Die Reise aus Aleppo

Du wachst auf, wie jeden Morgen. Du hast auch dieses Mal wieder schlecht geschlafen. Wie solltest du auch anders? Laute Schüsse und undefinierbarer Krach haben dich stündlich geweckt, aber du warst so müde, dass du danach trotzdem wieder einschlafen konntest.  Mittlerweile kannst du schließlich einschätzen, wie weit der Kampf von dir entfernt ist. Die Angst ist dein ständiger Begleiter! Ob du morgen noch Leben wirst? Fraglich. Obwohl dir kalt ist, musst du dich mit einer einzigen Decke zufriedengeben, welche du auf den Trümmern deiner Stadt bewohnst. Bei Minus 3 Grad Celsius draußen zu schlafen, wünscht du deinem schlimmsten Feind nicht. Aber du musst es tun, denn du hast keine andere Wahl. Zum Flüchten ist es nämlich zu spät…“

So stelle ich mir die derzeitige Situation im Osten Aleppos vor. Aber wer bin ich schon, um mir das wirklich vorstellen zu können? In Österreich aufgewachsen, in Deutschland wohnhaft: Als hätte mir schon jemals irgendetwas im Leben wirklich gefehlt. Stattdessen kann ich täglich Facebook-Videos von süßen Hunden anschauen, und mir danach ein paar Hass-Kommentare über Flüchtlinge durchlesen, währenddessen ich mich über die Rechtschreibung der Verfasser*innen lustig mache. Wenn es mir egal wäre, könnte ich auch jegliche Berichterstattungen ignorieren und mich stattdessen um das Allerwichtigste auf dieser Welt konzentrieren: Mein egozentrisches 0815-Leben in einem der reichsten Ländern der Welt.

Aber mir ist es schlussendlich nicht egal. Was anfangs noch mit friedlichen Demonstrationen gegen das Regime begonnen hatte, entwickelte sich über fünf Jahre  zu einem grausamen Bürgerkrieg. Unzählige Milizen und Fronten entstanden über die Jahre hinweg und bekämpfen sich nun weiterhin. Schlimmer noch: Auch andere Länder, wie unter anderem Russland und die USA, mischen sich in den Krieg ein. Warum man überhaupt kämpft? Anfangs ging es den Bürger*innen noch um ein soziales Gleichgewicht, denn durch Modernisierungsversuche der Wirtschaft hat sich die soziale Schere immer weiter geöffnet und das Verhältnis zwischen armen und reichen Leuten wurde unerträglich. Auch der Sicherheitsapparat Syriens, mit der der Staat durch Überwachung die Bevölkerung in Schach haltet, ist einer der Konfliktthemen. Das alles führte zu dem derzeitigen Krieg, unter dem nun sogar Zivilist*innen leiden müssen.

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©spiegel.de

Auch wenn ich die ganze Sache eben in einfachen Worten erklären konnte, traue ich mich nicht zu behaupten, dass ich auch nur im Ansatz verstehe, wie es den Menschen dort gerade geht. Ehrlich gesagt wüsste ich auch nicht, was ich selbst machen würde, während meine Heimat von Bomben zerstört wird. Würde ich flüchten? Oder standhaft mein zu Hause verteidigen? Ich weiß es wirklich nicht, und ich kann auch dankbar sein, dass mich die derzeitige Situation Europas nicht zu solchen Überlegungen zwingt.

Deshalb verstehe ich den Hass auf Menschen nicht, die vor dem Krieg flüchten. Niemand von uns weiß wirklich, wie es den Personen ergangen ist und was sie durchmachen mussten. Noch weniger verstehe ich es aber, dass Leute wirklich behaupten, dass der Großteil der flüchtenden Menschen nur aus Profit aus ist, und nicht vor dem Krieg flüchtet. Diese Aussage sollte man vielleicht zweimal, wenn nicht sogar dreimal überdenken. Spätestens nachdem man aktuelle Bilder von Aleppo gesehen hat, sollte man sich die Frage stellen, wie man sich selbst fühlen würde. Denn wenn wir heutzutage eines gut können, dann ist es mehr zu reden als zu denken!

Bis bald,

Melanie

US-Wahlen: Flüchtlingsansturm auf Europa

Seit den frühen Morgenstunden strömen tausende US-Flüchtlinge Richtung Europa. Grund dafür ist der neue Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump, der mit seinem überraschenden Sieg eine Massenpanik auslöste. 

„Ick hab kene Zeit. Ick bin völlig überfordert, dit sehen Sie ja!“, so ein Sicherheitsbeamter am Flughafen Berlin Tegel, der seit Stunden diverse Twitter-Accounts von ankommenden Flüchtlingen auf „Pro – Trump“- oder „Grab ‚em by the pussy“-Tweets untersucht. Bundeskanzlerin Merkel äußert sich, wie immer, dazu nur folgend: „Wir haben so vieles geschafft – wir schaffen das!“ Und hinter vorgehaltener Hand zu Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel: „Regel du das, ich muss schnell weg. Obama kommt auch, der hat über Google Earth gesehen, das im Kanzleramt wieder einmal total viel Dreck rumliegt.“

Auch in Österreich ist die Situation angespannt. Nicht nur tausende antibiotikaresistente Amerikaner, sondern auch hoher Besuch trudelt langsam ein. Neben Larissa Marolt und Christoph Waltz soll sich auch schon Arnold Schwarzenegger samt Familie und Haushälterin auf den Weg gemacht haben. Diese Information sorgte für helle Aufregung in der Wiener Hofburg, wo derzeit ein Krisengespräch zwischen den beiden Bundespräsidentschaftskandidaten Norbert Hofer und Alexander Van der Bellen stattfindet. „Jetzt, wo Herr Schwarzenegger wieder in Österreich ist, befürchten die beiden Kandidaten große Konkurrenz bei der kommenden Wahl. Daher planen sie eine Anfechtung. Nur für den Fall der Fälle!“, so ein Sprecher der Hofburg. Der Einzige, der der Situation freudig entgegenblickt, ist Richard Lugner. Ihn trifft die Redaktion vor dem BIPA in der Mariahilfer Straße: „Ei sink this is mei tschänz: Neva sej neva! Aber jetzt müssens mich gach entschuldigen, ich brauch noch einen Selbstbräuner.“

