anschläge und Streit gesteckt hat, in Friede und Nächstenliebe geflossen wäre, wäre die Welt nun ein anderer Ort.

„Was für eine Welt könnten wir bauen, wenn wir die Kräfte, die ein Krieg entfesselt, für den Aufbau einsetzten. Ein Zehntel der Energien, ein Bruchteil des Geldes wäre hinreichend, um den Menschen aller Länder zu einem menschenwürdigen Leben zu verhelfen und die Katastrophe der Arbeitslosigkeit zu verhindern.“ Albert Einstein (1879-1955)

Aber sollte nun Panik ausbrechen? Sollten wir aufhören zu reisen? Oder noch besser: Sollten sich alle in ihren Häusern einsperren? Letzteres wäre wahrscheinlich die optimalste Lösung. Wenn sich jeder daran halten würde, könnte auch kein Terrorist mehr außer Haus gehen. Aber in einer demokratischen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts sollte man sich weder die Freiheit rauben lassen, noch die Lebenslust. Denn Angst ist genau das, was erzielt werden soll und somit komplett fehl am Platz. So tragisch dieses Anschlag in Brüssel war, und so sehr wir Mitgefühl zeigen sollten: Es gab in diesem Jahr noch 15 weitere Terroranschläge, die man nicht vergessen sollte! Denn schließlich sind auch dort unschuldige Menschen gestorben. Darüber schauen viele Europäer leider gerne hinweg, und verbreiten lieber Panik nach einem Anschlag im Heimatkontinent.

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© Twitter Noemi Jorysc

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© Twitter Konfusius

 

Danke „Konfusius“, mehr bleibt nicht mehr zu sagen!

Melanie

 

Generation 90’s kids

Generation „Wisch und Weg“, Generation „Y“ oder schlicht Generation „Beziehungsunfähig“: Die Bezeichnungen für die Masse der heutigen 16- bis 26-Jährigen scheinen endlos zu sein. Während wir uns selbst in den höchsten Tönen loben, grundsätzlich gebildet sind und meist einen großen Horizont besitzen, ist unser Ruf durchaus schlechter. Egoismus, Beziehungsunfähigkeit und Medienabhängigkeit wären nur ein paar der Eigenschaften, die dieser Generation nachgesagt werden. Stimmt dies aber nun? Sind wir die Generation, die sich zwischen konservativen Gedanken und „neumodernen“ Entwicklungen noch nicht selbst gefunden hat?

Technik- die größte Revolution des neuen Jahrhunderts

Das Internet war der erste riesige Fortschritt in der Revolution der Technik. Nachdem nun auch Smartphones, Laptops und andere Geräte für den Durchschnittsbürger leistbar sind, sind Informationen schneller zugänglich denn je. Die sogenannten 90’s Kids sind die erste Generation, die mit diesem Luxus aufwachsen durften. Kein Wunder, dass wir in Sachen Informationsbeschaffung und Technik unschlagbar sind. Leider ist das Internet groß und enthält auch sämtliche Fehlinformationen. Von Dummen verbreitet und von Idioten geglaubt, lautet hier die Devise. Doch anscheinend wurde uns hier nicht nur die Leichtgläubigkeit in die Wiege gelegt, sondern auch der Hang zur Abhängigkeit! Laut tagesschau.de nutzen die 17- bis 25-Jährigen ihre Smartphones mehr als drei Stunden täglich. Snapchat, Facebook, WhatsApp und Co.: Wer hier frei von Sünde ist, werfe bitte den ersten Stein!