Während dem ganzen Chaos in Europa klingelte pausenlos das Telefon im Wiener Hofburgs Sekretariat, wo derzeit aber aufgrund der Ausnahmesituation nur Dauerpraktikant Bernd L. vertreten ist. „Der Herr Trump hat ständig angerufen, bis ich mal abgehoben hab. Der wollt wissen, bei welcher Firma wir unsere Wahlkarten drucken haben lassen. Er hat nämlich gehört, dass die auch einen super Zement produzieren. Ich kann net so gut Englisch, deshalb hab ich ihm auch net sagen können, des das garantiert nix wird. Soll sich sein Praktikant drum scheren, mir is des wurscht!“

Szczecin European Filmfestival 2016

Meine letzten sechs Tage kann ich mit einem Wort beschreiben: Lehrreich. Von „immer schön die Nase pudern bevor gedreht wird“ bis hin zu „flexibel und spontan ist die beste Vorbereitung“ war alles dabei.

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https://wordpress.com/post/elitale.wordpress.com/4228 © Szczecin European Film Festival

 

Aber ich will niemand mit vielen Worten langweilen, sondern zeige euch hier lieber einige der Ergebnisse.

 

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Um die Beiträge sehen zu können, müsst ihr nur auf die Links klicken, die ich euch unten aufliste. Einige Videos sind noch in Arbeit, also stay tuned!

Interview mit Tomasz Razek & Bartosz Wójcik und Start der „European Competition“ . Außerdem würde ich mich sehr freuen, wenn ihr bei Electronic News vorbeischaut. Nächste Woche gibt es dann wieder einen Text von mir zu lesen.

Bis dann,

Melanie

 

 

Drogen – Alltag in Berlin

„Ich werd doch nicht abhängig wie du. Ich hab mich total unter Kontrolle. Ich probier das mal, und dann ist Schluss.*“ Christiane F., mittlerweile bekannt unter ihrem vollen Namen Christiane Felscherinow, ging mit dem Buch „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ als eine der bekanntesten Drogensüchtigen in die deutsche Geschichte ein. Mit zwölf Jahren machte sie ihre ersten Erfahrungen mit Haschisch, mit dreizehn verfiel sie dem Heroin. Unvorstellbar, dass so ein junges Mädchen eiskalt in die Welt der Drogen eintaucht. Statt sich um Schminke und Klamotten zu sorgen, dreht es sich im Leben des süchtigen Mädchens um die ständige Beschaffung der Droge, die damit verbundene Prostitution und die Angst vor dem Turkey.

Laut einem Artikel des Tagesspiegel starben im Jahr 2015 1.226 Menschen am Rauschgiftkonsum. Die Haupttodesursache sei eine Überdosis an Heroin gewesen. Der „goldene Schuss“, wie man es auch nennt. Eine Zunahme des Konsums der harten Drogen lässt sich in den letzten Jahren verzeichnen. So gab es vergangenes Jahr 15 Prozent mehr erstauffällige Konsument*innen von Heroin. Dunkelziffer ungewiss.

Berlin gilt als Hauptstadt der Drogenszene und auch, wenn man mit Drogen nichts zu tun haben will, hat man es irgendwie trotzdem. Jeder kennt irgendjemand, der regelmäßig kifft oder auch zu härteren Drogen greift. Gefühlt werden dabei die Dealer immer jünger. „Hey, wanna buy drugs? Drogen? Weed?“- Hunderte Male wird man das täglich in Berlin gefragt. Es reicht, das Haus zu verlassen. Die Hotspots der Szene sind allerseits bekannt. Der Kotti, der Görlitzer Park oder die Revaler Straße sind längst keine Geheimtipps mehr. Der Rest erledigt sich von selbst.

Doch wie steht es um unsere Jugend? Ist der Fall von Christiane F. Schnee von gestern und nur ein Einzelbeispiel? Um Antworten auf meine Fragen zu bekommen habe ich bei den verschiedensten Suchtberatungsstellen Berlins angerufen. Schlussendlich landete ich bei Frederik Rühmann, Sozialarbeiter und Projektleiter bei Karuna. Bei Drugstop – Komma – Karuna handelt es sich um eine Suchberatung und Tageseinrichtung für drogenabhängige Jugendliche im Alter von 13 bis 27 Jahren. Die Beratung unterteilt sich in verschiedene Phasen, wobei die Hilfe individuell an den Jugendlichen angepasst wird.

Wie alt sind die meisten Kinder und Jugendlichen, die zu Ihnen in die Einrichtung kommen?

Der Großteil der Jugendlichen ist zwischen 16 und 21 Jahre alt. Wobei es natürlich auch jüngere Fälle gibt.

Welche Droge wird am häufigsten konsumiert?

Größtenteils Cannabis. Jedoch werden auch immer öfter härtere Drogen konsumiert.

Im dem Buch „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ gilt Heroin als DIE Droge. Hat sich das geändert?

Heroin ist immer noch ein großes Thema. Ich würde sogar behaupten, dass der Konsum in den letzten Jahren wieder zugenommen hat.

Wie finanzieren sich Jugendliche den Konsum?

Diese Suchtmittel sind alle sehr teuer. Hauptsächlich beginnen Jugendliche ihren Konsum durch Diebstahl, Betrug oder Überfälle zu finanzieren. Wenn das nicht mehr reicht spielt dann die Prostitution eine immer größere Rolle.

Also kann man hier vom typischen Straßenstrich ausgehen?

Auch, aber eher läuft die Prostitution sozusagen im Alltag. Über Beziehungen ergeben sich dann Freier. Es kommt auch vor, dass Dealer diese Situationen für Sex nutzen. Pädophile stellen auch manchmal ihre Wohnungen zur Verfügung, wo dann Kinder und Jugendliche vorbeikommen, um Drogen zu nehmen, zu spielen oder dort zu schlafen. Meist zieht sich so etwas über Jahre hinweg und schlussendlich kommt es dann zu sexuellen Handlungen.

Kommen dann die Jugendlichen selbst zu Ihnen und suchen Hilfe oder machen das grundsätzlich die Eltern?

Sowohl als auch.  Jedoch kommt aber auch oft das Jugendamt mit den Jugendlichen zu uns. Das ist von Fall zu Fall verschieden.

Wie viele schaffen die Therapie wirklich?

Da gibt es keine verlässlichen Zahlen. Zum einem ist die Entwöhnung ein langwieriger Prozess, wobei es hier immer viele Rückfälle und Abbrüche geben kann. Das soll aber nicht heißen, dass die Therapie dann kein Erfolg war. Gegebenenfalls benötigen die Jugendlichen viele Anläufe um drogenfrei zu sein. Vor Rückenfällen ist aber niemand geschützt.

Sind es wirklich immer Kinder und Jugendliche, die aus „Problemfamilien“ kommen? Oder sind es auch Jugendliche aus „guten“ Familienverhältnissen?

„Gute Familienverhältnisse“ muss man, wie Sie, unbedingt in Anführungszeichen setzten. Denn kein Jugendlicher entwickelt grundlos ein Suchtverhalten. Es sind auch Jugendliche dabei, die aus der sogenannten bürgerlichen Mitte stammen. Aber man weiß nie, was in den Familien vorgefallen ist. Deshalb, wie gesagt, grundlos entwickelt niemand ein Suchtverhalten.

Was war Ihr schlimmstes Erlebnis in Ihrer Arbeit als Suchtberater?

Ich darf natürlich keine Details erzählen. Jedoch kann ich sagen, dass es einige Jugendliche gibt, die es schaffen, und in ein normales Leben zurückfinden. Umso trauriger ist es für mich, wenn einige junge Menschen es nicht schaffen, und sich das Leben nehmen. Das ist besonders tragisch, weil man in jedem Jugendlichen Hoffnung hat.

Bei meiner letzten Frage hat sich Frederik Rühmann etwas mehr Zeit gelassen, um die passende Antwort zu finden. Kein einfacher Job, wenn man täglich mit dem Schicksal junger Drogenabhängiger konfrontiert ist. Vor allem dann, wenn die Droge den Kampf gewonnen hat.

Bis zum nächsten Blog,

Melanie

*“Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“: Christiane F. zu einem befreundeten Fixer, kurz bevor sie zum ersten Mal Heroin konsumierte (S.82)

Playboy einmal anders

Kontrovers. Das ist das passende Wort. Sich als Hidschab tragende Muslima in einem beliebten Männermagazin ablichten zu lassen, erfordert definitiv Mut. Und passt natürlich gar nicht in das Bild einer Gläubigen. Die Journalistin Noor Tagouri hat es trotzdem getan und wird dafür gefeiert, aber auch hart kritisiert. „Schlampe“ und „Hure“ sind noch die nettesten Ausdrücke, die Tagouri für ihre Aktion erntete. Verständlicherweise kamen diese Äußerungen von konservativen Muslim*innen. Aber auch Frauenrechtsaktivist*innen übten harte Kritik an den Bildern, denn schließlich gebe es auch Frauen, die dazu gezwungen werden, ein Kopftuch zu tragen.

So wie es aussieht, hat sich in unseren Köpfen ein schematisches Denken eingenistet, welches nur schwarz oder weiß erlaubt.  Der Playboy steht, auch trotz Interviews und Geschichten, für Nacktheit und kann einem das Gefühl vermitteln, dass Frauen genau auf das reduziert werden. Jedoch hat sich das Blatt gewendet, denn seit dem Herbst 2015 werden keine nackten Bunnys mehr in den amerikanischen Ausgaben abgedruckt. „Die Zeiten ändern sich“, hieß es damals kurz und knapp. Also warum sollte man dann keine Hidschab tragenden Muslima in einer Ausgabe zu sehen bekommen?

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Noor Tagouri auf ihrer Instagram-Seite. ©Noor Tagouri

 

Noor Tagouri erscheint im Playboy in der Serie „Renegade“, also zu Deutsch „Abtrünnige“. In der Rubrik geht es um Menschen, „die alles – sogar ihr Leben – riskiert haben, um das zu tun, was sie lieben“. Das Ziel der Journalistin ist es, eine erfolgreiche Reporterin zu werden. Trotz oder eben gerade mit Hischab. Mit ihren 22 Jahren hat die junge Amerikanerin mit libanesischen Wurzeln schon so einiges erreicht. Highschool-Abschluss mit 16 und Universitäts-Abschluss mit 20: Um ihren Traum näher zu kommen hat Noor Tagouri keine Zeit verschwendet. Im Moment arbeitet sie für die Nachrichenwebsite „Newsy“ und steht kurz davor, eine eigene Nachrichtensendung zu präsentieren.

Schenkt man einer Studie der Ökonomin Doris Weichselbaumer glauben, gleicht der berufliche Erfolg der jungen Journalistin einem Wunder. Wie Der Standard berichtete, haben Frauen mit Kopftuch schlechtere Jobchancen und werden am Arbeitsmarkt regelrecht diskriminiert. Jedenfalls in Deutschland und Österreich. Doch vielleicht ist genau diese „Einzigartigkeit“ ausschlaggebend für den Erfolg von Tagouri in der Medienbranche. Was nicht heißen soll, dass es ihr besonders leicht gemacht wird. Auf viele Interview-Anfragen bekommt sie Antworten wie: „Mit Leuten wie dir rede ich nicht.“

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Noor Tagouri auf ihrer Instagram-Seite. © Noor Tagouri

Vielleicht sorgen  Noor Tagouris Bilder  im Playboy doch für ein kleine Revolution in den Köpfen der Leute. Denn die Fähigkeiten einer Person beschränken sich nie auf äußere Erscheinungsmerkmale. Wie dem auch so, egal ob nun im Playboy oder als Nachrichtensprecherin: Ihr hübsches Gesicht und ihre positive Ausstrahlung können sich auf alle Fälle sehen lassen. Daran ändert ein Kopftuch nichts.