Sex sells- Das Zeitalter der Freizügigkeit

Auch hier könnte man wieder das Internet als Übeltäter sämtlicher Schandtaten verurteilen. Hand aufs Herz: Wen schockt heutzutage noch eine nackte Kim Kardashian auf irgendeinem Schundblatt? Richtig, niemanden. Und was denken wir uns, wenn sich Miley Cyrus zum x-ten Mal halbnackt auf der Bühne präsentiert und einen Joint raucht? Richtig, nichts! Es gehört schon fast zum guten Ton, dass man sich halbnackt und möglichst sexy präsentiert. Scham mutiert hier schon  zum Fremdwort. Unsere Idole, Stars und Möchtegern-Sternchen tun es doch auch. Was kann denn so falsch daran sein? In den 50er Jahren und mit Marilyn Monroe noch ein pikanter Aufreger, heute ein Teil unsere Gesellschaft und nicht mehr der Rede wert. Außerdem kamen der „Bauchfrei“-Trend und andere nackte Tatsachen wieder in Mode. Irgendwie müssen wir uns schließlich auf Facebook, Twitter und anderen Netzwerken darstellen, wie wir das machen, sei unserer Generation überlassen!

Mingles- Allein und doch nicht einsam

Eines meiner Lieblingswörter des 21. Jahrhunderts und für die, die es noch nie gehört haben: Mingle ist eine Kombination aus „Mixed“ und „Single“. Bedeutet grundsätzlich den offiziellen Beziehungsstatus als Single, wobei man aber nebenbei einen beziehungsähnlichen Zustand genießt. In diesem Fall gibt der Facebook-Beziehungsstatus „Es ist kompliziert…“ plötzlich viel mehr Sinn!  Man kann aber auch natürlich auf das gute, alte „Freunde mit gewissen Vorzügen“ zurückgreifen. Wie auch immer, der Trend zum „Mingle“ sein prägt die Generation Y mehr als jede andere. Niemand will sich mehr wirklich binden, es könnten sich schließlich Konsequenzen und Verpflichtungen ergeben. Außerdem sollte man die Chance auf etwas „Besseres“ auf gar keinen Fall verpassen, deshalb doch lieber nur halb als ganz. Kein Wunder, dass unserer Generation eine gewisse Beziehungsunfähigkeit und Bindungsangst nachgesagt wird. Normalerweise hält dieses Mingle da sein auch nur selten lange und geht meist unschön zu Ende, weil irgendwas ist eben immer. Da wirft sich doch die Frage auf, was diese überzeugten Mingles in 10 bis 20 Jahren machen? Leihkinder mit Übergangs-Ehepartner bis etwas „Besseres“ kommt? Wir werden sehen!

Karrieregeil- Zwischen Versagensängsten und Höhenflügen

Emanzipation, „Independent Women“ und weitere Neuheiten: Die Frau von heute ist auf keinen Fall mehr von einem Mann abhängig. Schlussendlich kann sich heute jeder auf seine eigene Karriere konzentrieren. Glück für uns, das die globale Vernetzung immer besser funktioniert. Eine Reise innerhalb Europas gleicht keinen endlos Trips mehr, sondern kann in wenigen Stunden absolviert werden. Frauen in Chefetagen sind keine Seltenheit und Männer werden grundsätzlich immer erfolgreicher. Was die Generation Y trotz dieser Höhenflüge kennzeichnet? Eine große Versagensangst! Auch wenn es selten jemand zugeben möchte, aber wer will sich noch mit einem 0815-Job zufriedengeben? Oder als weibliche Vertreterin noch schlimmer: Mutter und Hausfrau bis in alle Ewigkeiten sein? In Bezug auf die „Karrieregeilheit“ steht der Großteil der heutigen Jugend stolz dazu, und wird auf die Frage „Wie siehst du dich selbst in 10 Jahren?“ eine perfekte und durchdachte Antwort raushauen. Schließlich sind wir die zukünftigen Brad Pitts und Angelina Jolies.

Zugegeben, diese ganzen Eigenschaften lassen die Generation der 90’s Kids nicht gerade Beneidenswert wirken. Aber wir sind natürlich nicht nur die karrieregeilen, technikfanatischen Mingels die auf „Sex sells“ setzen. Wir genießen unsere Jugend, können durch die heutigen Möglichkeiten viel Reisen und Freundschaften auf der ganzen Welt knüpfen, sind ehrgeizig und zielstrebig. Außerdem sind wir die letzte Generation, die die frühe Kindheit noch ohne Smartphones erleben durfte. Das sollte wohl reichen, um zumindest noch ein klein wenig stolz auf diese Ära zu sein. Egal, wie wir uns im Endeffekt nun nennen!