Bis bald,

Melanie

Tinderella meets Shrek

Klischees sollte man eigentlich nicht unterstützen. Als ich aber vor ein paar Tagen via Facebook meine Freund*innen gebeten habe, mir ihre lustigsten Dating-App-Konversationen zu senden, trudelten die Nachrichten von Frauen nur so ein. Schämt euch, ihr in der Männerwelt! Wenn das eure Mutter lesen könnte, was manche von euch an potenzielle Weibchen übermitteln. Aber eines muss man euch lassen, ihr seid oft wahnsinnig kreativ…

10 lustige Dating-App-Fails

 

1. Der Mitteilungsbedürftige

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Also du willst damit jetzt sagen, dass du sportlich, beruflich erfolgreich und beliebt bist? Gratuliere! Ach, und danke für die netten Grüße!

2. Der Flirtprofi

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Flirten, kann er!

 

3. Der Poet

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Kleines Gedicht dazu:

Manchmal würde ich gerne schreien,

doch dann lass ich es lieber sein.

Das ist ungefähr so wie mit dir,

hätt‘ ich doch besser geöffnet ein Bier.

4. Der Ehrliche

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         Diese Dating-App erinnert sogar daran, dass man etwas Nettes schreiben soll. Wie fortschrittlich!

 

5. Die Celebrity-Taktik

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             Ob Jennifer Aniston gerade die selbe Konversation mit Brad Pitt führt?

 

6. Der Bildungsresistente

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Wenn er sich nicht einmal die Mühe macht, ein Satzzeichen zu setzen…

 

7. Der Unkomplizierte

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Er weiß jetzt, wie es nicht geht.

 

8. Der Psycho

 

Es gestaltet sich schwer, in Frieden vegan zu leben..

 

9. Mr. Grey
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Klingt wahrscheinlich auch nur im Film so normal, weil er Millionär ist.

 

10.Der, der nicht aufgeben will

Danke Tinder für die tolle GIF-Funktion!

Wenn ich das so lese, würde ich gerne die Marktlücke schließen, und „Tinder-Benimmkurse“ anbieten. Aber die Idee wurde mir natürlich schon gestohlen, bevor ich sie überhaupt selbst hatte. Wer Tipps braucht, kann sich  an Horst Wenzel und seine „FlirtUniversity“ wenden, denn der weiß (angeblich), wie es geht!

Bis bald,

Melanie

Verschiebung der Bundespräsidentenwahl: Wahlkartenpanne durch kranken Praktikanten

Tragische Szenen ereigneten sich heute Vormittag in Wien: Ein Anruf des derzeitigen Hofburgpraktikanten Bernd L. hat die Verschiebung der Bundespräsidentenwahl ausgelöst. Tausende Wahlkarten, die der junge BWL-Student in den letzten Wochen geklebt hatte, haben ihn massive gesundheitliche Probleme bereitet. Von Überforderung sei die Rede gewesen, ein ärztliches Attest bestätigt nun aber das Schlimmste.

Laut dem Landeshauptmann von Wien, Michael Häupl, sei der junge Bernd ein „sehr korrekter Bua“. Bei seinen wöchentlichen Besuchen in der Hofburg wurde Häupl immer mit einem Spritzwein empfangen. „Mein Spritzwein mischt er immer gut, da darf i mi net beschweren. Aber der soll sie net anscheißen, muss eh immer nur bis Mittwoch arbeiten. Hätt er halt Lehramt studieren müssen!“, so Häupl.

Diese Sticheleien wollte Bernd L. nicht auf sich sitzen lassen und äußerte sich dazu in einem Exklusiv-Interview: „Wissen’s, als ich angefangen hab, war des ein locker Hacken. Ein bisserl Kaffee kochen, ab und an einen Spritzwein mischen und manchmal hab ich halt mit’n Café Sacher telefoniert, damit die einen Kuchen vorbeibringen.“ Diese Zeiten sind laut Hofburgpraktikant nun vorbei, ein Defekt in der Wahlkartenproduktionsfirma sei die Ursache. „Seit drei Wochen sitzt ich nur mehr da und hab Wahlkarten mit UHU zusammenpickt. Bei der Arbeit musst ja deppert werden! Aber anstatt g’scheiten Wahlkarten haben sie halt lieber Wahlwerbung gemacht. Irgendwo muss man halt sparen…“, kritisiert Bernd L. Auf die Frage, warum er das allein machen musste, erklärte der Praktikant: „Vor der ersten Wahl waren wir eh noch zu zweit, aber die andere Praktikantin haben’s aufgrund der Sparmaßnahmen kündigen müssen. Der Herr Hofer hat zu ihr nur gemeint, dass sie sich nix antun soll, weil er wird eh Präsident und dann hat sie ihren fixen Platz in der Kuchl‘ dahoam.“

Die strapazierende Situation für den Praktikanten in der Hofburg belastete ihn über Wochen hinweg. Heute früh zog Bernd L. dann einen Schlussstrich:“ Ich hab’s net mehr ausgehalten und bin heut Vormittag zum Arzt gegangen. Der hat mich untersucht und dann auch sofort krankgeschrieben. Die psychische Überlastung sieht er nur als kleineres Problem, beim Abhorchen hat der Arzt fast zum Weinen angefangen. Ich hab halt immer gedacht, dass meine Beschwerden von der frischen Farbe an der Wand in der Hofburg kommen. Der Herr Fischer hat ja ausmalen müssen, bevor er gegangen ist.“ Doch nun die tragische Diagnose: Raucherhusten. „Wissen’s, dabei rauch ich net einmal. Aber wenn der Herr Van da Bellen zweimal am Tag vorbeikommt, kann ich auch net immer lüften!“

Voraussichtlich ist Bernd L. nun drei Wochen im Krankenstand und will sich in der Zeit aber nicht auf die faule Haut legen. „Ich hab meine alten Panini-Sammelhefte von der EM ausgegraben, und da werd ich alle Österreicher wieder rausreißen und nochmal mit UHU ankleben. Ich darf ja nix verlernen“, so der Praktikant. „Nur was mich halt a bisserl anzipft ist, dass mir niemand eine gute Besserung gewünscht hat, außer der Herr Van der Bellen.“

Der Bundespräsidentschaftskandiat Alexander Van der Bellen habe Bernd L. ein Päckchen zukommen lassen, in dem eine Stange Marlboro war und einen handgeschriebenen Brief mit den Worten: „Tua net so deppat! Ich rauche schon über 50 Jahre und mehr als grün bin ich halt auch net worden.“

Bundespräsidentschaftkanditat Norbert Hofer sieht die ganze Sache gelassen: „Wir können den ganzen Spaß von mir aus noch 10 Jahre ausizögern, solange alles mit rechten Dingen zugeht!“

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache ist weniger erfreut:“ Das ärztliche Attest des Bernd L. wird definitv angefochten!“ Laut geheimer Quelle sei der Arzt nämlich Vorarlberger und müsste so als Ausländer erst einmal richtig Deutsch lernen.

Ein ganzes Jahrhundert

1922-Fasziniert starre ich noch immer auf die Jahreszahl. Zweimal rechne ich, um mir wirklich sicher zu sein. Im Oktober 2016 wird Anton Plattner 94 Jahre alt. 94 Jahre voller Arbeit und Angst, aber auch voller Glück und Dankbarkeit. Auf dieses Leben zurückzublicken gleicht einer Märchenstunde. Ein Märchen, welches ein gutes Ende nehmen durfte…

Von der Nachkriegszeit in den nächsten Krieg

Als drittes von neun Kindern wurde Anton Plattner 1922 in Terlan, einem Dorf in Südtirol, geboren. Der erste Weltkrieg liegt nur einige Jahre zurück, die Italianisierung ist im vollem Gange. In der Schule und in der Öffentlichkeit wurde nur Italienisch gesprochen, Deutsch war verboten. „Mein Vater hätt‘ uns aber bei den Ohren gezogen, wenn wir daheim nicht Deutsch gesprochen hätten“, so Plattner.

Im Jahre 1935, mit 13 Jahren, wurde Anton Plattner von zu Hause weggeschickt, um beim Hof des Großbauern Kroaner zu arbeiten. Als siebtes und damit auch fremdes Kind in der Familie hieß es oft: „Bua tu dies, Bua tu das.“ Aber trotz der vielen Arbeit auf der Landwirtschaft war es der Bäuerin wichtig, dass die Lernerfolge in der Schule stimmten. So verfolgte Anton Plattner einen Alltag über Jahre hinweg, der sich aus Schulbildung und Arbeit zusammensetzte. Eine Bezahlung für das Schuften gab es nicht, lediglich Kost und Quartier wurden geboten, sowie die getragene Kleidung der älteren Kinder am Hof. Gern erinnert sich Anton Plattner noch an ein besonderes Ereignis zurück: „Einmal wurde mir ein ganz neuer Anzug mit soliden Schuhen gekauft. Ich fühlte mich damals wie ein richtiger Gentleman!“

Der Beginn einer langen Reise

Im Mai 1939 wurde die Bevölkerung Südtirols vor die Wahl gestellt: Entweder man entschied sich für das Deutsche Reich oder man bleibt ohne ethnischen Minderheitsschutz in der Heimat unter der Führung Mussolinis. Herr Plattner durfte im Alter von 17 Jahren noch nicht für sich selbst entscheiden, so wurde er mit seiner Familie nach Österreich gebracht. „Ich wäre nicht nach Österreich gegangen. Ich hatte am Bauernhof alles und ich konnte alles. Aber im Konsulat wurde bestimmt, dass ich mit meinen Eltern mitgehen muss. Mein Vater hat sich für Hitler und das Deutsche Reich entschieden. Die Bauersleute, bei denen ich arbeitete, stimmten für Mussolini und blieben in Italien. Verständlich, bei diesem schönen Besitz“, erklärt Plattner.

Die Reise der Familie Plattner in die neue Heimat Kainach in der Steiermark dauerte eine Woche. Der Vater hatte Verwandte in Graz und gab die Steiermark als sein Wunschziel in Österreich an. Dort angekommen schickte man Anton Plattner mit seinem Bruder Martin zum Arbeitsamt. Den jungen Männern wurde erklärt, dass sie sowieso in den Krieg eingezogen werden. Wer sich aber freiwillig für die Wehrmacht meldete, wurden sowohl Wohnung auch als Arbeit nach dem Krieg versprochen. „Am 10. August 1940 war meine Musterung und am 1. Februar 1941 wurde ich der Deutschen Wehrmacht übergeben. Es ging alles sehr schnell!“, erinnert sich Anton Plattner.

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Anton Plattner zu Hause in Kainach. ©Melanie Köppel

Das Interview

Anton Plattners Geschichte faszinierte mich von Anfang an. Umso mehr freut es mich, dass ich ihn und seine Frau Ella besuchen durfte. Mit einer Flasche Wein in der Tasche klingelte ich also an seiner Haustür. „Die Schuhe kannst‘ gern anlassen, ich bin der Hausmann“, begrüßte er mich fröhlich und ich folgte ihm in die Küche, wo auch seine Ehefrau schon wartete. „Da werd‘ ich auf meine alten Tag nochmal rauschig!“, schmunzelte er, als ich ihm die Flasche Wein gab und unser Gespräch konnte beginnen…

Sie sind Zweisprachig aufgewachsen, aber dann mit 17 nach Österreich gekommen. Haben Sie Italienisch jemals wieder gebraucht? Können Sie es noch?

, sì signorina, parlo italiano! (lacht) Aber gebraucht habe ich es eigentlich nicht mehr. In der Gefangenschaft in Amerika habe ich dann noch etwas Englisch gelernt. Nach dem Arbeiten mussten wir immer eine Stunde lernen, aber im Schreiben war ich ganz schlecht. I speak no English! (lacht)

Was war ihr schlimmstes Erlebnis als Soldat? Wenn man überhaupt ein einziges als Schlimmstes definieren kann.

Wir Soldaten wurden in zwei Truppentransporter eingeschifft: Einmal der Transporter „Donau“, in dem ich war und der zweite hieß „Ibizzia Laura“. Am fünften Tag dieser Schiffsfahrt wurden wir auf offener See in der Nähe von Kirkenes (Norwegen) von Torpedos der Engländer getroffen. Es war der 30. August 1941 gegen 17:30 Uhr, als die „Donau“ angegriffen wurde, sofort in der Mitte brach und innerhalb drei Minuten versank. Ich war mit meinem Kameraden Bertl Plank im ersten Deck in der Nähe der Treppe. Die Schwimmwesten hatten wir als Kopfkissen für unser Nachtlager benutzt und in meinem Schrecken hatte ich die einfach liegen gelassen. Das Schlimmste an dieser Situation war, dass ich nicht schwimmen kann. Ich traute mich nicht, einfach ins Meer zu springen und die Rettungsboote waren alle demoliert…

Sind Sie trotzdem gesprungen?