Bis zum nächsten Blogpost!

Eure Melanie

Kommt Zeit, kommt Brot!

Die DefinitIon von gutem Essen hat ungefähr so viele Facetten wie es Menschen auf der Erde gibt. Vor allem in den reichen Industrieländern sind die Nahrungsmittel die uns schmecken, nicht unbedingt die, die unserem Körper gut tun. Ob es nun an den hohen Zuckergehalt liegt, an der (noch) eher unerforschten Auswirkung gentechnisch veränderter Lebensmittel oder an den unzähligen Konservierungsstoffen: Die falsche Nahrung kann uns schwer krank machen! Aber woher soll man nun wissen, was ein gesundes Lebensmittel ausmacht, wenn man nie Bezug zur Gewinnung unserer Urprodukte hatte?

Die Internationale Grüne Woche (IGW) findet im Januar 2016 schon zum 81. Mal statt. Neben einer großen Anzahl von Ausstellerinnen und Aussteller im Bereich Ernährungs- und Landwirtschaft werden auch die kommenden und bleibenden Konsumtrends vorgestellt. So haben die Themen „Bio“, „Regional“ und „nachwachsende Rohstoffe“ eine immer höhere Bedeutung in der Branche. Doch nicht nur die rund 1.700 Austeller kommen hier auf ihre Kosten, sondern auch die prognostizierten 415.000 Besucherinnen und Besucher können so einiges an Wissen mitnehmen.

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Abbildung 1: Verschiedenste Getreidesorten Foto:©Melanie Köppel

Im Rahmen dieser Internationalen Grünen Woche hat auch die „Markthalle Neun“ im Berliner Kreuzberg es sich zur Aufgabe gemacht, den Besucherinnen und Besuchern eine kleine Wissensreise zu bieten. „BrotZeit“ ist das Motto des heutigen Sonntags und steht ganz im Rahmen des alten, traditionellen Nahrungsmittel. Von der Saatgutgewinnung bis zum fertig gebackenen Brot  wird den Interessierten das handwerkliche Verfahren näher gebracht. Auch die Auswahl der Zutaten, die verschiedenen Getreidesorten und die Herstellung in den eigenen vier Wänden wird an unterschiedlichen Austellungsständen vermittelt. Ebenso werden in hitzigen Debatten auch die Themen Demeter, Gentechnick und Nachhaltigkeit erklärt und diskutiert.

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Abbildung 2: Zubereitung libanesischer Gerichte Foto: ©Melanie Köppel

Doch nicht nur die nationale Küche ist in der Markthalle Neun vertreten, sondern auch Back- und Kochkünste aus den verschiedensten Ländern, wie Japan oder den Libanon. Durch den großen und vielfältigen Markt und die verschiedensten Werkstätten erhält man einen guten Einblick zum Thema Qualität unserer Lebensmittel.

Diese, und noch viele weitere Veranstaltungen, sind ein heißer Tipp für das interessierte Publikum der diesjährigen Internationalen Grünen Woche, die noch bis zum 24. Januar ihre Pforten in ganz Berlin geöffnet hat!

von Melanie Köppel aus Berlin, am 17.01.2016

Bemerkenswert

Die Hinterlassenschaft der Sternenkinder

Bunte Murmeln, jede Menge Teddybären und flatternde Windräder sind am Boden verteilt. Trotz der eisigen Kälte versammeln sich täglich viele Eltern auf dem Alten St.- Matthäus- Kirchhof in Berlin- Schöneberg, um ihre Babys zu besuchen. Alle verweilen ein paar Minuten und genießen die vertraute Verbundenheit. Viele haben Geschenke oder Fotos dabei, andere zünden eine Kerze an, im Gedenken an ihre Sternenkinder.