Nein, ich glitt an einem Seil ins Wasser, weil die Kameraden von oben drängten. Verständlich, wir hatten auch nicht viel Zeit. Ich habe auch sofort Wasser geschluckt und wurde in die Tiefe gezogen. Das Nächste, an das ich mich erinnern kann, ist, dass mich ein Kamerad im Schwitzkasten, und mir regelmäßig mit voller Wucht auf den Kopf geschlagen hatte. Ich hatte so viel Salzwasser geschluckt, allein daran hätt‘ ich sterben können. Der Kamerad trug eine Schwimmweste und schrie die ganze Zeit: „Gib Ruh‘, gib Ruh‘!“ Ich kann mich heute noch an die Rufe der verzweifelten Soldaten im Wasser erinnern. Mein unglaubliches Glück war, dass ich nach einer halben Stunde im Wasser auf ein Kriegsschiff von unserem Verband von ein paar Matrosen hochgetragen wurde. Bertl wurde auch gerettet und wir sind uns um den Hals gefallen, als wir uns wiedergesehen haben.

Frau Plattner, die auch am Tisch sitzt und gespannt zuhörte, fragte mich kurz, wie mein Nachname lautet. „Schau, du hasts auch nicht mehr g’wusst“, sagte sie zu ihrem Mann. „Wennst du 100 Jahr alt bist, vergisst halt auch mal was!“, entgegnete dieser nur lächelnd. Das holte mich kurz wieder in die Gegenwart zurück, denn beim Erzählen wirkt Herr Plattner nicht wie fast 100…

Wie viele Kameraden haben diesen Angriff nicht überlebt?

Von den 1000 Kameraden, die am Schiff waren, haben es 600 nicht geschafft. Ich hatte bei dem Unglück Gott „angerufen“ und versprochen, dass ich jeden Sonntag in die Kirche geh‘, wenn ich das überlebe. Ich bin so dankbar, dass ich das überstanden hab‘. Mein Versprechen habe ich gehalten, jedoch, wenn ich es manchmal nicht mehr in die Kirche schaffe, dann höre ich die Messe im Radio.

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Anton Plattner hat seine Erinnerungen selbst niedergeschrieben. ©Melanie Köppel

Wurden Sie während des Krieges jemals krank?

In Russland hat mich die Gelbsucht erwischt. „Oh, weg weg, sonst krieg‘ ma alle die Gelbsucht!“, hat der Arzt damals gerufen und mich in ein Not-Lazarett nach Witebsk (Weißrussland) verwiesen. Da waren schon mindestens 20 Soldaten mit Gelbsucht und auch Verwundete.  Links lagen die Männer mit Gelbsucht und rechts die Verwundeten. Nach ein paar Wochen kam ich in das Heimatlazarett nach Warschau. Innerhalb vier Monaten war ich wieder geheilt. Medikamente oder Ähnliches gab es nicht, also musste sich mein Körper von allein erholen.

Wie ging es weiter?

Nachdem ich 10 Tage Heimaturlaub erhielt und danach zurückmusste, meldete ich mich freiwillig, um in Afrika einzuziehen. Mir wurde bewusst, dass ich aus Russland nie mehr lebend heimkommen würde, da ich sehr schwach war. Der Weg nach Afrika war schon sehr anstrengend.  Habidere, da hatte ich schon das Gefühl, dass das alles nicht gut gehen wird. Mit dem Güterzug ging es durch Italien bis nach Sizilien, danach mit dem Flugzeug weiter nach Tunis. Eigentlich wollten wir nach Tripolis, aber da in dieser Gegend die Engländer kämpften, waren wir schon beim Eintreffen zum Rückzug gezwungen. Am 11. Mai 1943 gegen 10:30 Uhr haben uns die Amerikaner schlussendlich in Gefangenschaft genommen.

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Die Route, die Anton Plattner während des Krieges zurücklegte. ©Anton Plattner

Wie haben Sie kommuniziert? Englisch haben Sie doch erst in Amerika gelernt…

In jedem LKW der Amerikaner war mindestens ein Deutschsprachiger. Der hat uns erklärt, wie wir uns verhalten sollen. Das war auch meine Gewissheit, dass es jetzt aus ist. „Wenn einer was tut, dann erschießen wir euch alle!“, hat der immer wieder gerufen. Dann wurden wir alle auf einen LKW verladen und Richtung Durchgangslager gebracht. Lager ist übertrieben, denn eigentlich wurden wir nur von einem Stacheldrahtzaun umrundet, an dem hunderte Schwarze mit Maschinengewehren standen. An diesem Tag hab ich zum ersten Mal einen Schwarzen gesehen!  Wilde Burschen waren das. Am nächsten Tag haben wir dann alle eine Gefangenennummer um den Hals bekommen. Ich hatte die 46500, bei den Zehner-Zahlen bin ich mir unsicher. Mit dieser Nummer haben wir dann zwei Packerl Kekse, etwas Dosenfleisch und eine Flasche Zitronenwasser bekommen.

Wann kamen Sie dann endgültig nach Amerika?

Am 14. August 1943 wurde ich in New York eingeschifft, danach ging es weiter nach Alabama, wo wir am 27. August mit dem Zug eintrafen. Dort wurde ich wieder in ein Lager gebracht, welches wirklich schön und sauber war. In dem Lager mussten wir alle 10 Stunden täglich arbeiten. Im Sommer bei der Erdnussernte, im Winter im Holzschlag, wo wir Telegrafenmasten stockten. Wenn wir bei der Erdnussernte nicht gebraucht wurden, wurden wir im Steinbruch eingesetzt. Ich kann mit der Gabel umgehen, also war die Erdnussernte für mich eine leichte Aufgabe, denn man macht das wie bei den Heuhiefler. Einmal war ich mit meinen Kameraden schon mit 25 Hiefler fertig, da kam unser Chef in einem weißen Cadillac. Das war ein Auto! Der versprach uns Coca-Cola und eine Tafel Schokolade, wenn wir noch weiterarbeiten würden. Innerhalb einer Stunde war er zurück und wirklich jeder bekam etwas. „Good boys, good boys!“, hat er dann immer gerufen. Das war mein erstes Cola in meinem Leben!