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Abbildung 1: Friedhof der Sternenkinder Foto: ©Melanie Köppel

Der „Garten der Sternenkinder“ wird von einem riesigen Schiff aus Holz geziert. Rund 400 Gräber befinden sich bis jetzt hier verteilt und es werden jährlich mehr. Die Definition Sternenkind besitzt eine große Spannweite, jedoch kann man grundsätzlich sagen, dass es sich um ein tot- oder stillgeborenes Kind handelt. Für die Eltern im ersten Moment ein Riesenschock, denn das Baby, auf dass man sich so sehr gefreut und worauf man so lange gewartet hat, kann man nie richtig kennenlernen. „Kein Kind sollte vor seinem Vater sterben!“ sagte Anthony Hopkins im Film „Die Vorsehung“. Den Eltern von Sternenkindern spricht dieses Zitat aus der Seele.

Aber wie geht man nun mit dem traurigen Verlust um? Kann das Leben danach überhaupt weitergehen? Bernd Boßmann, Schauspieler und der Besitzer des ersten Friedhofscafés Deutschlands im St.-Matthäus- Kirchhof, setzt sich für die Eltern der Sternenkinder ein und versucht zu helfen, wo es nur geht. Die Idee zum „Garten der Sternenkinder“ entstand am Anfang des Jahres 2007, als ihn eine Mutter in seinem Café besuchte und vom Verlust ihres Sohnes erzählte. Sofort waren viele Sponsoren gefunden und im April 2007 fand die erste Bestattung statt.

Bernd Boßmann
Abbildung 2: Bernd Boßmann beim Interview Foto: ©Delia Roscher

„Die Auflagen sind in Deutschland sehr streng. Erst ein Kind über 1000 Gramm ist offiziell Bestattungspflichtig und bekommt auch eine Urkunde.“, so Boßmann, “ Ich finde diese Definition sehr traurig, denn für die Eltern ist das verlorene Kind trotzdem ein fester Bestandteil der Familie!“ Das Verständnis und die Hilfe von Bernd Boßmann lockt daher auch viele Vereine für Eltern von Sternenkindern in das Friedhofscafé „Café finovo“. Die Vereine „Erste Hilfe Köfferchen Berlin“ oder die „Verwaisten Eltern“ treffen sich dort gerne, um sich auszutauschen.

Schatullen
Abbildung 3: Schatullenbeispiele und Grabfiguren Foto:© Delia Roscher

„Im Umgang mit den Eltern muss man besonders vorsichtig sein!“, meint Bernd Boßmann. Wörter wie „Sarg“, „verrottbar“ oder „Tod“ werden ganz aus dem Wortschatz gestrichen. Stattdessen wird aus dem Sarg eine Schatulle, diese auch selbst von den Familien der Kinder gestaltet werden können. Das gibt den Hinterbliebenen oft ein besseres Gefühl und lässt die Tragödie leichter verkraften, soweit das möglich ist. Bernd Boßmann versucht, die Eltern an Psychologen weiterzuleiten und kümmert sich hauptsächlich auch um die rechtlichen Verpflichtungen. Der ehemalige Schauspieler erzählt:“Ich wollte immer selbst Kinder, habe aber leider nie welche bekommen. Diese Arbeit mit den Eltern ist so etwas wie eine Erfüllung für mich. Daraus Profit zu schlagen wäre unmoralisch! Ich bin froh, dass ich helfen kann.“

von Melanie Köppel aus Berlin, am 07.01.2016

Bemerkenswert

„NEW YEAR- NEW ME“ BULLSHIT

Da nur wirklich hartgesottete Realisten sich heute Abend vor Mitternacht ins Bett verkriechen werden, weil es rein theoretisch doch nur ein „ganz normaler“ Tag ist, wird  jedenfalls der Rest der mitteleuropäischen Bevölkerung zur ziemlich gleichen Zeit unkontrolliert Alkohol zu sich führen. Während man also mit einem Sektglas in der Hand und einem gestörten Gleichgewichtssinn in irgendeinem Wohnzimmer sitzt, macht man sich doch Gedanken über seine mehr oder minder guten Neujahrsvorsätze. Und nachdem man schon beim zweiten Versuch, den Countdown runter zuzählen, bei fünf gescheitert ist, weil man seinen kompletten Inhalt des Glases auf den Teppich verschüttet hat, nimmt man sich vor, auch den gänzlichen Verzicht auf Alkohol in die lange Liste zu integrieren.

Die Hälfte der guten Gedanken hat man spätestens am 1. Januar des neuen Jahres verdrängt oder schlichtweg vergessen, weil man zu beschäftigt ist, sich selbst zu bemitleiden und man auf Google Begriffe eingibt wie „Kann man an einem Kater sterben?“ oder „Wie viele Gehirnzellen opfert man für eine Flasche Wodka?“. Kurzum: Die meisten Leute fühlen sich am ersten Tag des Jahres einfach nur beschissen. Es hilft auch nichts, wenn man schon am 30. Dezember trinkt, um aufgewärmt und vorbereitet zu sein. Denn dann fühlt man sich am Jahresanfang einfach so als müsste man jeden Moment einen Priester anrufen und um  die letzte Krankensalbung betteln, bevor man elendig zu Grunde geht.

Wer dann also den „schrecklichsten“ Tag des Jahres überlebt, die Wohnung und eventuell auch sich selbst wieder aufgeräumt hat, startet dann in die nächste, alljährliche Phase. Nämlich die Zeit, in der man noch SO motiviert ist, seine Pläne in die Realität umzusetzen. Ob man nun täglich Sport machen, sich gesünder ernähren, statt Koks nur mehr Weed konsumieren oder vielleicht einfach nur netter zu seinen Mitmenschen sein will: Spätestens im Februar  hat jeder den Hut geworfen und lebt sein altes, lahmes Verhaltensschema wieder in vollen Zügen aus.

Also für was sollte man sich nun wirklich Neujahrsvorsätze zurechtlegen, wenn man sich damit einfach nur selbst verwirrt und jemand ist, der man eigentlich gar nicht wirklich sein will?  Auch wenn ich mir in diesem Moment vornehmen würde, regelmäßig einen Blogpost nach dem anderen rauszuhauen, würde ich es schlicht und einfach nicht tun.

Auf diese Erkenntnis trinke ich jetzt auf mich, euch und alle verdrängten guten Vorsätze  der letzten Jahre.

Bis nächstes Jahr und einen guten Rausch!

Melanie

 

10 things about…

Viele BloggerInnen haben verschiedenste Rubriken und ordnen somit ihre Texte. Da ich grundsätzlich die metaphorische Ehefrau der Ordnung bin, gründe ich heute meine persönliche Rubrik „10 things about…“. Wie das ganze funktionieren wird, lässt sich schon am Namen erahnen, aber lest doch selbst! 🙂

10 Dinge, an die ich mich in Berlin nie gewöhnen werde

1.Kinder vor dem Supermarkt

Nein, ich rede nicht von dealenden  oder kiffenden Kindern vor Supermärkten. Ich rede von Kinderwägen (inklusive Baby on Board) vor den Supermärkten OHNE Mutter, Vater, Babysitter, Jugendamt oder sonstiger Aufsichtsperson. Vielleicht liegt es an meiner, für Berlin eher, konservativen Einstellung. Aber wer lässt den bitte sein Kind alleine neben den Einkaufswägen stehen und geht dann seelenruhig Lebensmittel shoppen? Gut, wahrscheinlich wird ein Kind selten in so einer Situation gekidnappt. Aber mir geht’s eben ums Prinzip. Ein Kind ist kein Hund!