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Als Kriegsgefangener in den Vereinigten Staaten. ©Anton Plattner

Wann sind Sie dann wieder nach Hause gekommen?

Der Krieg dauerte bis zum 8. Mai 1945, da  durften wir aber noch nicht heim, da uns gesagt wurde, das es zu Hause nichts zum Essen gibt. Erst im April 1946 wurde ich nach Liverpool gebracht. Dort musste ich Putzarbeit und Straßenreinigungen erledigen. Wir dachten alle, dass wir sofort nach Hause konnten, aber wir durften noch nicht. Mitte Mai hieß es dann plötzlich: Wer Österreicher ist, soll sich am nächsten Tag sofort in der Schreibstube melden. Die Freude war so groß als ich erfuhr, dass ich endlich heim darf. Die Reise bis in die Steiermark dauerte bis 19. Juli 1946, wo ich im Entlassungslager in Feistritz eine Fahrkarte und 50 Schilling Wegzehrung erhielt.  Am 20. Juli kam ich endlich in Kainach an und meine Reise hatte ein Ende.

Haben Sie Ihren Kameraden, den Bertl Plank, wiedergesehen?

Ja, unsere Wege haben sich nach Russland getrennt, aber wir haben uns dann nach dem Krieg wiedergetroffen. Da war ich ihn besuchen und hab ihn zum Essen eingeladen. Den hat’s viel schlechter erwischt als mich. Er war in Gefangenschaft in Jugoslawien, also im heutigen Slowenien. Den ganzen Tag hat er nur Wasser und Brot gekriegt, da hab‘ ich dagegen wirklich gut gelebt.

Nach guten drei Stunden in der gemütlichen Küche der Familie Plattner wurde es für mich an der Zeit zu gehen. Doch eine letzte Frage kam mir noch auf:

Was sagen Sie denn heute darüber?

Ich hoff‘, dass so ein Blödsinn nicht nochmal passiert! Irgendwann müssen die Leut‘ ja gescheiter werden…

Irgendwann, hoffentlich.

Eure Melanie

Die Woche der Umwelt 2016

Am 7. und 8. Juni fand die diesjährige Woche der Umwelt statt. Im Garten des Schloss Bellevue, dem Sitz des deutschen Bundespräsidenten Joachim Gaucks, präsentierten knapp 200 Aussteller*innen ihre Ideen und Innovationen zu den Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Für mich war es  natürlich eine große Ehre, hier dabei zu sein. Aber seht am besten selbst:

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Hier geht’s zum Video: Woche der Umwelt

 

 

Bis bald,

Melanie

Thomas Weber – Vom Fernseher zum Interview

Wenn er durch die Herrengasse in Graz spaziert, wird er ständig angesprochen und um Fotos gebeten. Der 35-jährige Steirer ist aber keinesfalls ein bekannter Popstar. Thomas Weber ist seit 2015 Moderator der Tagesnachrichten „Steiermark heute“. Was ihm so daran gefällt und wie man sich als „der Mann aus dem Fernseher“ fühlt, hat der Wahl-Grazer mir ganz persönlich erzählt:

Ein freundliches „Hallo Melanie, hier ist Thomas Weber“ hallt mir aus meinem Telefonlautsprecher entgegen. Ich selbst sitze in einem kleinen Raum meiner Universität und bin ziemlich nervös. Schließlich telefoniere ich mit einem der bekanntesten Gesichter der Steiermark. Journalismus ist das, was uns verbindet. Was er schon erreicht hat, liegt für viele in der Branche noch in ferner Zukunft. Ob London, Prag oder die alltägliche Arbeit im Landesstudio der Steiermark: Der Terminkalender des jungen Steirers ist randvoll. Eine Sportverletzung am Bein beschert ihm aber eine unfreiwillige Pause. „Ich liege hier gerade ganz bequem und habe meinen Fuß hochgelagert“, für mich das Stichwort, um loszulegen.

Die Karriere in der Medienbranche hat damals mit einem Praktikum bei dem Radiosender „Antenne Steiermark“ begonnen. Wie kam es dazu, dass Sie danach Politikwissenschaften studiert haben?

Ich wollte schon immer ein Studium machen und hatte das in meiner Lebensplanung drin. Irgendwie bin ich dann aber in den Medienjob „reingerutscht“. In den Sommerferien zwischen der 7. und 8. Klasse* habe ich ein Praktikum bei der „Antenne“ gemacht. Nach der Matura habe ich das Studium auf Eis gelegt und bin dann als Reporter zur „Antenne“ zurück. Mit fast 23 Jahren kam dann der Punkt, an dem ich mir gedacht habe: „Wenn du jetzt kein Studium mehr machst, wirst du nie mehr eines machen.“ Also habe ich bei der „Antenne“ gekündigt, weil ich wusste, dass sich in diesem Fall der Job nicht mit dem Studium vereinbaren lässt. Nach einem abgebrochenen BWL- und JUS-Studium in Graz bin ich schlussendlich nach Wien und habe dort meinen Magister in Politikwissenschaften gemacht. Dieses Fach hat mich einfach am meisten interessiert!

Nach dem Studium waren Sie in München als Jungredakteur bei „ProSieben“. Warum kommt man danach wieder zurück in die Steiermark?

Nach dem Studium war ich viel unterwegs, aber ich muss gestehen, nach meinen ersten drei Wochen in München hatte ich richtig Heimweh. Ich habe einfach alles vermisst und bin dann relativ rasch zurück in die Steiermark, auch weil ich wusste, dass es eventuell eine Chance gibt, beim Österreichischen Rundfunk (ORF) anfangen zu können.

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Der gebürtige Weststeirer liebt seine Heimat. © Thomas Weber

 

Also ist die Arbeit beim ORF schon von Anfang an der Traumberuf gewesen?