2.Generell deutsche Supermärkte

Wenn wir schon bei deutschen Supermärkten sind, komm ich gleich zur verwirrenden Struktur. Verwirrend in dem Sinn, dass einige Supermärkte zum Beispiel Automatiktüren vor dem Kühlregalen haben. An sich ja keine schlechte Idee in puncto Umweltschutz und Ressourcenschonung. Aber warum sind dann diese Türen die Hälfte der Zeit einfach offen? Und warum verdammt kühlt ihr die Eier nicht, sondern lasst sie am besten ganz weit weg vom Kühlregal stehen? Wollt ihr, dass sie es kuschlig warm haben und dann Kücken schlüpfen oder was? Ich als Landei kann mit dem System nichts anfangen.

3.Das öffentliche Verkehrssystem

Auch wenn mich jetzt viele BerlinerInnen für verrückt erklären, aber das U- und S-Bahn Netz  ist schlichtweg das beste an Berlin überhaupt! Egal wo ich bin, wie spät es auch sein mag oder wie verwirrt ich auch oft bin: Irgendwie komme ich immer nach Hause! Als Kind vom Land schätzt man diesen Luxus sehr. Auch wenn man hier oft gerne in Versuchung kommt, einfach Samstag nachts zum Flughafen zu fahren und nach China zu fliegen. Ganz spontan. Einfach, weil man es kann.

4.Kinder in der Kita

Gut, ich bin schon wieder beim Thema Kinder angelangt, jedoch ist das am Prenzlauer Berg kein Wunder. Jedes zweite Haus ist hier prinzipiell eine Kita, ein Kindergarten oder eine Volksschule (dt. Grundschule). Die Kleinsten der Kleinen findet man hier in der Kita, wobei ich mich eben immer frage, wieso man ein Baby von 6 Monaten schon einen halben Tag abgeben möchte? Um ungestört Yoga machen zu können? Oder um den Friseurbesuch genießen zu können? Ja okay, ich stecke hier alle in einen Topf. Aber hey, ich finde euch immer noch besser als die Eltern, die ihre Kinder vor dem Supermarkt stehen lassen!

5.Bankautomaten

Anders als in Österreich kann man in Deutschland mit einer deutschen Bankkarte nicht bei einem beliebigen Bankautomat Geld abheben, ohne Gebühren zu bezahlen. Egal ob bei der Sparkasse, der Commerzbank, der Deutschen Bank oder wie sie sonst noch alle heißen, musst du bis zu 5 Euro bezahlen, wenn dein Girokonto bei einer anderen Bank angelegt worden ist. Im Grunde stell ich mir das so vor, dass es in jeder Bank einen Angestellten gibt, der nur dazu zuständig ist, diese Einzahlungen zu überwachen und dann laut durch das Büro schreit:“ Hey Leute, da hat wieder jemand bei uns Geld abgehoben.“

6. Menschen  beim Bäcker

Egal ob Anwalt, Mediziner oder Hartz-4 Empfänger: Sonntags beim Bäcker sieht man die meisten Leute in Pyjama, Bademantel oder sonstigem „Ich-bin-halt-gerade-aufgestanden“-Look. Als ich das zum ersten Mal gesehen habe, hatte ich Mitleid mit dem armen Mann, da ich dachte, seine Frau hat ihn ausgesperrt. Heute frage ich mich verwundert, was all diese Menschen wohl unter ihren Bademänteln tragen?! Scheiß Kopfkino.

7.“Redfreudigkeit“

BerlinerInnen  wird vorgeworfen, dass sie nicht gerade offen sind. Diese Vorwürfe dementiere ich im Sinne der Deutschen gerne, da ich prinzipiell jedes Mal in ein Gespräch verwickelt werde. Ob in der Schlange am Supermarkt, beim Warten im Bürgeramt oder manchmal einfach nur in der U-Bahn: Irgendjemand spricht immer mit mir. Wieso, werde ich nie verstehen, aber bitte entschuldigt mein verblüfftes Gesicht! Nein, ich habe keinen Herzinfarkt, sondern bin an solche Situationen schlichtweg nicht gewöhnt.