Nein, das würde ich nicht so sagen. Ich habe schon früh gewusst, dass ich später im Medienbereich arbeiten will. Ob das nun im Radio, bei der Zeitung oder im Fernsehen sein soll, war mir damals nicht wirklich bewusst. Zum ORF speziell wollte ich nie. Es ist kein Geheimnis, dass der ORF der größte Medienanbieter Österreichs ist. Also wenn sich die Chance ergibt, dass man im ORF in verschiedensten Bereichen arbeiten darf, würde ich das dann schon als Traumjob bezeichnen.

Seit Juni 2015 sind Sie nun sogar Moderator für „Steiermark heute“. Wie fühlt es sich an, ein bekanntes „Fernseh-Gesicht“ zu sein?

Unwirklich! (lacht) Nein, also ich arbeite bald 10 Jahre beim ORF und bin dort Teil des Teams. Als dann 2015 ein Moderator gesucht wurde, war das irgendwie die Erfüllung des Traums, den man als Journalist anstrebt. Wenn man dann wirklich nicht um 19 Uhr nach Hause geht, sondern im Hauptabendprogramm moderiert, kann man sich davor gar nicht vorstellen, welche Aufmerksamkeit man geschenkt bekommt. Oft höre ich auf der Straße „Schau, UNSER Nachrichtensprecher!“ und über solche Rückmeldungen freue ich mich doch sehr. Ob nun real oder virtuell über die sozialen Medien: Ich trete sehr gerne in Kontakt mit den Zuseherinnen und Zusehern. Mich nervt so etwas nicht, im Gegenteil, ich freue mich sehr darüber, angesprochen zu werden.

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Zuvor schon beim ORF, jedoch seit Juni 2015 Moderator von „Steiermark heute“.                                        © Thomas Weber

Stichwort soziale Medien: Auf Ihrer Facebook-Seite tummeln sich mehr als 7000 FollowerInnen. Hand aufs Herz, googelt man sich da auch manchmal selbst, um zu wissen, was so geschrieben wird?

Nein, noch nie! Auf diese Idee wäre ich ganz ehrlich gesagt noch nie gekommen. (lacht) Meistens weiß man schon vorher, wenn irgendein Artikel geschrieben wird. Aber als Journalist ist man schon viel im Internet unterwegs, einfach um „Up-to-Date“ zu sein und wirkliche wichtige Nachrichten mitzubekommen. Mich selbst zu googeln würde für mich aber keinen Sinn ergeben!

Aber nun zurück zum Thema Facebook: Hauptsächlich sieht man dort Fotos von der Arbeit oder vom Sport. Ist der Sport nur eine lästige Tätigkeit, weil man als Moderator fit bleiben muss oder macht das Ganze schon Spaß?

Da kann ich nur meine Standardantwort auspacken und sagen, dass ich einer der wenigen Menschen bin, denen Sport überhaupt keinen Spaß macht. Ich habe auch nicht die Glückshormonausschüttung danach. (lacht) Laufen ist für mich nur Mittel zum Zweck, um fit zu bleiben und meine Figur zu halten. Deshalb mache ich vier bis fünf Mal pro Woche Sport, aber das wäre auch schon wieder der einzige Grund. Wenn es eine Möglichkeit gäbe, fit und gesund zu bleiben, ohne Sport zu machen, wäre ich sofort dabei!

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                Regelmäßig wird fleißig trainiert.                       ©Thomas Weber

Nun eine wirklich wichtige Frage: Wiener Schnitzel oder Kaiserschmarren?

Wiener Schnitzel!!! Ich bin der Parade-Österreicher, der von Zeit zu Zeit sein Wiener Schnitzel braucht. Immer wenn ich zu meinen Eltern fahre, dann gibt es eines. Ich liebe Wiener Schnitzel!

Bei der Mama ist es am besten oder?

Ja, sicher! (lacht)

In einem Interview im September 2015 haben Sie gesagt, dass Sie bis zu 5 Liebesbriefe pro Tag bekommen. Ist das heute auch noch so?

Nein, leider! (lacht) Aber man muss sich das sowieso ganz anders vorstellen als es in diesem Interview dargestellt wurde. Wir leben im Jahr 2016 und da ist so ein handgeschriebener Liebesbrief eine echte Seltenheit. Also wenn, dann bekomme ich diverse Facebook-Nachrichten von Frauen, in denen steht, wie süß ich doch bin oder dass diese Damen mich Kennenlernen möchten. Meistens werde ich auch gefragt, ob ich der aus dem Fernseher bin und ob man nicht weiter über WhatsApp schreiben will. Das beschränkt sich aber auf maximal vier bis fünf Nachrichten pro Woche.

Haben Sie ihre große Liebe dann schon gefunden oder lässt die noch auf sich warten?

Die lässt noch auf sich warten! Sagen wir so, es war noch kein Liebesbrief dabei, der mich so geflasht hat, dass ich sagen würde, das ist jetzt meine große Liebe.

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Liebesbriefe via Facebook sind keine Seltenheit.      ©Thomas Weber

 

Würden Sie sich dann selbst als Romantiker bezeichnen?

Puh, würde ich mich selbst als Romantiker bezeichnen? Ja, schon. Gibt es eigentlich Menschen, die nicht romantisch sind?

Stimmt, gutes Gegenargument.

Es hängt davon ab, wie man romantisch definiert. Wenn man einfach in der Früh zu zweit aufwacht und sich darüber freut, finde ich das eigentlich schon romantisch. Fast romantischer als die kitschige Version, wenn man eben am Balkon mit vielen Decken ein Glas Wein trinkt und die Sterne dabei anschaut oder am Strand spazieren geht. Romantik ist immer eine Definitionssache und ich denke, jeder Mensch ist irgendwie romantisch.

Also hat er sich doch selbst verraten, der liebe Herr Weber. Welchem Mann wären solche Bespiele schon eingefallen, wenn er nicht selbst ein wahrer Romantiker wäre?

Thomas Weber seht Ihr bald wieder um 19 Uhr im ORF2 und von mir hört Ihr wieder nächste Woche, hier auf elitale,

 Eure Melanie

*Deutschland: 11. und 12. Klasse