8. Nachbarn, die gerne feiern

Es ist kein Geheimnis, dass ich gerne unterwegs bin. Aber meine Nachbarn übertreiben es. Grundsätzlich jeden Mittwoch ist Partystimmung nebenan. Was sie genau feiern, weiß ich leider nicht! Sei es einfach der „Schnittwoch“, eine wöchentliche Verlobung oder irgendwelche Schlagerstars… nächstes Mal dreh ich Justin Bieber so laut auf, das eure Helene Fischer wortwörtlich ganz atemlos wird!

9. Mädls in High Heels

Hohe Schuhe sind toll und sehen einfach ästhetisch aus, darüber muss man nicht streiten. Aber ständig sehe ich Frauen, die tagsüber wie Cinderella über die Berliner Fußwege stolzieren. Wenn man weiß, dass diese Wege aus Pflastersteinen bestehen und ich oft nicht mal mit flachen Schuhen elegant und ohne stolpern gehen kann, haben High-Heels-Trägerinnen meinen höchsten Respekt verdient! Aber angeblich finden Männer tollpatschige Frauen laut Klatschzeitschriften süß. HERE I AM!

10. Die deutsche Sprache

So sehr ich mich bemühe und so sehr ich auch übe: Jedes Mal, wenn ich denke, dass ich es geschafft habe, wenigstens einigermaßen Akzentfrei zu sprechen, kommt jemand und meint:“ Och süß, woher kommst du denn?“ „Oachkatzlschwoaf!“, wird nächstes Mal meine Antwort sein.

Bis zum nächsten Blogpost!

Meli

Organization is my second name!

Leider bin ich  der Typ Mensch, der alles aufschiebt. Mit alles, meine ich wirklich ALLES!  Morgen auf Urlaub fliegen? Cool, da habe ich ja immerhin noch 8 Stunden, 3 Minuten und 42 Sekunden Zeit, meinen Koffer zu packen! In zwei Tagen eine große Prüfung? Geil, noch zwei Tage nichts tun und am Abend davor hektisch versuchen, sich mit zwei Red Bull ein fotografisches Gedächtnis anzueignen. 23. Dezember und noch immer keine Geschenke gekauft? Alle Jahre wieder, mehr fällt mir dazu nicht ein. Ihr merkt nun, was ich euch damit sagen möchte.

Jedenfalls funktioniert die Verachtung des realistischen Zeitverhältnisses nicht, wenn man umzieht. Ich habe alles wenigstens auf 5 Tage vor Start verschoben. Dadurch stürme ich derzeit durch das Haus wie Tine Wittler aus der Fernsehsendung „Einsatz in 4 Wänden“. Ihr wisst schon, die Blonde, die alles dekoriert. Tja, ich zerstöre eher. Dank RTL habe ich nicht nur eine verschobene Sicht auf Hartz4-Familien, sondern auch eine gestörte Wahrnehmung in puncto Umzug. Bei Tine sieht es immer so aus: Sie schnippt, das Haus ist perfekt und alles ist fein säuberlich verpackt. Ich schnippe und mir fliegt höchsten die Lampe auf den Kopf. Technisch begabt bin ich leider auch nicht. Während der liebe Gott die Talente verteilte, saß ich wahrscheinlich in irgendeinem Baumarkt fest und versuchte verzweifelt, 5 Umzugskartons auf einmal zu tragen. Das zählt heute noch zu einer meiner Lieblings-Freizeitbeschäftigungen. Direkt nach dem Staffellauf im Baumarkt, um wenigstens irgendjemand dort zu finden, der sich auskennt.

Übrigens noch eine weitere, amüsante Frage aus dem Archiv:

Wie willst du  alles in DAS Auto kriegen?

Mach dich nicht lächerlich, das ist doch nicht mein Auto. George Clooney holt mich. Keine Sorge, danach werde ich natürlich deinen Namen quer über sein Gesicht einblenden.

Bis zum nächsten Mal! Hoffentlich dann schon aus Berlin,

Melanie